Kleiner Ayden starb im Januar

Tag drei im Pflegevater-Prozess um Tod des kleinen Ayden: Angeklagter erklärt sich weinend

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Der Angeklagte zwischen seinen Anwälten.

Plettenberg - Tag drei im Pflegevater-Prozess vor dem Landgericht Hagen: Der Plettenberger, der im Januar seinen kleinen Pflegesohn Ayden so heftig geschüttelt und geschlagen haben soll, dass dieser starb, hat sich heute vor Gericht eingelassen. Nach kurzer Zeit brach er seine Erklärung zunächst weinend ab, setzte sie nach einer Pause aber doch fort.

Gegen 9.15 Uhr begann der Angeklagte zwischen seinen Anwälten sitzend, eine Erklärung vorzulesen. Doch weit kam er damit nicht, brach nach wenigen Minuten weinend ab. Es wurde eine Pause eingelegt. 

Das erklärte der Pflegevater:

Nach der Pause sagte der Angeklagte dann aus, dass das Kind am 2. Januar erst hingefallen und auf einem Spielzeug gelandet war. Nach einer Weile habe sich der Junge kurz beruhigt, woraufhin er selbst kurz ins Nebenzimmer gegangen sei, um mit einem Staubsauger die Heizung zu säubern.

Wenig später habe der Junge wieder lauter geschrien. Er sei dann wieder in das Zimmer gegangen und habe gesagt, er solle jetzt endlich aufhören zu schreien. Dann habe er ihn geschüttelt. Es sei eine Sicherung bei ihm durchgebrannt und er habe sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt. Es sei ein sehr stressiger Arbeitstag gewesen - er habe Arbeit von Kollegen nachholen müssen.

Angeklagter kann Erklärung nicht weiter verlesen - Anwalt übernimmt 

Der Plettenberger konnte die Erklärung nur zur Hälfte verlesen, bevor er erneut weinend abbrach. Den entscheidenden Teil zum eigentlichen Tatverlauf verlas sein Anwalt Nikolai Odebralski. 

Video Aus der Erklärung ging nicht hervor, wie lange der Pflegevater den Jungen geschüttelt hatte. Wohl aber, was dann passierte:

Der Junge sei steif geworden. Der Pflegevater sei dann schreiend mit ihm nach unten zur Pflegemutter gelaufen. Dort sei ihm dann das blaue Ohr aufgefallen. Weitere Kopfverletzungen, die das Kind laut Gutachter hatte, seien ihm dabei nicht aufgefallen.

Alles in allem bestreitet er mit seiner Aussage, das Kind gegen den Kopf geschlagen zu haben. Das heftige Schütteln gibt er zu - es tue ihm unendlich leid. "Ich habe Eddie (Ayden) wirklich über alles geliebt. Ich werde mir nie verzeihen, was ich ihm angetan habe und möchte mich bei seiner Familie entschuldigen." 

Anklage wegen früherer Verletzungen fallen gelassen

Der dritte Verhandlungstag ist beendet - entschieden wurde, dass die Anklage gegen den Plettenberger wegen früherer Verletzungen des Pflegekindes fallen gelassen wird, weil der Tatzeitraum nicht eindeutig bewiesen werden könne.

Beim nächsten Termin vor dem Landgericht Hagen am 21. August folgen weitere Zeugenbefragungen - Plädoyers und Urteil werden noch nicht erwartet.

So äußert sich der Anwalt der leiblichen Eltern:

Das ist bisher im Prozess gegen den Pflegevater passiert:

Am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch waren Zeugen gehört worden - unter anderem eine Freundin der Pflegemutter, die etwas zur Beziehung der Pflegeeltern untereinander sowie zur Situation der Familie berichtete. 

Eine Polizistin schilderte, wie die erste Vernehmung des Plettenbergers gelaufen war - und welche Angaben der Mann damals gemacht hatte. „Bei der ganzen Vernehmung hat mir in jeglicher Hinsicht das Gefühl für das Kind gefehlt. Es war, als würden wir über eine Sachbeschädigung reden“, sagte die Kripobeamtin vor Gericht.

Tod von Kleinkind (1): Pflegevater schweigt, leiblicher Vater zeigt "Todesstrafe"-Pullover - der ausführliche Bericht

Die leiblichen Eltern mit ihren Anwälten.

Der Fall - kurz zusammengefasst:

Das sind die Hintergründe: Am 24. August 2018 wurde der kleine Ayden vom Jugendamt aus einer Gelsenkirchener Familie genommen. Das entwicklungsverzögerte Kind sollte es bei seinen Pflegeeltern in Plettenberg besser haben. Gut vier Monate später soll der Pflegevater das Kleinkind heftig geschüttelt und ihm massive Schläge gegen den Kopf zugeführt haben.

Einen Tag später, am 3. Januar, um 4.44 Uhr morgens, verstarb das Pflegekind im Uniklinikum Essen an den Folgen schwerster Kopfverletzungen

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