Distanzunterricht am Plettenberger Albert-Schweitzer-Gymnasium

Aufzeigen mit einem Klick

Schülerin und Schüler beim Home-Schooling
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Lia (14) und Luis (16) befinden sich seit Wochenbeginn im Distanzunterricht – bislang ohne größere Probleme.

Plettenberg – Am Montag endeten die verlängerten Weihnachtsferien, starteten die Schulen in den Distanzunterricht, der zunächst bis zum Monatsende und damit auch bis zum Ende des ersten Schulhalbjahres am 29. Januar gelten soll. Nachdem wir das Thema in unserer Zeitung am Samstag bereits in einem Interview mit zwei Lehrkräften beleuchtet haben, erfolgt nun der Praxistest: Wie funktioniert das digitale Lernen in der Realität?  

Michael Jeide begleitete seine Kinder Lia (14) – sie besucht die 8. Klasse am Albert-Schweitzer-Gymnasium (ASG) – und Luis (16), der sich ebenfalls am ASG bereits in der Einführungsphase (EF) befindet. Wird das Abitur nach 12 Schuljahren abgelegt (G8), was bei Luis der Fall ist, handelt es sich dabei um die 10. Klasse, beim Abitur nach 13 Schuljahren (G9) liegt die Einführungsphase im 11. Schuljahr.

War die Vermittlung von Lerninhalten und Aufgaben während des ersten Lockdowns in Frühjahr 2020 seitens der Lehrkräfte noch auf unterschiedliche Art und Weise vorgenommen worden, so steht nun mit „Logineo NRW“ in Nordrhein-Westfalen eine einheitliche Lernplattform zur Verfügung. Wer für den Zugang noch kein Passwort besaß, musste sich selbiges ebenfalls schon Ende vergangener Woche besorgen.

Klick statt Fingerzeig

Bereits am Wochenende waren für Lia in den Fächern Mathe und Religion die ersten Aufgaben für die neue Schulwoche abrufbar, am Montag startete der Lateinunterricht der Klasse 8 gleich mit einer ersten Videokonferenz, in der organisatorische Dinge besprochen und Hausaufgaben als Word-Dokument aufgegeben wurden. Da Latein am Dienstag erneut auf dem Stundenplan stand, mussten die Aufgaben zeitnah erledigt werden. Denn: Um 8 Uhr startete am zweiten Schultag eine Teams-Sitzung, wurden die Hausaufgaben vom Vortag besprochen. Das Prozedere: Die Lehrerin stellt dazu Fragen, mit einem Klick können die Schüler aufzeigen, werden aufgerufen und können antworten. Lia verfolgte die Teams-Sitzung über den „Familienlaptop“ und hatte parallel ihr iPad in Betrieb, auf dem sie ihre Aufgaben gespeichert hatte. „Am Ende der Stunde haben wir wieder neue Aufgaben bekommen, die wir bis zum Abend schicken müssen“, erzählt sie. Fertige Hausaufgaben, die in Corona-Zeiten in des Wortes Bedeutung auch tatsächlich zu Hause erledigt werden, müssen die Gymnasiasten im Pdf-Format bei Logineo einstellen, andere Formate wie beispielsweise jpg-Dateien sind nicht mehr erwünscht.

Sport und Distanzunterricht

So straff wie im Fach Latein, wo am Dienstag auch noch die Noten der letzten Klassenarbeit verkündet wurden, geht es in den ersten Tagen nach den Ferien freilich noch nicht in allen Fächern zu. „Die Matheaufgaben waren bislang Wiederholung und für Religion habe ich bis Montag nächster Woche Zeit“, sagt Lia, für die am Dienstag auch noch Sport auf dem Stundenplan stand – vermutlich das Fach, das sich im Distanzunterricht allenfalls suboptimal darstellen lässt. „Für Sport haben wir auch noch nichts bekommen“, erzählt sie. Das ist bei ihrem Bruder anders: Schon vor Weihnachten erhielt Luis von seinem Sportlehrer 30 Fitnessübungen für zu Hause zugeschickt – Material zum Training im Lockdown. Und am Dienstagabend folgte die nächste Aufgabe: Zweimal pro Woche sieben Kilometer strammes Wandern mit mindestens 200 Höhenmetern – so bleibt der Schüler in Bewegung.

Videokonferenzen hat Luis in dieser Woche noch nicht auf dem Stundenplan. Diese können von den Lehrern aber bis 13 Uhr am Vortag kurzfristig angekündigt werden. Arbeitsblätter zum Ausdrucken und Aufgaben gab es allerdings in allen Fächern, die im Stundenplan angesetzt sind: am Montag sind dies Englisch, Mathe, Physik und Erdkunde. Englisch und Erdkunde musste bis Montagabend erledigt und abgeschickt werden, für die Matheaufgaben, für deren Lösung Luis einen graphikfähigen Taschenrechner und – tatsächlich – einen Block mit Rechenkästchen benutzt, ist am Sonntag Einsendeschluss, für Physik gilt dieser erst am Donnerstag kommender Woche. „Dann haben wir auch eine Videokonferenz in Physik“, weiß Luis. Ebenfalls als Teams-Sitzung wird am nächsten Dienstag der Geschichtsunterricht ablaufen – mit Besprechung der Hausaufgabe aus dieser Woche.

„Bis jetzt keine Probleme“

„Bis jetzt gibt es keine Probleme“, läuft bei Luis, der sich zwischenzeitlich den „Familienlaptop“ bei seiner Schwester abgeholt hatte, technisch alles einwandfrei - auch das W-Lan spielt mit. Sollten beide den großen Laptop einmal zeitgleich benötigen, müsste indes einer auf Smartphone oder iPad ausweichen. Von Mitschülern, die gar keine digitalen Endgeräte besitzen, also noch nicht einmal ein Smartphone, ist Lia und Luis nichts bekannt.

Kontakt zu Mitschülern fehlt

Der persönliche Kontakt zwischen Lehrern und Schülern fällt beim Distanzunterricht größtenteils weg. Ausnahme für Luis: Er erhielt am Montag einen Anruf der Stufenleiterin der EF. Sie musste alle Schülerinnen und Schüler kontaktieren, um abzufragen, in welchen Nebenfächern sie im zweiten Schulhalbjahr schriftliche Arbeiten schreiben wollen. In mindestens einem geisteswissenschaftlichen und einem naturwissenschaftlichen Fach ist dies Pflicht. Luis entschied sich für Geschichte und Physik.

Weit mehr als den Kontakt zu den Lehrkräften vermissen die Kinder zurzeit allerdings den Kontakt zu ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. „Und vor allem die Pausen“, sagt Luis.

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