Keine Kosten für die Anlieger

Diskussion zur geplanten Innenstadt-Sanierung

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Marc Lucas Schulten (re. Bild) moderierte die Diskussion, an der sich zahlreiche Plettenberger im vollbesetzten Ratssaal beteiligt hatten.

Plettenberg - Nach jetzigem Stand sollen die Anlieger und Geschäftsinhaber der von der Innenstadt-Sanierung betroffenen Straßen nicht an den Kosten beteiligt werden – das erklärte Bürgermeister Ulrich Schulte im Rahmen der Diskussion, die sich der Planvorstellung anschloss und die von Marc Lucas Schulten von ssr moderiert wurde.

Die Frage eines Bürgers konnte Bürgermeister Schulte wie folgt beantworten: „Bereits die letzte Innenstadt-Sanierung haben die Anlieger mitfinanziert. Wir tauschen nur die Oberflächen aus, nicht aber den Unterbau. Hierfür gibt es aber keine klaren Leitlinien.“ Sollte der bisherige Bodenbelag erhalten bleiben, müssten sich die Anlieger ohnehin nicht an den Kosten beteiligen. 

Sollte die Wahl auf Granit oder Basalt fallen, würde die Verwaltung aber ebenfalls keine Erhebung von Beiträgen vornehmen wollen. „Das ist alles noch nicht politisch diskutiert worden“, erklärte das Stadtoberhaupt. Zwar könne das staatliche Prüfungsamt im Nachhinein zwar sagen, dass die Stadt Anliegerbeiträge hätte erheben müssen. „Doch dieses Risiko trägt dann nur die Stadt. Eine nachträgliche Erhebung wäre nicht mehr möglich“, sagte Bürgermeister Schulte. Von den Plettenbergern wurden derweil viele Vorschläge gemacht, wie die Pläne der Landschaftsarchitekten im Detail noch verändert werden sollten. 

Besonders die geplante Abholzung von insgesamt 43 Bäumen wollten einige Anwesende nicht kommentarlos akzeptieren. „Wollen Sie wirklich so viele Bäume fällen?“, fragte eine Bürgerin. Timo Herrmann, Geschäftsführer von bbz, erklärte noch einmal, dass sich bei der Baumzustandsbewertung ergeben habe, dass die zu fällenden Bäume teilweise beschädigt, teilweise aber auch zu kleinkronig seien. „Unsere Neupflanzungen sind qualitativ sehr hoch und bieten mehr Grünvolumen“, sagte Herrmann. Natürlich würde das Fällen der Bäume im Einklang mit dem Naturschutzgesetz und Stück für Stück erfolgen. Besonders kritisiert wurde der geplante Wegfall von sechs Platanen am Maiplatz. „Die Bäume sind sehr wichtig. 

Der Stephansdachstuhl wird ohnehin im Sommer zum Brutofen“, sagte ein Bürger. „Dann können die Bäume ja bisher auch noch nicht so viel gebracht haben“, konterte Herrmann. Andere Bürger forderten, zumindest die Bäume seitlich des Dachstuhls zu erhalten. 

„Es ist wahr, dass es im Sommer manchmal unerträglich heiß wird unter dem Dachstuhl. Die Platanen helfen aber nicht, Schatten über diesen zu werfen“, erklärte Bürgermeister Schulte. Denkbar wäre, dass man die Glasfläche mit Folie beklebt. Ein Plettenberger schlug gar vor, auf dem Dachstuhl eine Hopfen-Plantage anzulegen. Manche Anwesende kritisierten die Anpflanzung von Schnurbäumen am Maiplatz. 

„Ich weiß, dass diese Bäume giftig sind“, erklärte eine Plettenbergerin. Herrmann schränkte jedoch ein: „Diese Baumart ist nicht hochgiftig. Man müsste schon zwei Tonnen Blätter essen, um sich zu vergiften!“ Die Pläne für den Kirchplatz wurden von einer Anwohnerin kritisiert: „Ich finde den beengten Raum am Kirchplatz sehr gut. Er ist deshalb auch eine Oase der Ruhe.“ Eine weitere optische Öffnung des Platzes wie vorgesehen lehnte die Plettenbergerin ab. Herrmann erklärte, dass er durchaus Verständnis für ihre Ansicht habe. 

