Höchster Inzidenzwert im Kreis

Drei Gründe, warum Plettenberg einer der Corona-Hotspots im MK ist

Diese Grafik zeigt die Zahlen der Städte und Gemeinden am 26. März.
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Diese Grafik zeigt die Zahlen der Städte und Gemeinden am Freitag, 26. März.

Wer als Plettenberger in diesen Tagen einer Arbeit in einer anderen Stadt nachgeht, bekommt morgens nicht selten den Spruch zu hören: „Was ist denn bei euch in der Stadt los?“ Grund dafür sind die Coronazahlen, die Tag für Tag immer neue, erschreckende Dimensionen erreichen.

Plettenberg – Am Donnerstag kletterte der Inzidenzwert für Plettenberg auf 432 – das ist mit Abstand der Höchstwert im ohnehin schon als NRW-Hotspot geltenden Märkischen Kreis. Am Freitag stieg der Wert weiter auf 460.

Doch woran liegt das? Vom Märkischen Kreis heißt es als Begründung weiterhin, das Infektionsgeschehen sei diffus und auf Ansteckungen im privaten Bereich zurückzuführen. Fragt man Plettenbergs Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel, nennt er mehrere Gründe und eine einfache Antwort: „Wir hatten jüngst leider auch Pech.“

Grund 1: Ansteckungen im privaten Bereich

Um diese Aussage zu verstehen, muss man sich an die Situationen in Plettenberg während der ersten und der zweiten Welle erinnern. Plettenberg kam vergleichsweise gut durch die Corona-Zeiten, lag mit den Inzidenzwerten meist unter dem Kreisdurchschnitt. Schon damals sagte Spiegel in einem ST-Interview, dass „eine Menge Glück“ dabei sei – denn schon damals war klar, dass sich der Großteil der Menschen nicht auf sogenannten „Superspreader-Events“, sondern in privaten Lebensbereichen ansteckt.

Dieses „Glück“ aus den ersten beiden Wellen sei nun verloren gegangen und nun hoffen die Verantwortlichen im Plettenberger Rathaus, dass die Allgemeinverfügung des Landrates von dieser Woche auch für ein schärferes Bewusstsein sorgt. Denn: „Man holt sich das Coronavirus, vor allem die infektiösere britische Mutation, sehr häufig im privaten Rahmen. Wir nehmen wahr, dass sich in letzter Zeit häufiger ganze Haushaltsgemeinschaften untereinander anstecken“, erklärt Thorsten Spiegel.

Grund 2: Viele britische Mutationen

Spiegel erklärt: „Der Märkische Kreis und auch Plettenberg waren unmittelbar vor Beginn der dritten Welle relativ heftig von der Ausbreitung der sehr viel ansteckenderen britischen Virusmutation B. 1.1.7 betroffen.“ Diese Mutante gilt laut Wissenschaftlers bekanntlich als deutlich infektiöser als der ursprüngliche CoronavirusTyp.

„Da wir bereits unmittelbar vor Beginn der dritten Welle relativ heftig von der mutierten Coronavirus-Variante getroffen wurden, gingen wir schon mit einer erhöhten Basiszahl an Coronavirus-Infektionen in den Beginn dieser dritten Welle hinein“, erläutert Spiegel, der das Ende der hohen Zahlen noch nicht erreicht sieht. „Glaubt man namhaften Epidemiologen, spricht vieles dafür, dass uns in naher Zukunft noch ein weiterhin exponentielles Anwachsen der Infektionszahlen unweigerlich bevorsteht.“

Grund 3: Die offensive Teststrategie

Hinzu komme ein „Sondereffekt“ für Plettenberg, wie Thorsten Spiegel es nennt: die offensive Schnelltest-Strategie mit den Testmöglichkeiten der IFAM GmbH und des Roten Kreuzes. Beide haben inzwischen deutlich über 1 000 Menschen auf das Coronavirus getestet, bei denen auch Infizierte ohne Symptome entdeckt und anschließend durch einen PCR-Test verifiziert werden. Andere Städte testen zwar auch, sind allerdings mit ihren Testzentren zum Teil erst deutlich später als Plettenberg an den Start gegangen. Balve zum Beispiel, die Stadt mit der niedrigsten Inzidenz, testet erst seit Dienstag, Werdohl startet erst an diesem Freitag.

Diese „zusätzlichen Indexbetroffenen“ in Plettenberg, wie Spiegel sie nennt, heben im Moment zusätzlich den Inzidenzwert – und das sei auch zu erwarten gewesen. Aber genau von dieser Teststrategie versprechen sich die Verantwortlichen im Rathaus auch die Chance, das Ansteigen der Inzidenz bald wieder abzubremsen.

Appell: Private Kontakte minimieren

Auch wenn sich laut Spiegel viele an die Regeln halten, habe trotzdem eine leicht erhöhte Coronamüdigkeit eingesetzt. „Es ist daher weiterhin wichtig, private Treffen zu minimieren, medizinische Masken zu tragen, vorzugsweise FFP2-Masken, Mindestabstände einzuhalten, auf gründliches Lüften zu achten und die übrigen Hygieneregeln einzuhalten“, sagt der Ordnungsamtsleiter, der jedem auch empfiehlt, weiterhin die Testmöglichkeiten vor Ort zu nutzen. 

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