Dass Sport Brücken bauen kann, beweist das erste internationale Fußballturnier

Vorurteile einfach weggekickt

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Daumen hoch für eine gelungene Aktion: Teilnehmer und Zuschauer des Internationalen Fußballturniers in der Böddinghauser Dreifachturnhalle genossen das sportlich faire Miteinander.

PLETTENBERG - Das Rathaus kassiert eine Klatsche gegen das Jugendzentrum, die Feuerwehr schlägt das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg, DITIB unterliegt der Ohler Straße 100. Wovon die Rede ist? Von einem außergewöhnlichen Fußballturnier, das am Samstag in der Böddinghauser Dreifachturnhalle stattfand.

Unter dem Motto „Vorurteile einfach wegkicken“ hatte die Arbeitsgemeinschaft Integration in Kooperation mit dem Plettenberger Turnverein zum internationalen Fußballturnier geladen. Das Alter war dabei völlig egal: Während die einen noch nicht ins Arbeitsleben gestartet sind, stehen die anderen kurz vor dessen Beendigung. 

Herkunft? Egal. Griechen, Türken, Marokkaner aus ihren jeweiligen Kulturvereinen, Deutsche von der Polizei und eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft bestehend aus Flüchtlingen, Asylbewerbern und Sozialarbeitern, die gemeinsam das Team „Ohler Straße 100“ bilden. Nicht unerwähnt sollte die Tatsache bleiben, dass es sich dabei um die einzige Mannschaft handelte, bei der nicht nur Männer auf dem Feld standen – vielschichtiger geht es kaum noch. 

Insgesamt neun Mannschaften gingen an den Start, jeweils drei pro Gruppe: Jugendzentrum, Rathaus und Ipirotischer Verein bildeten die Gruppe A. Feuerwehr, Polizei und Gertrud-Bäumer-Berufskolleg gingen in der Gruppe B auf Torejagd und DITIB, der marokkanische Kultur- und Sportverein und „Ohler Straße 100“ traten in Gruppe C gegeneinander an. Innerhalb der Gruppen spielte jeder gegen jeden, wobei ein Spiel 15 Minuten dauerte. 

Nach Abschluss der ersten Gruppenphase ging es nicht wie bei anderen Turnieren mit der K.o.-Runde weiter, sondern mit einer weiteren Gruppenphase, bei der die Erst-, Zweit- und Drittplatzierten eine neue Gruppe bildeten und so die Platzierungen unter sich ausspielten. 

Mitorganisator Jonas Borgmann vom städtischen Sozialamt, selbst für das Rathaus-Team spielend, erklärte, man habe sich absichtlich für diesen Modus entschieden, damit jede Mannschaft gleich viele Spiele zu bestreiten habe. So verhindere man, dass nichterfolgreiche Mannschaften nach Ende der Gruppenphase mehrere Stunden einfach zuschauen müssen. Auch dem Publikum wurde auf diese Art ein Anreiz geboten, bis zum Ende des Turniers zu bleiben. 

Gutbesucht war das Turnier durchaus: Die vordere Hälfte der Tribüne war dicht besetzt; je weiter man jedoch in die Halle ging, desto mehr Platz hatten die einzelnen Zuschauer, die letzten Meter waren sogar gänzlich verlassen. Das tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch: Besonders die Schüler des Gertrud-Bäumer-Berufkollegs feuerten ihre Mannschaft leidenschaftlich an und die anderen Teams konnten ebenfalls auf die volle Unterstützung ihrer Fans setzen. 

Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt: Der marokkanische Kultur- und Sportverein hatte die Bewirtung übernommen und wartete mit landestypischen Spezialitäten auf. Unter anderem wurden Harira (Kichererbsen-Suppe) oder Gebäck gereicht, aber auch typisch deutsche Speisen wie Salate und Brötchen. Natürlich durfte echter marokkanischer Tee nicht fehlen, der bei den kalten Temperaturen draußen gerne angenommen wurde. 

Obwohl bei diesem Turnier nicht Sieg oder Niederlage im Vordergrund standen, sondern das gemeinsame Miteinander und die Öffnung füreinander, konnte ein Team am Ende eines langen Fußballnachmittags besonders jubeln: Die Polizei setzte sich mit seiner jungen, teils vereinserfahrenen Mannschaft gegen die Konkurrenz durch. Eine erneute Auflage des Turniers im nächsten Jahr ist nicht auszuschließen. Jonas Borgmann wünscht sich sogar eine regelmäßige Austragung. Nachdem die Resonanz im Vorfeld durchweg positiv ausgefallen ist, wolle man nun die Reaktionen danach abwarten. 

Vielleicht war das Turnier am Samstag also der Anfang einer schönen neuen Tradition, Kulturen miteinander zu verbinden, die Plettenberger einander näherzubringen und Vorurteile einfach wegzukicken.

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