„Keine Mittel“ für Transfergesellschaft

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Torsten Kasubke (IG Metall; li.) und Faruk Ikinci (Leisten- & Blenden-Betriebsratschef) hatten harsche Kritik an der Dura-Konzernführung geübt.

Alle wünschen sich die Gründung einer Transfergesellschaft für die Dura-Mitarbeiter im Bereich Leisten + Blenden, aber die gesetzlich festgelegte Vorfinanzierung könne Dura nicht leisten – „dazu fehlen die Mittel“, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. 

Mit der Forderung nach der Beteiligung „Dritter“ an der nötigen Bürgschaft kontert das Unternehmen die teilweise harsche Kritik des NRW-SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Kutschaty und des IG Metall-Vertreters Torsten Kasubke (wir berichteten).

Demnach habe Dura bereits Ende Juni angeboten, die zu gründende Transfergesellschaft „kostenneutral“ zu unterstützen. Dies wurde den Mitarbeitern per Aushang bekannt gegeben. Der Brief liegt dem Süderländer Tageblatt vor. In diesem heißt es unter anderem, dass Dura Leisten + Blenden eine Transfergesellschaft nicht finanzieren könne und „deswegen haben wir mit dem Betriebsrat gemeinsam nach anderen Lösungen gesucht. Wir waren bereit, nach Abschluss der Vereinbarung weiter an Lösungen zu arbeiten. Das hat der Betriebsrat leider abgelehnt.“

Die Schuld für das Scheitern dieser Verhandlungen sieht der Betriebsrat beim Arbeitgeber. Denn dieser habe lediglich die Anrufung einer Einigungsstelle verlangt; Verhandlungen über Interessensausgleich und Sozialplan seien von Konzernseite abgelehnt worden.

Freiwillige Mehr- und Wochenendarbeit hätten die Betriebsräte der Standorte Plettenberg und Selbecke abgelehnt. Die Vermutung der Arbeitnehmervertreter: „Durch Vorlaufschaffung sollte ein vorzeitiges Ausproduzieren erzielt werden.“

Wer die „Dritten“ sein sollen, die sich an der Gründung einer Transfergesellschaft laut Dura beteiligen sollten, wollte das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht konkretisieren.

Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, hätte eine Einigung auch mehr Geld für die Mitarbeiter bedeutet: Die Arbeitszeitkonten, die üblicherweise mit freien Tagen ausgeglichen werden, wären den Mitarbeitern umgehend ausgezahlt worden. Dabei würde es sich um eine Gesamtsumme von rund 400 000 Euro handeln.

Bestritten wird von Unternehmensseite, dass seit Längerem auf die Schließung der Standorte Plettenberg und Selbecke hingearbeitet worden sei. Demnach habe der Dura-Mutterkonzern jährlich zweistellige Millionenbeträge in die Vier-Täler-Stadt investiert, um den Betrieb am Laufen zu halten. „Insgesamt sind weit über 160 Millionen Euro Verlust angefallen“, heißt aus Kreisen des Unternehmens. In den vergangenen Jahren habe man – entgegen der Behauptungen Kutschatys und Kasubkes – ernsthaft versucht, den Plettenberger Standort zu restrukturieren – ohne Erfolg.

Erfolgreich war dagegen die Klage des Konzerns vor dem Arbeitsgericht. 2017 war für die seinerzeit 270 gekündigten Dura-Mitarbeiter eine Abfindung in Höhe von 0,3 Prozent des Monatsgehalts pro Beschäftigungsjahr von dem Vorsitzenden der Einigungsstelle vorgesehen worden. Laut Betriebsrat habe der Konzern den Richterspruch unter dem Hinweis, der Vorsitzende der Stelle sei befangen, angefochten. Als Hauptgrund sei angegeben worden, Dura Leisten + Blenden habe nicht die finanziellen Mittel besessen, um die Abfindungen zu zahlen.

Wie es aus dem Umfeld des Unternehmens nun heißt, habe das Arbeitsgericht dem Konzern in diesem Fall Recht gegeben.

Offizielle Stellungnahme

Auf die Kritik von Thomas Kutschaty und Torsten Kasubke, sowie des Leisten + Blenden-Betriebsrates möchte der Dura-Mutterkonzern nicht weiter eingehen. Man wolle einen „professionellen Prozess“ beibehalten, vor allem, da noch kein abschließendes Verhandlungsergebnis erzielt worden sei. Auch zu der Möglichkeit einer „kostenneutralen“ Unterstützung der möglichen Transfergesellschaft oder zur Beteiligung „Dritter“ an dieser möchte der Konzern derzeit nicht näher eingehen.

In der offiziellen Stellungnahme des Dura-Mutterkonzerns heißt es: „’Dura Leisten + Blenden ist nicht in der Lage, die gesetzlich geforderte Vorfinanzierung einer Transfergesellschaft bereit zu stellen, da ihr dazu keine Mittel zur Verfügung stehen.’ Ein Sprecher des Unternehmens betont, dass die Hauptgründe für die Schließung seit mehreren Jahren aufgelaufene Verluste in Höhe von nunmehr 160 Millionen Euro, seit 2015 ausbleibende Neuaufträge sowie ein Großbrand im September 2017 im Plettenberger Werk, welcher die vollständige Zerstörung wichtiger Produktionsanlagen zur Folge hatte, seien.“

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