Nach der Empfehlung der Landeskirche

Reaktion auf die Absage der Weihnachtsgottesdienste der Evangelischen Kirche

Gottesdienste Weihnachten Plettenberg Evangelische Kirchengemeinde Christuskirche
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Die Bänke der Christuskirche werden an Weihnachten leer bleiben.

Die Evangelische Landeskirche hat am Dienstag eine dringende Empfehlung an die Kirchengemeinden abgegeben, die Weihnachtsgottesdienste nicht zu feiern. Damit sieht es so aus, dass auch in Plettenberg die Veranstaltungen an den Feiertagen ausfallen werden. Die Reaktionen dazu.

Plettenberg – Es ist 16.30 Uhr, als Thomas Schmidt am Dienstag seine Mail an die Redaktion der Heimatzeitung versendet. Der Presbyter bittet darin, die Weihnachtsgottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg anzukündigen – einer vor der Christuskirche, einer auf dem Feuerwehrplatz in Holthausen und ein oekumenischer Gottesdienst auf dem Schulhof der Grundschule Oestertal.

Wenig später meldet sich Schmidt erneut in der Redaktion, diesmal telefonisch. Seine Bitte: die Ankündigung wieder aus dem Verkehr ziehen. Es sieht alles danach aus, dass die evangelischen Gemeinden keine Gottesdienste an Weihnachten feiern werden.

Zwei Stunden lagen zwischen dem Absenden der Mail und dem Telefonat – ein Zeitraum, in dem die übergeordnete Landeskirche die dringende Empfehlung ausgegeben hat, bis Anfang des Jahres keine Gottesdienste mehr zu feiern. Noch war und ist die Absage der Weihnachtsplanungen damit nicht offiziell, weil die Presbyterien der einzelnen Gemeinden die letzt Entscheidung fällen müssen. Aber es deutet alles darauf hin, dass damit die Protestanten in Plettenberg auf ihre Zusammenkünfte an Weihnachten verzichten werden.

Am Tag danach versucht Presbyter Schmidt die „schwierige Lage“ einzuordnen. Immerhin gebe es jetzt eine klare Linie, sagt Schmidt. So schön es gewesen wäre, an Heiligabend zusammenzukommen; man müsse auch sehen, dass alles heruntergefahren werde. Und wenn die Kirchen dann mit teilweise hunderten Leuten Gottedienste feiere, sei das eben auch schwierig.

„So gar nichts zu tun, ist für uns aber auch keine Variante“, sagt Schmidt, der sich vorstellen kann, dass die Evangelische Kirchengemeinde Plettenberg den Bürgern digitale und analoge Angebote machen werde. Eine offene Kirche mit Weihnachtsmusik und einer Predigt zum Mitnehmen sei zum Beispiel eine Variante, die das Presbyterium in seiner Sitzung an diesem Donnerstagabend besprechen wird.

In Eiringhausen kam das Presbyterium bereits an diesem Mittwochabend zusammen. Auch hier zeichnete sich schon im Verlauf des Tages das wahrscheinlich Unumgängliche ab: Pfarrer Uwe Brühl schaltete im Internet die gerade erst fertig eingerichtete Anmeldung für den Heiligabend-Gottesdienst wieder ab. Die große Zusammenkunft mit 300 Personen im Lennestadion in Böddinghausen – sie wird mit großer Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden.

Und auch in Ohle scheint all der Einsatz im Vorfeld für ein Weihnachtsfest in Corona-Zeiten vergebliche Mühe gewesen zu sein. „Ich war von der Empfehlung der Landeskirche am Dienstag völlig überrascht und auch sehr traurig“, sagte Pfarrerin Anju Laddach im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Weihnachtszeit ist normalerweise der Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Ohler Gemeinde: Die Adventsfenster, zu denen die Bürger in Scharen kommen, mussten schon abgesagt werden, jetzt auch noch die Weihnachtsgottesdienste. Vier statt zwei Zusammenkünfte sollte es geben, insgesamt hatten sich dafür schon 117 Leute angemeldet.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag verkündete, dass die Weihnachtsgottesdienste stattfinden können, sei sie froh und erleichtert gewesen, sagte Anju Laddach und stellte sich darauf ein, dass sie ihren Plan umsetzen könnte. Nach der Empfehlung der Landeskirche wird daraus aber nichts, ebenso ist der Gottesdienst zum vierten Advent am kommenden Sonntag nun abgesagt.

Und jetzt? „Darüber habe ich die ganze Nacht gegrübelt“, sagt die Ohler Pfarrerin. Sie will den angemeldeten Personen nun persönlich schreiben, ihnen die Predigt und das Gottesdienst-Programm nach Hause schicken. Alles weitere müsse die Landeskirche entscheiden. Ein Heiligabendläuten der Kirchenglocken zum Beispiel könnte sie sich gut vorstellen. Aber bevor sie hier nun in die Planung geht, will sie lieber abwarten, was die übergeordneten Stellen empfehlen werden.

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