Prozess vor dem Landgericht

Flucht mit brisanter Ware: 26-Jähriger flieht mit Drogen im Gepäck vor der Polizei

Die Sparkasse in der Plettenberger Innenstadt.
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Am Sparkassen-Parkplatz am Umlauf begann die Flucht des 26-Jährigen vor der Polizei. Nun muss sich der Dillenburger unter anderem wegen des Besitzes von rund drei Kilogramm Amphetamin vor dem Landgericht verantworten

Plettenberg/Hagen – Mit einem Geständnis hat im Landgericht Hagen der Prozess gegen einen 26-jährigen Angeklagten aus Dillenburg begonnen, der am 17. Oktober offenbar mit einer brisanten Handelsware in Plettenberg unterwegs war: Drogen. Doch es dauerte noch ein Weilchen, bis zwei Beamte, die an jenem Tag zu nächtlicher Stunde den Sparkassenparkplatz am Umlauf im Blick hatten, genauer wussten, was sich im dort geparkten Auto des 26-Jährigen befand.

Denn zunächst verlor der junge Mann die Nerven, missachtete die Fahrtrichtung der Einbahnstraße und fuhr davon. Die Ordnungswidrigkeit lieferte den Polizisten den Anlass, ihm zu folgen, was eine schrittweise Erhöhung seiner Fahrgeschwindigkeit zur Folge hatte.

„Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo ich lang gefahren bin“, erklärte der 26-Jährige. Die Beamten waren ortskundiger: Trotz ihrer Anhaltezeichen ging es „relativ zügig“ mit bis zu 100 Stundenkilometern über den Maiplatz in die Kaiserstraße, am Kreisverkehr rechts ab auf die Straße An der Lohmühle. Der Angeklagte nahm dann Weg über den Wall – ausgerechnet an der Polizeiwache vorbei – und über die rote Ampelkreuzung zum Hestenbergtunnel.

Weißes Pulver im Gebüsch gefunden

Hinter dem Tunnel prallte der Flüchtende gegen die Leitplanke, fuhr weiter, verlor Luft aus einem Reifen und floh in der Nähe der ATU-Filiale schließlich zu Fuß. Doch Polizeibeamte müssen bekanntlich gut trainiert sein, und so holte ihn ein 29-jähriger Polizist schließlich ein. Aus dem Gebüsch fischten die Beamten eine vom Angeklagten weggeworfene Tüte mit fast drei Kilogramm eines weißen Pulvers, das sich später als eine Amphetamin-Zubereitung herausstellte.

Im Auto des 26-Jährigen fanden die Polizisten noch diverse Flaschen mit Amphetamin-Öl, aus denen der Angeklagte nach seinen Angaben ein Nasenspray herstellen wollte.

Das Angebot war zu verlockend.

Der Angeklagte zum Grund, warum er wieder mit Drogengeschäften begonnen hat.

Diebstähle und zahlreiche Betäubungsmittel-Delikte füllten das Strafregister des Angeklagten. Nach einer Verurteilung zu mehr als drei Jahren Haft, von denen er zwei Jahre abgesessen hatte, war er erst im März 2020 entlassen worden. „Das Angebot war zu verlockend“, erklärte er seinen zügigen Rückfall in die Drogenkriminalität.

Hatte er die Ware in Plettenberg gerade gekauft? Fragen nach den näheren Umständen des Kaufs wollte der 26-Jährige nicht beantworten. Für den Handel mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel droht ihm mindestens ein Jahr Haft. Dazu kommt der zweite Vorwurf einer Unfallflucht nach der Kollision mit der Leitplanke, die für mehr als 1 000 Euro repariert werden musste.

Gutachter attestiert Abhängigkeit

Doch statt ins Gefängnis wird der junge Mann voraussichtlich in die Drogentherapie des Maßregelvollzugs gehen. Der psychiatrische Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz attestierte dem 26-Jährigen ein schweres Abhängigkeitssyndrom von Alkohol, Ecstasy und Amphetaminen. Zur Finanzierung habe er seit 2013 eine Vielzahl von Straftaten begangen. Selbst ein längerer Gefängnisaufenthalt habe ihn nicht davon abgehalten. Daran würde sich nach der nächsten Entlassung aus dem Gefängnis auch nichts ändern: „Ich kann nicht sehen, wie der Angeklagte seinen Konsum auf legalem Wege finanzieren könnte.“

Der Prozess soll am 29. März zu Ende gehen.

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