Denkmalschutz für das Stipendiatenhaus?

+
Das Stipendiatenhaus steht in seiner heutigen Form seit ungefähr 1869 am Kirchplatz. Während der Eigentümer das Gebäude nicht für denkmalwürdig hält, sind Stadt und LWL-Denkmalamt davon überzeugt, dass es schutzwürdig ist.

Alles andere als Begeisterung löste bei Horst Köster die Nachricht aus, dass das Stipendiatenhaus am Kirchplatz, das sich in seinem Besitz befindet, unter Denkmalschutz gestellt werden soll. Das LWL-Denkmalamt sieht das Gebäude allerdings als wertvoll für die Plettenberger Stadtgeschichte an.

„Das ist nicht die beste Variante, ich bin damit nicht einverstanden“, erklärt Köster auf ST-Anfrage. Denn ein unter Denkmalschutz gestelltes Haus kann immer auch eine hohe Belastung für private Eigentümer bedeuten. Denn selbst kleine Veränderungen am Äußeren des Gebäudes, für die bei nicht unter Schutz stehenden Häusern in der Regel keine Genehmigung beantragt werden muss, müssen genehmigt werden. Die Anträge bei Umbaumaßnahmen müssen außerdem sehr detailliert sein, was wiederum viel Bürokratie bedeutet.

Auch hohe Kosten können bei einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude entstehen: Sollen beispielsweise neue Fenster eingebaut werden, handelt es sich oft um Maßanfertigungen – denn die neuen Fenster müssen dem alten Erscheinungsbild entsprechen. Allerdings gibt es für Eigentümer von unter Denkmalschutz stehenden Immobilien auch Fördermittel oder steuerliche Vorteile.

Gerade die ausufernde Bürokratie und die teilweise immensen Kosten zur Instandhaltung eines unter Schutz gestellten Gebäudes seien Köster ein Dorn im Auge. Alleine schon weil das heutige Stipendiatenhaus mehrfach, aus Kösters Sicht unsachgemäß, umgebaut worden sei, sei kein Denkmalwert gegeben, erklärt der Eigentümer.

Das sieht das LWL-Denkmalamt anders: Für sie besitzt das Gebäude eine besondere Bedeutung für die Plettenberger Stadtgeschichte. Das heute zu sehende Haus sei zwar in dieser Form erst irgendwann ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, orientiere sich aber noch an der Straßenausrichtung von 1725, dem Jahr des großen Stadtbrandes. Sowohl das Haus, als auch die Parzelle würden den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer verdeutlichen, die „im Garten des Hauses noch wahrzunehmen ist“, heißt es in der Vorlage des Planungsausschusses, der dieses Thema in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch, 11. April, ab 17.00 Uhr beraten wird.

Bereits 1979 sei das Haus in die Liste der zu schützenden Kulturgüter eingetragen und vom LWL-Denkmalamt untersucht worden. Es handele sich um ein fünfachsiges, zweigeschossiges und spätklassizistisches Gebäude mit pfannengedecktem Satteldach.

Wie das Denkmalamt erklärt, würde eine hohe historische Substanz bis heute erhalten geblieben sein: Fenster, Türen, Fliesen, Treppenanlage und -pfosten und mehr würden scheinbar noch aus der Bauzeit stammen.

Allerdings sei das Gebäude im Jahr 1891 auf der Ostseite durch den bekannten Architekten Otto Leppin erweitert worden. Entgegen der Meinung Kösters habe dieser Anbau die Denkmalwürdigkeit nicht verringert, meint das Denkmalamt – auch wenn „Eleganz verloren“ gegangen sei. Das heutige Stipendiatenhaus sei „aber im eigentlichen historischen Bestand vollständig erhalten.“

Köster frage sich allerdings, warum gerade dieses Haus unter Denkmalschutz gestellt werden soll. „Manche Nachbarhäuser am Kirchplatz stehen nämlich nicht unter Denkmalschutz“, erklärt Köster. Für ihn sei die mögliche Unterschutzstellung sogar ein „Eingriff in das Eigentumsrecht“. Dennoch versicherte der Eigentümer, dass das Gebäude auch weiterhin der Werkstatt zur Unterbringung der Stipendiaten zur Verfügung stehen soll.

Die Stadt besitze übrigens keine Bedenken gegen eine Unterschutzstellung des Gebäudes am Kirchplatz.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare