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„Der Oberknaller“: Kopschütteln bei Bäckern zu Habeck-Aussagen

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Von: Georg Dickopf

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Bäckermeister Hans-Jörg Schubert zahlt mehr als das Doppelte für Sonnenblumenkerne und andere Zutaten.
Bäckermeister Hans-Jörg Schubert zahlt mehr als das Doppelte für Sonnenblumenkerne und andere Zutaten. © Dickopf

Robert Habeck ist Vizekanzler und gab als Wirtschaftsminister in der ARD-Sendung „Maischberger“ umstrittene Sätze von sich wie »Ich kann mir vorstellen, dass bestimmte Branchen einfach erst mal aufhören zu produzieren. Nicht insolvent werden.«

Plettenberg - In besagter Sendung verwies er auf Preisunterscheide zwischen Discounter- und Bäcker-Brötchen, die noch größer ausfallen könnten. Dazu befragten wir Bäckermeister Hans-Jörg Schubert, der in der vierten Generation in der Bäckerei Schubert in Ohle Brot- und Backwaren herstellt und verkauft.

Herr Schubert, was haben Sie gedacht, als Sie das Habeck-Interview gehört haben?

Man verliert den Glauben an die Menschheit. Das war so was von unsachlich. Wenn Herr Habeck an der Basis stünde, würde er verstehen, was hier abgeht und dass wir bald nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können.

In Sachen Insolvenzrecht schien der Minister nicht ganz auf der Höhe zu sein.

Das ist der Oberknaller. Dabei rutscht man schneller in die Insolvenz, als viele glauben.

Wenn man nach Herrn Habeck geht, können Sie einfach mal kleinere Brötchen backen oder mal gar nichts verkaufen und dann trotzdem weitermachen.

Es fehlen einem manchmal die Worte, wie hier das Land regiert wird.

Wie schlimm ist es denn bei Ihnen mit den Rohstoffpreisen?

Die ganzen Zutaten wie Zucker, Mehl und Sonnenblumenkerne sind mittlerweile Spekulationsobjekte geworden, die jeden Tag andere und fast immer steigende Preise haben. Beim Mehl habe ich glücklicherweise einen Langzeitvertrag bis ins nächste Jahr. In naher Zukunft wird man wahrscheinlich gezwungen, bestimmte Sachen gar nicht mehr herzustellen.

Was ist besonders teuer?

Zucker, sämtliche Milchprodukte wie Butter und Sahne. Und das werden bald Produkte, die sich nicht mehr alle jeden Tag leisten können. Wenn das mit den Energiekosten so weitergeht, dann werde ich die Bäckerei zumachen müssen. Und dann muss ich mir überlegen, was ich danach mache. Ich kämpfe jetzt schon jahrzehntelang gegen diese ganzen Sachen an und langsam macht es einen einfach nur mürbe.

Wie werden Ihre Öfen in der Backstube in Ohle betrieben?

Gottseidank laufen die noch auf Heizölbasis. Ich hatte vor ein paar Monaten vor, auf Gas zu wechseln, habe das aber gelassen und bin jetzt sehr froh, dass ich es nicht getan habe. Wir versuchen jetzt so sparsam wie möglich zu produzieren, um die Laufzeit der Öfen zu verringern.

Unsere größte Sorge ist jetzt, was beim Strom auf uns zukommt. Die gesamten Kälteanlagen, Spülmaschinen und Truhen sind sehr energieintensiv.

Werden oder haben Sie die Preise schon angepasst?

Wir haben im März damit begonnen alles anzupassen, damit es nicht zu sehr explodiert, aber demnächst müssen wir wohl wieder einige Dinge anheben. Man avanciert als Bäcker langsam vom Nahversorger zum Luxusartikelhersteller.

Bei uns haben diverse Kunden schon gesagt, wir sollten ihnen nicht böse sein, aber sie hätten eine ganze Familie zu versorgen und könnten deshalb nicht jeden Tag bei uns einkaufen. Das wird uns demnächst öfter treffen.

Also gönnt man sich demnächst ab und an ein Schubert-Brot oder Brötchen und im Alltag greift man dann zum Graubrot vom Discounter...

Ja, so ungefähr wird das laufen. Die Walze fängt sich jetzt massiv an zu drehen. Wir merken das in dieser Woche bei Körnerbrötchen, die wir schon mit einem richtig schlechten Gewissen in die Auslage legen müssen, weil wir jetzt einen Euro dafür nehmen. Aber es geht nicht anders.

Wir merken seit einigen Tagen, dass jetzt dezenter eingekauft wird. Vor drei Wochen war die Welt noch in Ordnung, aber jetzt, vor dem nahenden Herbst und Winter, gönnen sich die Leute weniger.

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