Festival Acappellissimo sorgt in Böddinghauser Aula für beste musikalische Unterhaltung

Dresdner „Medlz“ erobern Plettenberger im Sturm

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Plettenberg - Kenner der heimischen Chorszene wissen es: Wenn die Four Valleys zum Acappellissimo-Festival einladen, heißt es schnell sein, um Karten zu ergattern. Sie wissen, die Sänger bieten selbst ein tolles modernes Repertoire an und haben stets ein Händchen für die Auswahl ihrer Gäste, dieses Mal den Jugendchor Soundsation und eine der angesagtesten A capella-Popgruppen Europas – die Medlz aus Dresden.

So hieß es denn auch in diesem Jahr nicht unerwartet: Sorry, ausverkauft. Dem Umherblickenden bot sich ein imposantes, überbordendes Publikumsbild in der Böddinghauser Aula. Bereits der erste Programmteil des Acappellissimos begeisterte bis hin zur Zugabenreizung. Die Sänger der Four Valleys hatten ein konzertantes Sabbatjahr eingelegt, um in Ruhe neue Lieder einzustudieren und neuen Sängern den besseren Einstieg zu ermöglichen.

 Das Resultat dieser intensiven Arbeit erhielt nun beim Acappellissimo seine gefeierte Premierenstellung. Tenor Sven Mialkas, für seine unnachahmlichen augenzwinkernden Moderationen der Four Valleys bekannt, klärte als mittelalterlicher Mönch das Publikum über die Geschehnisse des abgelaufenen Probenjahres auf und wies darauf hin: „Es galt; die Pause für neues Schaffen zu nutzen. Höret die neuen Lieder, sage ich euch.“ Später hatte er die Lacher auf seiner Seite, als er auf seine figurliche Veränderung anspielte: „Ich hatte als Attendorner schließlich eine harte Zeit. Fahren Sie mal mit dem Kennzeichen OE nach Plettenberg. Das bedeutet doch: Ohne Einreisegenehmigung.“ Zwei verhalten gehaltene Stücke aus dem Alpin-Popbereich „Über’n See“ (Lorenz Maierhofer) und „Weit weit weg“ (Hubert von Goisern) brachte das Publikum in die Welt der Heimat, Liebe und des Verlustes, bevor die Jugend in Form von Soundsation die Bühne eroberte. Seit Mai in dieser Zusammensetzung war es umso beachtlicher, was die jungen Sängerinnen unter der Leitung von Christoph Ohm ablieferten. 

Gänsehautmomente und große Begeisterung riefen Chor und die Solistinnen (Francesca Kirchhoff-Stewens, Eleni Lazou, Celina Schmidt, Lorena Kühnl, Amelie Jatta und Laurence Kiangala) hervor. Sehr gefühlvoll kam etwa die James-Bond-Filmmusik „Writings on the wall“ aus Spectre, kräftig temperamentvoll das „Listen“ von Beyoncé. Der jugendliche Chor wurde begeistert gefeiert. Eine grandiose Leistung in so einer kurzen Zeitspanne. Vor dem zweiten Programmteil des Abends besangen die Four Valleys den „Caravan of love“, gingen über die „7 bridges road“ und sangen mit dem Publikum den Evergreen „Let it be“. Kopfkino bekam der Zuhörer beim überaus einprägsamen Arrangement des Titels „Loch Lomond“. Man hörte den Marsch der Highlander in den Kampf, die Trauer um den Verlust der Liebsten, die Gewissheit, nur durch den Tod zurück in die Heimat Schottlands zurückzukehren. Mit der Zugabe „Viva la vida“ (Cold Play) erfüllten die Sänger einen Wunsch ihrer fleißigen Helferinnen. Mit Schillers „Ode an die Freude“ (Ludwig van Beethoven) setzten die Medlz ein gesungenes orchestrales Ausrufezeichen an den Beginn ihrer furiosen Darbietung. 

Im neuen Programm „Heimspiel“ setzen die Medlz auf die deutsche Sprache. „Unsere Sprache ist so schön, man kann mit ihr sehr vielfältig Dinge ausdrücken. Sprache gehört zur Kultur und Kulturgut darf man weitergeben“, erklärte Sabine Kaufmann. So kamen nur Lieder mit deutschen Texten zum Vortrag, musikalisch und inhaltlich aus den verschiedensten Genres herkommend. Sie bedienen sich bei Wir sind Heldens „Aurélie“, rappen den „Liebesbrief“ der Fantas, mixen „Atemlos“ mit „Santa Maria“, kreuzen den „Schrei nach Liebe“ (Ärzte) mit Udos „Hinterm Horizont“. Sie verbreiten gefühlvolle Momente in „So gerne“ (Regy Clasen), sind rockig metallen im Rammstein-Medley oder reggae-dancehall-mäßig auf Seeeds „Deine Augen machen blingbling“ unterwegs. 

Die Medlz schaffen es in einem Zug den Schlager „Atemlos“ und ihren eigenen Dialekt Sächsisch und damit sich selbst auf die Schippe zu nehmen. Top Gesang mit charmanter Ausstrahlung, gezielt eingesetzte Showeinlagen, Humor – die Medlz eroberten das Publikum im Sturm. Gemeinsam mit den Four Valleys verabschiedeten sich die Medlz mit dem Liebeslied „In this heart“.

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