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Droht Fahrgastschwund? Sorge wegen höherer Taxipreise

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Von: Jan Schmitz, Georg Dickopf

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Udo Göhausen (links), der gemeinsam mit Sohn Frank Geschäftsführer von Taxi Göhausen ist, würde sich ebenso wie der langjährige Fahrer Hubert Stöcker (rechts) höhere Erlöse für die Krankenfahrten wünschen. Die Taxipreiserhöhung sieht er kritisch.
Udo Göhausen (links), der gemeinsam mit Sohn Frank Geschäftsführer von Taxi Göhausen ist, würde sich ebenso wie der langjährige Fahrer Hubert Stöcker (rechts) höhere Erlöse für die Krankenfahrten wünschen. Die Taxipreiserhöhung sieht er kritisch. © Dickopf

Taxifahren im Kreis wird teurer. Gründe für die Preiserhöhung sind nach Auskunft des Verbands des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs NRW (VSPV) die gestiegenen Preise für Diesel und die erwartete Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro pro Stunde.

Plettenberg - Im Durchschnitt werden die Preise nach Informationen unserer Zeitung in einem ersten Schritt um 18 Prozent angehoben.

Bereits im Januar hatte sich der Verband an den Kreis gewandt und eine Taxentarifanpassung angemeldet. Nachdem Geschäftsführer Sascha Waltemate keine Reaktion aus dem Kreishaus erhalten hatte, schrieb er im April noch einmal eine „freundliche Erinnerung“, wie er sagt. Damit die neuen Preise wie beabsichtigt zum 1. Oktober in Kraft treten können, müsste der Kreistag in seiner Juni-Sitzung zustimmen.

Wie Kreissprecher Alexander Bange auf Anfrage mitteilte, bereite die Verwaltung des Kreises derzeit einen Beschlussvorschlag zur Taxentarifanpassung für den Kreisausschuss am 2. Juni und den Kreistag am 9. Juni vor. Die Werte orientierten sich an den Forderungen des Verbands. Die Zustimmung ist in der Regel Formsache.

Nach Recherchen unserer Zeitung meldete die Interessenvertretung der Taxenbetreiber für alle Städte im Kreis eine Preiserhöhung von 24,6 Prozent für die kommenden zwei Jahre an. Grundlage war ein Dieselpreis von 1,60 Euro pro Liter im Januar 2022. Die anschließende Preissteigerung, die Folgen des Ukraine-Kriegs sowie die deutlich anziehende Inflation sind in den neuen Taxipreisen daher gar nicht einkalkuliert. Nachbesserungen seien dennoch nicht erforderlich, sagt Waltemate. Die Preise würden gutachterlich festgestellt und berücksichtigten auch mittelfristige Entwicklungen.

Anders als vom Verband gefordert, sollen die neuen Taxitarife nach dem Willen der Kreisverwaltung voraussichtlich schon zum 1. Juli in Kraft treten, wenn der Mindestlohn auf 10,45 Euro steigt. Sascha Waltemate zeigt sich über dieses Entgegenkommen erfreut. „Angesichts der aktuellen Entwicklung bei Diesel- und Verbraucherpreisen begrüßen wir eine möglichst frühzeitige Anpassung. Jeder Monat früher hilft uns“, sagt Waltemate.

Kritik an Erhöhung

Das sieht Udo Göhausen (76), Seniorchef des ältesten Taxiunternehmens im Märkischen Kreis, deutlich anders. „Leider steigt der Preis, denn dann fährt bald keiner mehr Taxi“, glaubt Göhausen. Der Anstieg des Grundpreises von 3,50 Euro auf 4,10 Euro und in der zweiten Stufe auf 4,40 Euro sei schon heftig. Noch dazu verursache die Preiserhöhung in zwei Stufen weitere Kosten. Das Taxameter neu einstellen und eichen zu lassen koste pro Fahrzeug 170 Euro. Bei zwei Erhöhungen und zehn Taxen seien das allein 3 400 Euro an Kosten.

Auf 4,10 Euro soll der Grundpreis demnächst steigen.
Auf 4,10 Euro soll der Grundpreis demnächst steigen. © Dickopf

Die Erhöhung der Taxigebühren sei ein zweischneidiges Schwert, da natürlich die Dieselkosten enorm gestiegen seien und auch der Mindestlohn aufgefangen werden müsse. Doch dem Seniorchef von Taxi Göhausen wäre eine Erhöhung der Pauschalvergütung für Krankenfahrten deutlich lieber. Denn damit generiere man rund 60 bis 70 Prozent des Umsatzes. Dabei bekomme man pro Stadtfahrt 10,95 Euro – egal, ob die Fahrt 500 Meter oder 15 Klometer lang sei.

Das übrige Taxi-Geschäft in den Abendstunden sei werktags weitgehend tot. „In der Woche klingelt abends manchmal nur drei vier Mal das Telefon“, sagt Göhausen. Hätte man nicht auch noch das Bestattungsgeschäft, wäre man in der Coronaphase gezwungen gewesen, die Hälfte der zehn Taxen zu verkaufen und Mitarbeiter zu entlassen. Von zwei der insgesamt vier Kleinbusse habe man sich mangels Aufträge tatsächlich getrennt.

Hoffnung auf Festsaison

„Jetzt ist die Nachfrage glücklicherweise wieder besser und es beginnt die Schützenfestsaison“, hofft Göhausen nach dürren Taxijahren auf eine Verbesserung. Wenn da nur die hohen Preise nicht wären. Schließlich koste eine Fahrt von der Burg zur Oester dann 38 Euro.

„Eigentlich müsste es für die Taxiunternehmen eine steuerliche Begünstigung geben“, findet der 76-Jährige, der zusammen mit seinem Söhnen Frank und Hanno sowie den treuen Mitarbeitern im nächsten Jahr das 90-jährige Firmenbestehen feiern kann.

„Wir sind das älteste Taxiunternehmen im Märkischen Kreis“, sagt der Seniorchef, der seit 57 Jahren im Betrieb ist, nicht ohne Stolz. Beim Besuch in Hamburg habe es ihn betroffen gemacht, dass 30 Prozent der Unternehmen in der Coronakrise aufgaben.

Das bestätigt auch Sascha Waltemate, der hofft, dass es im Herbst keine Corona-Einschränkungen mehr gibt. „Die Reserven sind aufgebraucht. Ein weiterer Lockdown würde für einige in der Branche das Aus bedeuten.

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