Rafael Dreyer und Edson Lugemeleza schreiben

Briefe zu Weihnachten aus Tansania und Ghana

Okoa Sasa Lugemeleza Kinderhaus Bukoba Tansania
+
Die Kinder in Bukoba/Tansania leben in einfachen Verhältnissen, sind aber mit dem Wenigen, das sie haben, zufrieden.

Es ist schon einige Zeit her, dass Edson Lugemeleza und Rafael Dreyer zuletzt in Plettenberg waren. Aber die beiden Männer aus Tansania und Ghana sind der Vier-Täler-Stadt noch immer eng verbunden und melden sich nun auf Anregung der Heimatzeitung pünktlich zu Weihnachten mit einem Brief aus ihrer Heimat.

Plettenberg - Der eine, Edson Lugemeleza, lebt in Tansania und leitet mit Plettenberger Hilfe ein Kinderhaus in Bukoba, einem typisch afrikanischen Dorf am Victoriasee, in direkter Nähe zu den Ländergrenzen zu Ruanda und Uganda. Sein Kontakt nach Plettenberg ist 1997 entstanden, als Lugemeleza im Auftrag der Vereinigten Evangelischen Mission nach Plettenberg kam. In diesen sechs Jahren entstanden viele Freundschaften, aus denen im Jahr 2007 der Verein Okoa Sasa – Hilfe Direkt entstand, dessen größter Verdienst es ist, dass in Bukoba im Jahr 2011 ein Kinderhaus gebaut werden konnte, in dem nun schon rund 250 Kinder Unterstützung gefunden haben.

Die junge Kinderhaus-Bewohnerin Joivia hat das einmal so zusammengefasst: „Ihr habt einen Schutz für Kinder hier bei uns in Tansania geschaffen. Es war so schwer, als Kind auf der Straße zu leben. Es ist auch nicht einfach, als Kind ohne elterliche Erziehung aufzuwachsen. Aber Okoa Sasa ermöglicht uns das. Es gibt keinen Unterschied zwischen denen, die mit ihren Eltern leben, und uns, die durch Okoa Sasa unterstützt werden.“

Der andere Plettenberger, der sich gemeldet hat, Rafael Dreyer, ist vor dreieinhalb Jahren nach Accra, der Hauptstadt von Ghana in Westafrika, gezogen. Zuvor hatte er für vier Jahre als Pfarrer in Plettenberg gearbeitet. „Die Wege Gottes können uns Menschen auch ein wenig weiter wegführen. Wenn Menschen nicht aufgebrochen wären, dann wäre das Evangelium aus Israel nie hier bei uns angekommen“, sagte er seinerzeit zu seinem Abschied. „Als ich dann die ausgeschriebene Stelle in Ghana entdeckte, wusste ich: Das ist die Stelle für mich und auch für ein paar Jahre der passende Ort für uns als Familie. So können Sara, Sergio und ich auch die Muttersprache von Esther [Rafael Dreyers Frau] erlernen: Twi.“

Was Edson Lugemeleza und Rafael Dreyer derzeit bewegt und wie sich die Corona-Pandemie auf ihre Heimat auswirkt, haben beide in den nachfolgenden Briefen niedergeschrieben.

Brief aus Tansania: Erst ein Brand im Kinderhaus, dann auch noch Corona

Edson Lugemeleza schreibt: „In diesem Jahr sind wir durch verschiedene schwierige Situationen gegangen. Schon Anfang März ist der Mädchentrakt unseres Kinderhauses abgebrannt. Kurzer Zeit später ist das Coronavirus auch nach Tansania gekommen. Das war eine noch traurigere Situation. Wir saßen mit Abstand, obwohl wir kein Haus mehr hatten. Wir mussten alle Kinder in einem kleinen Gästehaus in Kashura aufnehmen. Die Hoffnung und alle Träume unserer Kinder waren weg. Und auch wir Erwachsenen wussten nicht, wie es weiter gehen konnte.

Gott sei Dank ist die Situation jetzt ganz anders. Wir haben ein neues und besseres Haus. Zum Glück sind bei dem Brand im Kinderhaus alle Kinder heil nach draußen gelangt. Innerhalb von drei Monaten war das Haus schon wieder aufgebaut und die Kinder konnten in dem neuen Gebäude wohnen. Jetzt sieht das Kinderhaus so schön aus. Zurzeit fühlen sich die Kinder wie im Paradies.

