„Mit Demenz auseinandersetzen“

Aktionstag „Mit und Ohne“ am Jugendzentrum gut besucht

Die Seniorenvertretung bot zusammen mit dem Krankenhaus Rollator-Trainings an. Viele neue Modelle können den Alltag von älteren Menschen vereinfachen.

Plettenberg - Immer mehr Menschen erkranken an Demenz – dennoch reden die meisten nicht gerne darüber. „Wir müssen uns mit der Krankheit auseinandersetzten“, betonte Dr. Johannes Wunderlich, Chefarzt der Geriatrie am St. Elisabeth-Krankenhaus in Dortmund, am Mittwoch. 

Das Demenz-Netzwerk Plettenberg/Herscheid hatte in das Jugendzentrum eingeladen, um mit Vorträgen und einem bunten Programm umfassend über das Thema zu informieren.

Und das mit vollem Erfolg: alle Plätze im Saal des Jugendzentrums waren besetzt; einige Gäste mussten stehen. Eröffnet wurde der Aktionstag „Mit und Ohne“ von Bürgermeister Ulrich Schulte. Im Anschluss hielt Dr. Johannes Wunderlich den Vortrag „Mutter was machst du denn da? – Vom Umgang mit Demenz“. Er erklärte die verschiedenen Formen der Krankheit und wie man mit den Menschen umgehen sollte – so könne man einige Dinge auch „einfach mal so stehen lassen“, sagte er. Dann sei der Oktober eben der Januar. „Es ist sinnlos, mit einem Demenz-Kranken zu diskutieren.“ 

Kommt auf den Arbeitsspeicher an 

Gleich mehrmals betonte Wunderlich, dass man sich mit einem Dementen gut über alte Zeiten unterhalten könne: „Diese Informationen sind seit 70 Jahren auf der Festplatte gespeichert“, erklärte er. Vielmehr zähle aber, ob sie noch Neuigkeiten in ihrem „Arbeitsspeicher“ speichern könnten. „Demente können sich mit der Zeit immer weniger merken“, sagte er im Jugendzentrum. Den Anwesenden gab Wunderlich den Tipp mit auf den Weg, mit einer Patientenverfügung und einer Pflegevollmacht vorzusorgen. Sei man einmal an Demenz erkrankt, „macht es rechtlich keinen Sinn mehr“. 

Mit Demenz sei man nach durchschnittlich sieben Jahren tot. „Die Hauptursachen dafür sind entweder ein Unfall oder meistens Unterernährung; die Menschen essen nicht mehr richtig“, erklärte Wunderlich. Der Körper sei dann stark geschwächt und könne zum Beispiel einer Lungenentzündung nicht mehr standhalten. Wunderlich riet dazu, immer darauf zu achten, dass Demente ausreichend äßen. Das sei gesund. 

Demenzfreundliche Kommune ist das Ziel 

Christiane Wilk, Geschäftsführerin des Demenz-Netzwerks Plettenberg/Herscheid, und Thorsten Sauer vom Märkischen Kreis gaben einen Rückblick auf die letzten zwei Jahre des Netzwerks. 

So habe es bereits zahlreiche Angebote gegeben, die sich speziell an Demenz-Kranke richteten und erfolgreich auf das Thema aufmerksam machten. In der Zukunft will man das Angebot mit dem Ziel, eine demenzfreundliche Kommune zu werden, ausbauen. „Davon profitieren alle“, war sich Christiane Wilk sicher. „Eine demenzfreundliche Stadt ist auch eine menschenfreundliche Stadt.“ Dazu zählten etwa Barrierefreiheit oder größere Beschriftungen in Einrichtungen und Geschäften. 

Nach dem informativen Teil im Jugendzentrum ging es vor die Tür, wo zahlreiche Stände aufgebaut worden waren. Angeboten wurden Hör- und Fitnesstets, ein Rollator-Training, ein Bücherstand und diverse weitere Aktionen. Musik gab es von der Plettenberger Rentnerband. Für das leibliche Wohl war mit Getränken und Waffeln gesorgt; die Grünen Damen bereiteten darüber hinaus Heringstipp zu. 

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