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„Das Kabel liegt vor unserer Nase“, aber: Kein Glasfaser unter dieser Adresse im MK 

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Von: Georg Dickopf

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Die Anwohner des Kreisverkehrs am Köbbinghauser Hammer kommen noch nicht in den Genuss eines Glasfaseranschlusses. Stattdessen ärgern sie sich über Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind und in verkehrter Richtung durch den Kreisel fahren. Diese Beschreibung gilt nicht für den Fahrer auf unserem Bild – er hielt sich an sämtliche Verkehrsregeln an dieser Stelle.
Die Anwohner des Kreisverkehrs am Köbbinghauser Hammer kommen noch nicht in den Genuss eines Glasfaseranschlusses. Stattdessen ärgern sie sich über Autofahrer, die zu schnell unterwegs sind und in verkehrter Richtung durch den Kreisel fahren. Diese Beschreibung gilt nicht für den Fahrer auf unserem Bild – er hielt sich an sämtliche Verkehrsregeln an dieser Stelle. © Grein

An mehreren Stellen im Plettenberger Stadtgebiet läuft derzeit der Ausbau des Glasfasernetzes im sogenannten dritten Call. Doch wie im Nachgang zu unserer Berichterstattung sowie in der letzten Ratssitzung offenkundig wurde, gibt es einige Anwohner im Stadtgebiet, bei denen das Glasfaserkabel zwar direkt vor dem Haus verlegt wurde, die aber dennoch nicht für den Anschluss an das schnelle Internet vorgesehen sind.

Plettenberg - So geschehen bei Karsten und Claudia Werthmann in Ohle, die sich in der medialen Diaspora wähnen. „Wir sind sehr irritiert über die willkürliche Auswahl der Häuser, die von der Telekom mit schnellem Internet beglückt werden. Wir wohnen in Ohle und fragen uns, was man verbrochen hat, dass man bei der Auswahl übergangen wird“, sagt Claudia Werthmann.

Zwei Häuser, aber nur ein Glasfaseranschluss

Ihr Haus liege an der Lennestrasse 50 und sei nicht dabei, das Haus 50a direkt hinter ihrem Haus, das über ihre Einfahrt zu erreichen sei, allerdings schon. „Wenn das Haus 50a angeschlossen wird, führt das Kabel zwei Meter an unserem Router vorbei“, so Werthmann. Beim ersten Glasfaserausbau für die Firmen Stauff, Atomit, Alte und Novelis sei auch ihr Bürgersteig aufgerissen worden. „Das Kabel liegt also schon vor unserer Nase, da unser Haus direkt an der Straße liegt“, sagt die Ohlerin.

Genauso schlimm treffe es die Häuser Am Kleekamp, am Alten Weg und an der Lennestraße 3 bis 7. „Das sind einzelne Blasen, die von der Telekom ausgeschlossen werden. Warum ist das so?“, würde die Ohlerin gerne wissen. Als langjähriger Telekom-Kunde habe man sich für den Anschluss beworben. Ein Anruf bei der Telekom habe dann die folgende Antwort gebracht: „Nee... Sie sind nicht dabei..“

Schlimmer noch: Besagtes Haus sei auch nicht in der blauen, grünen oder gelben Phase dabei, bedauerte Familie Werthmann, die sich regelrecht gemobbt fühlt.

Anwohner melden sich zu Wort

Mit diesem Gefühl sind die Ohler nicht allein, denn in der Einwohnerfragestunde der Stadtratssitzung meldeten sich zwei Anwohner der Ortslagen Köbbinghauser Hammer 18 und 22 zu Wort und schilderten ein ähnliches Problem. Seit Tagen habe man eine Glasfaserbaustelle vor der Tür, an die die Häuser aber nicht angeschlossen würden, obwohl das Kabel zehn Meter vor dem Haus liege. Vor einiger Zeit habe die Dokom21 dort ein Glasfaserkabel für die Firmen verlegt, an das man als Privatperson ebenfalls nicht angeschlossen werde. „Das heißt, hier liegen zwei Glasfaserleitungen und wir bekommen wieder nichts“, bedauerte der aufgebrachte Anwohner.

Unter anderem an der Haydnstraße am Hestenberg fanden im Rahmen des 3. Calls vor einigen Wochen Glasfaser-Arbeiten statt. Bis Juni soll diese Ausbau-Phase abgeschlossen sein.
Unter anderem an der Haydnstraße am Hestenberg fanden im Rahmen des 3. Calls vor einigen Wochen Glasfaser-Arbeiten statt. Bis Juni soll diese Ausbau-Phase abgeschlossen sein. © Wiechowski, Jona

Bürgermeister Ulrich Schulte zeigte Verständnis: „Die Problematik, dass einzelne Häuser rausgefallen sind, haben wir an mehreren Stellen im Stadtgebiet.“ Möglicherweise erfolge der Anschluss für diese Bürger dann im 6. Call, auch wenn dann ein neues Kabel verlegt werde, so Schulte im Rat. Man werde aber versuchen, in der Angelegenheit zu vermitteln, so Schulte.

In diesem Zusammenhang kritisierte der direkt am Kreisverkehr wohnende Anwohner, dass dieser Kreisel von 75 Prozent der Verkehrsteilnehmer nicht als solcher genutzt werde. „Die fahren alle mit hoher Geschwindigkeit einfach geradeaus“, betonte der Plettenberger, der sich deshalb mehr Polizeikontrollen an dieser Stelle wünschen würde.

Das sagen der Bürgermeister und der Gigabitkoordinator

Bürgermeister Ulrich Schulte bezog nach den Hinweisen in der Einwohnerfragestunde Stellung. Hausintern habe man die Gebäude mit den Flächen der Förderprogramme abgeglichen. „Es ist tatsächlich so, dass die Häuser Köbbinghauser Hammer 16 – 22 weder im Fördergebiet für den 3. Call noch für den 6. Call liegen. Der Grund liegt darin, dass diese Gebäude mit zum Ausbaubereich der Firma Dokom21 gehören und diese eine Netzleistung von bis zu 1000 Mbit/s ausweist. Damit ist der Schwellenwert für das Förderprogramm (30 Mbit/s) deutlich überschritten“, betont Schulte.

Das entsprechende Glasfaserkabel liege in der Straße und die Firma Dokom21 habe – anders als in der Sitzung dargestellt – gegenüber dem Märkischen Kreis auch die Auskunft erteilt, dass sie bereit sei, die betreffenden Häuser anzuschließen. Problematisch sei, dass der Anschluss bei Dokom21 nicht gefördert werde. Mittlerweile habe die Stadtverwaltung aber Kontakt zu dem Unternehmen aufgenommen und plane einen gemeinsamen Termin mit den betroffenen Bürgern, die darüber demnächst schriftlich informiert würden. Danach liegt es an den Anwohnern, ob sie den Anschluss herstellen lassen. Welche Kosten damit verbunden seien, werde rechtzeitig mitgeteilt.

Laut Schulte verbleibe die kuriose Situation, „dass die Anwohner an einer Stelle wohnen, an der sie für ihren Glasfaseranschluss zahlen müssen, während das Glasfaserkabel, an das ein kostenloser Anschluss möglich ist, vor der Haustür entlang verlegt wird.“ Dies hänge damit zusammen, dass die Telekom anderen Unternehmen nicht die Kunden wegnehmen dürfe. Im Bereich Köbbinghauser Hammer sei die Telekom auch deswegen als Anbieter außen vor.

In anderen Ortsteilen versuche man in Abstimmung mit dem Kreis Lösungen zu finden. Das bestätigte auch Gigabit-Koordinator Matthias Pohl. „Wir sind diesbezüglich in der Klärung, gerade was einige Flächen in Plettenberg angeht und versuchen eine Lösung zu finden“, versprach Pohl.

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