„Aber das gilt für Sie als Anwohnerin. Der Platz soll aber allen Plettenbergern offen stehen und gefallen“, erklärte Herrmann. Klar sei aber auch, dass der Kirchplatz durch das Anlegen großer Pflanzenbeete eine Garten-Atmosphäre erhalten soll. „Der Kirchplatz wird sicher nicht so einen Platzcharakter wie der Alte Markt oder der Maiplatz erhalten“, sagte Herrmann. Die Pflasterung des Innenstadtbereichs – vom Büro bbz wurden Granit oder Basalt empfohlen – erntete dagegen wenig Kritik. Kaum ein Anwesender sprach sich für den Erhalt des jetzigen Melaphyr-Pflasters aus. „Wir sind Fair-Trade-Stadt. 

Da sollten wir uns keinen Granit oder Basalt aus China oder Indien holen, wo oft Kinderarbeit für die Herstellung der Pflastersteine genutzt wird“, sagte eine Plettenbergerin. Herrmann stellte klar: „Basalt oder Granit aus solchen Ländern wird es mit uns nicht geben. 

Die Steine können auch aus Deutschland oder dem europäischen Ausland bezogen werden.“ Dabei plädierte Herrmann noch einmal dafür, das Pflaster in der Innenstadt auszutauschen: „Nachhaltig wäre, wenn man jetzt neues Pflaster verlegt, das dann auch vielleicht 50 Jahre hält.“ Die Wasserrinne am Mobilitätsband wurde von einer Plettenbergerin als Hindernis für Senioren mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen kritisiert.

„Das System wurde bereits in anderen Städten getestet und von den Senioren als gut befunden. Außerdem: Irgendwo muss das Wasser ja abfließen“, erklärte Herrmann. Manch ein Plettenberger wünschte sich dagegen, dass die alten Stadtgrenzen in die Pflasterung mit eingearbeitet würden. Herrmann erklärte, dass man diese – ebenso wie alle anderen Anregungen – mit aufnehmen und diskutieren würde. 

Kritischer wurde dagegen von einigen Plettenbergern das Beleuchtungskonzept gesehen. So würde das Anstrahlen der Christuskirche eher an Las Vegas, dann an einen Ort der Ruhe und Muße erinnern. Gewünscht wird hier eher dämmriges Licht. Ein Bürger wünschte sich gar, eine Videoüberwachung in den Stelen einzurichten. Dies sei, so erklärte Herrmann, jedoch im öffentlichen Raum nicht ohne Weiteres möglich. 

„Außerdem stellt sich die Frage, wie viel Überwachung wir wirklich wollen“, sagte Herrmann. Kritisch gesehen wurden auch die geplanten Bänke. Gerade weil diese aus Holz bestehen sollen, würden sie leicht zum Opfer von Vandalismus werden können. Herrmann erklärte, dass Holzbänke einen besonderen Komfort bieten würden. „Niemand sitzt gerne auf einer Steinbank“, sagte Herrmann. 

Er baue hier auf die „soziale Kontrolle“: Je belebter ein Ort sei, desto größer sei auch der ‘gesellschaftliche Druck’ die Umgebung nicht zu beschädigen. Bänke aus Kunststoff in Holzoptik seien keine Alternative: „Diese sind nicht UV-beständig.“ Ein Bürger kritisierte dagegen, dass die geplanten Bänke auf der Einfassung des Kirchplatzes und die dahinter anzulegenden Beete dazu einladen würden, den Müll einfach hinter sich in das Beet zu werfen. 

Dieses Argument konnte Herrmann jedoch nicht ganz nachvollziehen. Auch hier verwies er wieder auf die „soziale Kontrolle“. Während sich manch ein Bürger den Erhalt des Hochbeetes am Maiplatz wünschte – als Schutz der Café-Gäste vor den vorbeifahrenden Bussen – sprachen sich andere für dessen Entfernung und die Anlage einer Glasplatte aus. 

Ein Plettenberger wünschte sich dagegen, dass der Kollerstein vor dem Heimathaus verschwindet. „Der gehört zur einstigen Papiermühle in der Grüne“, sagte der Bürger. Stattdessen sollte doch ein Amboss am Heimathaus installiert werden, um das Schauschmieden immer wieder durchführen zu können. 

Ein weiterer Wunsch war, dass zumindest eine Bank am Alten Markt mit einer Lehne versehen würde. Bürgermeister Ulrich Schulte dankte den zahlreich erschienenen Plettenbergern für deren Interesse und Anregungen. Er habe sich gefreut, dass es „keinen harten Widerstand“ gegen die Entwurfspläne geb.

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