Sie denkt nicht ans Aufhören - Irmgard Jaschke gehört seit Jahrzehnten zum festen Bestand des Wochenmarktes

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Die Textilhändlerin Irmgard Jaschke wurde am Dienstag 80 Jahre alt. Obwohl sie eigentlich schon längst in Rente gehen könnte, kommt sie immer noch jede Woche mit ihrem Pulli-Shop zum Wochenmarkt in Plettenberg.

Plettenberg -  Irmgard Jaschke wurde diese Woche 80 Jahre alt. In diesem Alter müsste sie eigentlich nicht mehr mit ihrem Pulli-Shop auf dem Wochenmarkt stehen. Doch sie denkt gar nicht ans Aufhören.

„Es macht mir noch Spaß und ich liebe meine Kundschaft und auch meine Kollegen“, begründet Irmgard Jaschke, wieso sie immer noch zwei Mal in der Woche am Wieden steht. Sie hat sich nicht wie andere ein Ziel gesetzt, bis zu welchem Alter sie arbeiten möchte, sondern lässt alles einfach auf sich zukommen, solange es ihr noch gut geht und sie Auto fahren kann. Nur bei Schnee und Eis komme sie mittlerweile nicht mehr zum Plettenberger Wochenmarkt.

„Zu meiner Kundschaft gehören hauptsächlich ältere Menschen und die kommen bei solchem Wetter ebenfalls nicht, weil sie Angst haben zu fallen“, sagt Irmgard Jaschke. Sie hat sich ihren Stand und das Vertrauen ihrer Kunden über lange Zeit aufgebaut. Einige kaufen schon seit 30 Jahren bei ihr. „Wir sind gemeinsam alt geworden“, sagt sie. Gebürtig kommt Irmgard Jaschke aus Schlesien und flüchtete mit ihrer Familie nach dem Krieg nach Sachsen. 1957 kam sie dann in den Westen, nach Iserlohn und 1981 zog sie nach Werdohl. Seit 1972 gehört sie zu den Markthändlern in Plettenberg. Damals hatte sie auch noch ein Ladenlokal an der Kaiserstraße, das sie 17 Jahre lang führte, und im Winter mietete sie zusätzlich in Werdohl die Räume der Eisdiele an, wenn diese geschlossen hatte.

„Früher war das Marktgeschäft ganz anders, das boomte“, berichtet sie. Sie sei mit ihrem Stand durch ganz Deutschland gefahren, nach dem Mauerfall sogar für zwei Jahre in den Osten. Dort habe man das Marktgeschäft damals nicht gekannt und sie sei dorthin gefahren, bis es sich entwickelt habe.

Zudem war sie zum Beispiel auf dem Stadtfest in Hessen, jeden Samstag in Aalen auf dem Markt, hatte Stammplätze in Schwerte und Iserlohn, besuchte an den Wochenenden Jahresmärkte und jeden Sonntag fuhr sie nach Wesel. Jetzt ist sie jedoch nur noch in Plettenberg auf dem Wochenmarkt vertreten und sporadisch in Letmathe, wo es mit ihr dann fünf Stände sind, seit der Markt in die Innenstadt verlegt worden ist. Durch ihre langjährige Erfahrung rät sie davon ab, den Plettenberger Markt ebenfalls zu verlegen. „Alle Märkte, die das gemacht haben, sind mittlerweile kaputt. Keiner möchte seine Einkäufe weit tragen müssen und hier haben wir neben dem großen Marktplatz direkt den Parkplatz“, erklärt sie.

Über so eine lange Zeit sammelte sie Erfahrungen sowie schöne Erinnerungen, zum Beispiel, wenn ihre Enkelkinder mit auf den Markt kamen. Aber sie bekam auch die Veränderungen mit. Durch das Internet sei der Einkauf der Kundschaft zurück gegangen. Sie habe jedoch einen ganz besonderen Kundenkreis, dem es nicht nur um das Kaufen ginge, sondern auch darum, sich zu unterhalten – und das gehe im Internet schließlich nicht.

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