Und dann Corona: Am 16. März 2020 wurde verkündet, dass die Epidemie in Tansania angekommen ist. Dies hat uns sehr erschüttert; man wusste nicht was zu tun ist. Schutzmaßnahmen wurden ergriffen: Das Reichen der Hände geht nur mit aller Vorsicht. Es geht nicht, dass jeder die angebotene Hand nimmt. Traditionelle Medikamente werden genutzt, um das Coronavirus zu bekämpfen. Es wird viel Ingwer, Zwiebel, Knoblauch, Pfeffer und Limonade als Heilmittel getrunken. Und wir beten zu Gott, dass er uns durch diese Katastrophe hilft.

Diese Epidemie hat dennoch überall viele Probleme verursacht. Die gesellschaftliche Normalität ist anders geworden. Es war bei uns normal, dass die Menschen im Dorf sich treffen und gegenseitig helfen. Jetzt nimmt man mehr Rücksicht auf sich selber, als anderen Menschen zu helfen. Keiner vertraut dem anderen. Die ökonomische Situation ist nicht mehr wie sie war – vor allem für viele Menschen, die Produkte aus ihrer Schamba (Garten) auf dem Markt verkaufen. Mädchen im Schulalter werden schwanger, denn während der Zeit der Schutzmaßnahmen können viele Kinder nicht zu Schule gehen. Stattdessen treffen sie Menschen, die ihnen nicht helfen wollen und ihre Zukunft zerstören.

Und: In dieser Zeit ist in der Gesellschaft so viel Wasser genutzt worden, wie noch nie zuvor. Auf Straßen und Wegen, vor Türen, überall ist Wasser zum Handwaschen; auch in den Kirchen vor der Abendmahlfeier.

Zum Glück hat sich bis jetzt niemand bei uns mit Corona infiziert. Die Kinder im Kinderhaus haben uns versprochen, sehr tüchtig zu lernen, damit sie gute Ergebnisse erlangen, um ein besseres Leben führen zu können.“

Brief aus Ghana: Eine Palme als Weihnachtsbaum

Rafael Dreyer schreibt: „Das Corona-Thema ist zwar sehr präsent in den Medien, aber da die Zahl der aktiv Erkrankten gerade einmal 933 beträgt– die Anzahl der Corona-Toten liegt bei 333 – sind die die Ghanaer im Allgemeinen weniger von Angst umtrieben. Die Maskenpflicht besteht in allen öffentlichen Gebäuden, Geschäften, Kirchen usw. und wird auch umgesetzt. Im Straßenbild in Accra sieht man jedoch weit weniger Menschen, die maskiert umherlaufen, im ländlichen Bereich noch viel weniger.

Im Straßenbild von Accra, sieht man, wenn überhaupt, nur sehr wenige Menschen mit Mund-Nasen-Schutz herumlaufen.

Die Presbyterian Church of Ghana, in der ich seit August 2017 arbeite, mit ihren 1 Million Mitgliedern die älteste Kirche in Ghana und seit 190 Jahren präsent, hat die Kontaktbeschränkungen und Hygieneprotokolle minutiös umgesetzt und nimmt die Pandemie Ernst. Dadurch können weit weniger Menschen an den Gottesdiensten teilnehmen. An Weihnachten kommen im Allgemeinen nicht viel mehr Menschen zur Kirche als gewöhnlich. Aber es gibt schon mehr Gottesdienste und Veranstaltungen. Die deutsche Gemeinde in Accra, der ich auch vorstehe, trifft sich am Heiligen Abend virtuell über Zoom. Und in meiner Ortsgemeinde wird an Weihnachten die Konfirmation gefeiert.

Was das Klima angeht, befinden wir uns jetzt in Westafrika in der Trockenzeit, mit heißen Temperaturen. Weiß sind an Weihnachten hier nur die feierlichen Kleider der Kirchgänger.

Die Presbyterian Church of Ghana hat die Tradition des europäischen Weihnachtsbaumes seit vielen Jahrzehnten übernommen. In den Kirchen stehen diese großen Plastikbäume, meist chinesischer Produktion. Einmal habe ich im Presbyterium (Gemeindekirchenrat) meiner Ortsgemeinde angeregt, man könnte doch einmal eine hiesige Palme nehmen und diese weihnachtlich schmücken. Dieses Ansinnen wurde zwar mit freundlichem Interesse aufgenommen aber nicht umgesetzt. Die europäische Tradition ist doch zu stark in den Köpfen verwurzelt. Bei uns in der Familie zu Hause haben wir einen kleinen Palmbaum geschmückt…

Wir Dreyers wünschen den Plettenbergern eine friedliche Weihnacht und Mut und Zuversicht angesichts weiterer Schließungen des ganzen Landes im Corona-Jahr 2021.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare