„Asozialer Arbeitgeber“

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Thomas Kutschaty (Fraktionsvorsitzender SPD-NRW) und  Inge Blask (MdL, SPD), übten harsche Kritik am Dura-Mutterkonzern.

Teilweise harte Worte fanden Thomas Kutschaty, Fraktionsvorsitzender der NRW-SPD, und Torsten Kasubke von der IG Metall für den Dura-Mutterkonzern: Dieser plant bekanntlich die Schließung der Standorte Plettenberg und Selbecke im kommenden Jahr und würde sich der Schaffung einer Transfergesellschaft verweigern.

„Es ist eine Sauerei: Zuerst wird der Standort jahrelang ausgesaugt und dann werden die Mitarbeiter einfach im Stich gelassen“, erklärte Kutschaty im Rahmen des Pressegesprächs am gestrigen Mittwochmorgen. Denn die amerikanische Konzernführung verweigere bisher die Übernahme einer Bürgschaft für eine Transfergesellschaft, durch die die Dura-Mitarbeiter weiter qualifiziert und in neue Arbeit gebracht werden könnten.

„Für die Schaffung einer solchen Gesellschaft wären 20 Millionen Euro nötig“, erklärte Kasubke. Dabei handele es sich nicht um Kosten, die dem Unternehmen entstehen würden: „Das sind lediglich Bürgschaften, das Risiko wäre sehr gering.“

Mit dem arbeitsmarktpolitischen Instrument der Transfergesellschaft könnte für die Dura-Mitarbeiter eine „Brücke“, wie es Leisten- und Blenden-Betriebsratschef Faruk Ikinci nannte, geschaffen werden. Laut ihm sei die Schaffung solcher Gesellschaften im Falle der absehbaren Auflösung eines Unternehmens „Normalität“.

Kutschaty, aber auch die SPD-Landtagsabgeordnete Inge Blask brachten die Möglichkeit ins Spiel, dass Kommune und / oder Land die Bürgschaft für die zu gründende Gesellschaft übernehmen könnten. „Nach meiner Kenntnis wurde noch nie eine Transfergesellschaft aus öffentlichen Mitteln bestritten“, erklärte Kasubke. Normalerweise würden die Unternehmer selbst für die Gründung von Transfergesellschaften sorgen. „Ich habe dieses Wort in meiner Zeit bei der IG Metall noch nie benutzt, aber in diesem Fall ist es einfach so: Wir haben es hier mit einem asozialen Arbeitgeber zu tun“, sagte Kasubke.

Kutschaty wies darauf hin, dass die Alternative zur Gründung der Gesellschaft eine Masse von Langzeitarbeitslosen sei. „Ich denke, dass eine Transfergesellschaft mit öffentlichen Bürgschaften auch ein Pilotprojekt für NRW sein könnte“, sagte der Fraktionsvorsitzende der nordrhein-westfälischen SPD.

Kasubke selbst sei von mehreren Arbeitgebern in der heimischen Region bereits angesprochen worden. Diese würden sich ebenfalls die Gründung einer Transfergesellschaft wünschen. „Es gibt demnach genügend Arbeitsplätze. Doch die betroffenen Dura-Mitarbeiter müssten weiter qualifiziert werden“, erklärte Kasubke. Und dies erfolge am besten innerhalb einer Transfergesellschaft.

Kutschaty zeigte sich enttäuscht, dass für das amerikanische Unternehmen, das von der Multi-Milliardärin Lynn Tilton geführt wird, das Interesse an der Rendite mehr Gewicht besitze als die Interessen der Arbeitnehmer. Am Beispiel Dura sehe man aber auch, wie falsche Entscheidungen ein Unternehmen zu Grunde richten könnten. „Das Ganze hat für mich etwas von einem Wirtschaftskrimi – mit Anteilen von Wirtschaftskriminalität“, sagte Kutschaty.

Die Konzernführung habe nicht nur eine schlechte Unternehmenspolitik vorzuweisen. „Offensichtlich wurde in den vergangenen Jahren gezielt darauf hingesteuert, diesen Standort zu schließen“, erklärte der NRW-SPD-Fraktionsvorsitzende. Lobende Worte fand dieser dagegen für den Dura-Betriebsrat, der „mit Herzblut für die Belegschaft“ kämpfe.

Land und Kommune seien nun gefordert, den Standort weiterzuentwickeln. Inge Blask wies dabei erneut auf das Förderprogramm „Regio.NRW“ hin. „Ich habe in den letzten Monaten viel Druck vor allem auf den NRW-Wirtschaftsminister ausgeübt“, sagte Blask.

Auch Kasubke forderte die Weiterentwicklung des Standorts. Mittelfristig müssten neue Perspektiven für die Dura-Mitarbeiter geschaffen werden.

Der IG Metall-Vertreter kritisierte erneut die Entscheidung des Mutterkonzerns, die Standorte Plettenberg und Selbecke schließen zu wollen. „Dura Europa macht Gewinne, die hauptsächlich auf Innovationen aus Plettenberg beruhen“, sagte Kasubke. Nun gehe die Beschäftigung zurück, die Verlagerung von Maschinen erfolge in immer kürzeren Abständen. „Die Konzernführung übernimmt keinerlei Verantwortung für die Schließung“, sagte Kasubke.

Für Kutschaty sei es nun auch wichtig, ausländischen Unternehmen klar zu machen, dass sie nicht nach NRW kommen könnten, um Standorte auszusaugen. „Wir freuen uns über jeden Investor – Heuschrecken brauchen wir aber nicht.“

Die Gerüchte, die Konzernführung denke gar über die Anmeldung der Insolvenz für den Standort Plettenberg nach, hielt Kasubke jedoch für haltlos: „Ein Insolvenz-Verwalter würde sich alles noch einmal genau ansehen. Ich glaube nicht, dass das vorteilhaft für das Unternehmen wäre.“ Allerdings erklärte der IG Metall-Vertreter auch: „Bei Dura habe ich wirklich viele einmalige Sachen erlebt.“

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