Bewährungsstrafe für 31-jährigen Plettenberger

Um Sohn zu helfen: Mann aus MK mischt sich in Drogengeschäfte ein

Marihuana
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Weil er unter anderem 300 Gramm Marihuana für seinen Sohn kurzzeitig aufbewahrt hatte, wurde ein 61-Jähriger zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt.

Plettenberg – Um seinem Sohn zu helfen, mischte sich ein 61-jähriger Neuenrader im Mai 2019 massiv in die Drogengeschäfte des Nachwuchses ein. Die Strategie zu deren Beendigung war jedoch nicht gut überlegt, denn am Ende mussten sich beide gemeinsam vor einem Schöffengericht verantworten, das coronabedingt im weiten Rund des Altenaer Ratssaals tagte. Das Gericht verurteilte den 31-jährigen Plettenberger zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung.

Manchmal wirkt sich der Grundsatz, dass Juristen Geldstrafen als mildere Sanktion betrachten, unangenehm aus. Denn der Vater wurde zwar „nur“ zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt. Da er aber ein erfolgreicher Geschäftsmann ist, wird die 90 mit einer Tagessatzhöhe von 110 Euro multipliziert. Das ergibt die stattliche Summe einer Geldstrafe von 9 900 Euro.

Beruhigung bei ADHS

Was war passiert? Der 31-Jährige nannte medizinische Gründe für seinen eigenen Drogenkonsum, den er auch mit Verkäufen finanzierte: Da er am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) leide, wirkten Amphetamine auf paradoxe Weise, nämlich beruhigend auf ihn – ebenso wie Marihuana. Die „Therapie“ und die Drogengeschäfte stießen auf zunehmendes Unverständnis bei den Eltern seiner Freundin, die sich schließlich an die Polizei wandten. Weil der 31-Jährige 300 Gramm Marihuana nicht in seiner Wohnung in Plettenberg behalten wollte, schaffte er das Zeug zusammen mit weiteren Kleinmengen zu seinem Vater nach Neuenrade. Dort blieb die heiße Ware für „zwei bis drei Tage“. Das weitere Vorgehen war von dem Willen diktiert, die gut 2 000 Euro für die Kommissionsware nicht an den Lüdenscheider Dealer zahlen zu müssen. „Das Zeug kommt weg“, befahl der Vater.

„Hätte Schulden gehabt“

„Er hat mir die Ohren langgezogen“, erinnerte sich der Sohn und berichtete von einem kooperativen Drogenhändler, der die Mittel tatsächlich zurücknahm, während der Vater im Auto wartete. „Warum haben Sie es nicht ins Klo geschüttet?“, wollte Richter Dirk Reckschmidt wissen. „Dann hätte ich Schulden gehabt“, erwiderte der 31-Jährige. Aus rechtlicher Sicht war auch der Vater zum vorübergehenden Besitzer der in seiner Wohnung aufbewahrten Betäubungsmittel geworden. „Er wusste, dass da Dinge drin waren, die da nicht drin sein durften“, erklärte Verteidiger Tobias Noll mit Blick auf den Behälter. Auch dem Vater wurden die Alternativen vorgelegt: „Zur Polizei oder ins Klo?“ Aus rechtlicher Sicht hatten sich beide Angeklagte „in den Bereich des Verbrechens begeben“. Dessen Strafmaß beginnt bekanntlich bei einer Haftstrafe von einem Jahr. Der Fall des Vaters legte allerdings die Annahme eines minderschweren Falls nahe, und damit lag die Mindeststrafe bei drei Monaten Haft oder 90 Tagessätzen.

„Ich wollte meinem Sohn helfen. Ich habe einen Fehler gemacht“

Der Vater aus Neuenrade

„Minderschwerer Fall“

„Er war nur kurzfristig im Besitz des Betäubungsmittels“, stellte der Staatsanwalt fest und zeigte ein gewisses Einfühlungsvermögen: „Man kann das verstehen, dass er das nicht zur Polizei bringen und seinen Sohn ans Messer liefern wollte.“ Der Vertreter der Anklage beantragte allerdings eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen, was in der Summe 16 500 Euro entsprochen hätte. Dazu kam es aber nicht: Verteidiger Tobias Noll und das Schöffengericht werteten das Vorgehen des Vaters als klassischen Fall für den „untersten Bereich eines minderschweren Falls“ und blieben bei diesen 90 Tagessätzen, die den eigentlich recht verantwortungsvollen Vater hart trafen. Es wäre erheblich billiger gewesen, den Lüdenscheider Dealer schlicht und einfach auszuzahlen. „Ich wollte meinem Sohn helfen. Ich habe einen Fehler gemacht“, erklärte der 61-Jährige. Einen Fehler hatte auch sein Sohn gemacht: „Ich hätte die Tabletten besser schon zehn Jahre eher genommen“, berichtete er von legalen und offenbar sehr wirksamen Medikamenten. Sein Leben hatte sich nach der Geschichte offenbar erheblich beruhigt, und auch beruflich hatte er wieder Tritt gefasst: „Ich habe einen Job gefunden.“

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