„Mit vielen Ideen seiner Zeit voraus“

Trauer um ehemaligen Krankenhaus-Chef: Michael Kaufmann verstorben

Der ehemalige Chef des Plettenberger Krankenhaus, Michael Kaufmann (Mitte), hier mit Barbara Bieding und Fritz Boy, verstarb jetzt mit 61 Jahren.
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Der ehemalige Chef des Plettenberger Krankenhauses, Michael Kaufmann (Mitte), hier mit Barbara Bieding und Fritz Boy, verstarb jetzt im Alter von 61 Jahren.

„Die „schwarze Null“ für das Plettenberger Krankenhaus zu erreichen, war das große Ziel von Michael Kaufmann, der von 2008 bis 2016 Geschäftsführer des Plettenberger Krankenhauses war und am 15. September dieses Jahres nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 61 Jahren verstarb.

Plettenberg - Auch wenn sein Abschied aus dem Plettenberger Krankenhaus Ende 2016 eher sang- und klanglos über die Bühne ging, hätte sich der Diplom-Haushaltsökonom sicherlich darüber gefreut, dass das heimische Krankenhaus inzwischen in ruhigerem Fahrwasser unterwegs ist. Michael Kaufmann wurden die anhaltend roten Zahlen und die letztlich völlig misslungene Kooperation mit dem St. Vinzenz-Krankenhaus in Altena zum Verhängnis und so trennten sich die Wege vor gut fünf Jahren.

Pendelte der Vater von drei erwachsenen Töchtern zuvor acht Jahre lang stets zwischen Wuppertal und Plettenberg hin und her, lebte er in den letzten fünf Jahren in der Vier-Täler-Stadt. Bis 2009 war Kaufmann fast 18 Jahre als Geschäftsführer der Wuppertaler Kliniken St. Antonius gGmbH tätig, zu deren Klinikverbund auch Plettenberg zählte. In Altena war Kaufmann bereits seit 1996 tätig,

In seiner Zeit als Geschäftsführer in Plettenberg bewies der in Endingen (bei Freiburg) geborene Kaufmann bei einigen Personalentscheidungen ein gutes Händchen. Auch den Kassensitz für die Radiologie holte er nach Plettenberg und ermöglichte so den Einstieg der Radprax-Gruppe.

Wie der heutige Radprax-Geschäftsführer André Hoppen betonte, habe Michael Kaufmann seinerzeit den Kontakt zu den „Alteigentümern“ (Mendritzki-Stiftung und Stadt Plettenberg) des Krankenhauses hergestellt. „Von Anfang der Verhandlungen an stand für ihn fest, dass er am Tag des Notartermins seine Geschäftsführertätigkeit beenden werde“, so Hoppen. Kaufmann habe aber weiter als guter Ratgeber zur Verfügung gestanden.

Bereits mit 32 Jahren hatte Michael Kaufmann 1991 die Wuppertaler Kliniken St. Antonius übernommen. Der gelernte Koch hatte zuvor in einer Unternehmensberatung das St. Josef Hospital in Bochum Linden geleitet.

Kaufmann gelang es, den Klinikverbund mit rund 2000 Mitarbeitern nach einem Betrugsverdacht gegen den früheren Geschäftsführer und dem „Todesengel-Skandal“ zunächst zu retten. Der zunehmende Konkurrenzdruck im Gesundheitswesen führte dann aber später zu einer finanziellen Schieflage in Wuppertal, die Kaufmann durch den Zusammenschluss von Kliniken lösen wollte.

„Michael Kaufmann war mit vielen Ideen seiner Zeit einfach voraus“, sagte André Hoppen: „Heute käme beispielsweise niemand mehr auf die Idee, zwei Krankenhäuser zusammenzulegen, respektive eines zu schließen, aber alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Er wurde in Wuppertal vom Aufsichtsrat gezwungen, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen und hat das finanzielle Fiasko vorhergesagt“, so Hoppen. Unter Kaufmanns Regie kamen die Krankenhäuser Altena, Plettenberg, Wülfrath und Velbert mit unterschiedlichen Beteiligungsmodellen unter dem Dach des St. Antonius-Krankenhauses in Wuppertal zusammen.

Doch der langfristige wirtschaftliche Erfolg blieb letztlich aus. Und so blieb auch die schwarze Null in Plettenberg ein Wunschdenken und die Stadt musste viele Jahre lang hohe Beträge in den Fortbestand des Hauses investieren. In Altena führte das Engagement von Kaufmann letztlich gar zur Schließung des St. Vinzenz Krankenhauses.

Nach seinem Ausscheiden in Plettenberg war Kaufmann noch Geschäftsführer an der Fachklinik St. Blasien im Schwarzwald. Zudem leistete er in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, Entwicklungshilfe, wie die Stadtzeitung Wuppertal vermeldete. Der Oberstleutnant der Reserve beim Nato-Hauptquartier in Münster war zudem militärischer Fachberater für Gesundheitsfragen.

In den letzten Jahren zog sich Kaufmann aufgrund zunehmender gesundheitlicher Probleme aus dem Gesundheitswesen zurück. Sein Traum, mit dem erst zu Jahresbeginn gekauften Wohnmobil Europa zu erkunden, erfüllte sich nicht mehr. Im Alter von nur 61 Jahren verstarb Kaufmann nach kurzer schwerer Krankheit. Die Beisetzung findet am 22. Oktober in seinem Geburtsort Endingen am Kaiserstuhl statt.

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