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„Das wird ein Drama“: Spediteure und Unternehmer mit großen Sorgen wegen A45-Sperrung

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Von: Georg Dickopf

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Die Statik der seit Donnerstg letzter Woche gesperrten Rahmedetalbrücke wird derzeit geprüft. Bis dort wieder Schwerlastverkehr erlaubt ist, könnte viele Jahre dauern.
Die Statik der seit Donnerstag letzter Woche gesperrten Rahmedetalbrücke wird derzeit geprüft. Bis dort wieder Schwerlastverkehr erlaubt ist, könnte viele Jahre dauern. © Olaf Moos

Jeder Lkw, der am Donnerstag letzter Woche das Teilstück der A45 zwischen Lüdenscheid und Lüdenscheid-Nord befuhr, absolvierte gewissermaßen eine historische Fahrt, denn nach den neuesten Erkenntnissen wird es bis zu acht Jahre dauern, ehe die Sauerlandlinie dort wieder für Lkw freigegeben wird.

Plettenberg/Lüdenscheid - Doch was bedeutet die Vollsperrung für den Lkw-Verkehr in Plettenberg und Umgebung? Wir haben uns umgehört.

Roland Newe ist Geschäftsführer der Mendritzki GmbH & Co KG: „Ich bin beinahe fassungslos“, erklärte Newe seine Reaktion, als er von der jahrelangen Sperrung des Autobahnteilstücks hörte.

Riesiger Zeitverlust für Firma Mendritzki

„Wir haben eine Materialumfuhr zwischen dem Werk in Bochum und Plettenberg. Das wird jetzt ein volles Drama und ich weiß noch gar nicht, wie wir das gestalten können. Wir können ja nicht links und rechts der Autobahn durch den Wald fahren. Und für die Mitarbeiter, die an beiden Standorten arbeiten, ist das zumindest mal ein Riesen-Zeitverlust“, glaubt der Mendritzki-Chef. Bisher habe man noch keine Probleme mit der Anlieferung, „aber das tragen wir gerade auf dem Rücken der Fahrer in den Speditionsunternehmen aus“, ist sich Newe sicher.

Das Rohmaterial bekomme man sowohl aus dem Westen als auch dem Osten. Was die Kunden angeht, habe man das Glück, dass viele Kunden im Süden zu finden seien. Anders sehe das bei der Rohmateriallieferung von Salzgitter über Hagen aus.

Theoretisch sei die Eisenbahn laut Newe eine Alternative, das hänge aber von den Kunden ab. „Das muss man nun alles in Erwägung ziehen und die Karten neu legen“, so Newe. Das Problem sei, „dass die kleineren Firmen auch keinen Bahnanschluss haben. Aber wir werden das alles ausloten müssen“, sagte Newe, der das Krisenmanagement kritisiert. „Ich kann das nicht verstehen, wie die Verantwortung dafür weggedrückt wird. Das ist wie ein Aggregat, das es nur einmal gibt und das ewig nicht repariert und gewartet wird, bis es knallt.“

Seit der Autobahnsperrung herrscht rund um Lüdenscheid - hier die Heedfelder Straße  - Stau.
Seit der Autobahnsperrung herrscht rund um Lüdenscheid - hier die Heedfelder Straße - Stau. © Opfermann, Johannes

Möglicherweise werde man die Produktionsabläufe ändern und mehr Arbeitsgänge komplett in Plettenberg vollziehen. „Das ist alles machbar, aber aufwendig und teuer“, so Newe.

Fölker-Geschäftsführer hatte Vorahnung

Für Stefan Klute, Geschäftsführer der Spedition Fölker, kam die Entwicklung nicht ganz überraschend. „Für Autos wird die Autobahn wieder aufgemacht, aber die Lkws sind schuld“, so Klute, der die Vollsperrung als „mittelschwere Katastrophe“ bezeichnete. Seine Fahrer, die die rund 20 Kunden im Großraum Hagen und Lüdenscheid beliefern müssten, würden nun über Balve und Hemer nach Hagen fahren. Den zusätzlichen Zeitaufwand könne man noch gar nicht kalkulieren, aber viele Fahrer hätten schon stundenlang in Lüdenscheid im Stau gestanden.

„Für die Umwelt ist das eine starke Zusatzbelastung“, sagte Klute, denn die Lastzüge würden im längeren Umleitungs- und Stop-and-Go-Verkehr deutlich mehr Energie verbrauchen.

Klute befindet sich gerade in schwierigen Preisverhandlungen, um zumindest die fast 50-prozentige Preiserhöhung beim Diesel in Teilen an die Kunden weiterzugeben. „Einen A45-Aufschlag kann ich da schlecht noch oben drauf packen“, sagt Klute, der sich wünschen würde, „dass die B236 in Altena schnellstmöglich freigegeben wird. Aber die verantwortliche Gasfirma dort hat ja offenbar die Ruhe weg“, so Klute, der in Sachen Straßensperrung leidgeprüft ist.

Erfahrung mit Straßensperrungen

Die B236 wurde vor dem Stammsitz im Industriegebiet Siesel im Jahre 2013 voll gesperrt. Der damalige Projektleiter war Michael Neumann, der seinerzeit von einer sechswöchigen Sperrung sprach.

„Am Ende wurden es vier Monate und zwei Tage“, sagt Klute. Dafür könne man Michael Neumann sicherlich nicht allein verantwortlich machen, aber was Zeitangaben angehe, sei er mittlerweile eher vorsichtig, so Klute mit Blick auf den auch bei der A45-Sperrung involvierten Mitarbeiter von Straßen.NRW.

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