Ofra Ohana im Interview

„Die Menschen sind hier anders“: Stipendiatin eröffnet Ausstellung

Ofra Ohana hat sich in Plettenberg sehr willkommen gefühlt. „Die Menschen habe sie sehr offen erlebt“, sagt sie.
+
Ofra Ohana hat sich in Plettenberg sehr willkommen gefühlt. „Die Menschen habe sie sehr offen erlebt“, sagt sie.

Seit dem Frühjahr hat die aus Israel stammende Malerin Ofra Ohana im Künstlerhaus an der Kirchstraße gewohnt und gearbeitet.

Plettenberg - Ab dem 7. Oktober zeigt die Werkstatt-Stipendiatin die Arbeiten, die während ihrer Zeit in Plettenberg entstanden sind, in der Ausstellung „Midnight Blue“. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen in der Vier-Täler-Stadt und was sich hinter diesem Titel verbirgt.

Das Werkstatt-Stipendium endet jetzt. Wie haben Sie die Zeit in Plettenberg erlebt?

Generell bin ich zufrieden mit meiner Zeit hier. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, mich ohne Druck von außen auf meine Arbeit zu konzentrieren. Ich konnte frei arbeiten, so wie ich wollte. Das war für mich und meine Arbeit sehr gut. Persönlich habe ich die Leute von Anfang an offen erlebt und mich hier willkommen gefühlt. Das gilt nicht nur für die Mitglieder des Werkstatt-Vereins, sondern auch die Menschen in der Stadt, die ich auf der Straße treffe oder in der Kneipe. Ich war zum Beispiel häufig im Grünen Krug und habe mich wie zuhause gefühlt. Was mich ein bisschen enttäuscht hat, war das Wetter dieses Jahr.

Was für Eindrücke nehmen Sie aus Plettenberg mit, von der Landschaft und den Menschen?

Ich habe gemerkt: In kleinen Städten ist es interessanter, als ich dachte. Ich finde, Plettenberg ist sehr lebendig für so eine kleine Stadt. In der Nähe vom Künstlerhaus sind zwei sehr beliebte Kneipen und Restaurants, da höre ich immer, was passiert, höre die Leute lachen und Spaß haben. Auch die Menschen sind anders, als ich es aus Leipzig und anderen Orten in Deutschland kenne, an denen ich schon gewesen bin. Sie sind fröhlicher und offener, als ich gedacht habe. Auch Leute, die ich gar nicht kenne, haben mich mal auf ein Bier oder einen Kaffee eingeladen. Vielleicht, weil es nicht so oft passiert, dass jemand aus einem anderen Land oder einer anderen Stadt hierherkommt. Ich hatte auch viel Spaß an der Natur. Ich habe sehr große Wanderungen in der Nähe gemacht, das war super.

Sie wollten sich im Stipendium mit einem neuen Thema beschäftigen: der Landschaftsmalerei. Was für Bilder sind in Ihrer Zeit in Plettenberg entstanden?

Ich habe viele Malwanderungen gemacht, habe draußen aber mit kleinen Papierformaten gearbeitet. Mit diesen Farbskizzen von der Landschaft habe ich dann im Atelier gearbeitet. Die großen Arbeiten sind dann Interpretationen von dem, was ich draußen gesehen habe. Dabei nehme ich mir eine große Freiheit. Ich konnte in meiner Arbeit viel experimenteller sein, da ich dank des Stipendiums keinen Druck von außen hatte. Was die Interpretation angeht, kann man sagen, dass ein bisschen ab-strakte Landschaftsbilder dabei entstanden sind, aber nicht ganz. Es gibt immer Eindrücke, die ich im Kopf habe – vom Licht, vom Wetter oder Häusern auf einem Hügel – und dann verarbeite. Das Bild kann sich dann in eine andere Richtung entwickeln. Es nimmt seinen unabhängigen Weg. Aber die Bilder haben immer mit der Realität zu tun, die ich gesehen habe.

Wie viele und was für Arbeiten werden in der Ausstellung zu sehen sein?

Es sind 15 große Bilder auf Leinwand – zwischen 50 mal 40 Zentimeter und 120 mal 150 Zentimeter groß. Gearbeitet habe ich zuerst mit einer Schicht Temperafarbe und darüber dann mit Ölfarbe, manchmal auch mit Ölkreide. Ich werde aber auch 15 oder 16 kleinere Vorarbeiten in der Ausstellung zeigen, also meine Skizzen. Denn das sind für mich auch richtige Arbeiten.

Was steckt hinter dem Ausstellungstitel „Midnight Blue“?

Ein Hauptkriterium, das mir bei diesen neuen Bildern sehr wichtig ist, ist sehr präzise mit den Farben zu sein, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen oder ein bestimmtes Element in der Natur zu beschreiben, das mich interessiert. Ich habe dann bemerkt, dass ich eine Farbe oft verwendet habe, nämlich ein Blau wie der Himmel am späten Abend. Und aus dem Namen dieses Farbtons „Midnight Blue“ ist dann auch der Titel für die Ausstellung entstanden. Was für mich noch besonders ist: Ein paar Wochen nach der Eröffnung der Ausstellung wird es einen Katalog geben. Das wird mein erster Ausstellungskatalog sein. Da bin ich schon sehr aufgeregt, denke aber, dass er sehr schön wird.

Wie geht es nach dem Stipendium für Sie weiter?

Ich habe ein paar Ideen, weiß aber noch nicht genau, wo es hingeht. Erst einmal werde ich zurück nach Leipzig ziehen, zurück in mein Atelier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare