Zweite Impfung wäre wohl am Mittwoch erfolgt

Kurz nach der ersten Impfung: Ex-Bürgermeister-Vertreter aus dem MK stirbt

Jacqueline Sander, Corona-Impfungen
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Der 97-Jährige hatte die Erstimpfung gegen Corona schon erhalten und wartete nun auf die zweite Impfung.

Ein Mann aus dem MK ist wenige Tage nach der ersten Corona-Schutzimpfung verstorben. Die Todesursache steht im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. Das wirft viele Fragen auf.

Plettenberg - Wilhelm Koch war ein Mann, der sich stets für die Belange der anderen eingesetzt hat. Erst vor rund zwei Wochen war das Gesicht des ehemaligen stellvertretenden Bürgermeisters und langjährigen SGV-Vorsitzenden auf der ersten Lokalseite des Süderländer Tageblatt zu sehen; Wilhelm Koch symbolisierte auf diesem Foto die Hoffnung auf ein Ende der Corona-Pandemie, denn er war der Erste, der in Plettenberg im Radprax-Seniorenzentrum die Schutzimpfung bekommen hatte.

Neun Tage später verstarb der 97-Jährige im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung, wie der Märkische Kreis bestätigte. Sein Tod wirft Fragen auf. Zum Beispiel diese: Hat die Impfung darauf Einfluss gehabt, dass Wilhelm Koch am 22. Januar verstorben ist?

Tod nach Corona-Erstimpfung im MK: Auskunft des Paul-Ehrlich-Instituts

Mit solchen Fragen beschäftigt sich das Paul-Ehrlich-Institut im hessischen Langen. Dessen Experten tragen bundesweit Daten zu Begleiterscheinungen von Impfungen zusammen – auch solche, bei denen der Geimpfte wenig später verstorben ist. Im aktuellen Sicherheitsbericht von diesem Donnerstag ist die Rede von bundesweit elf geimpften Patienten, die nach einer Impfung im Rahmen einer Covid-19-Erkrankung verstarben.

Ob in diesen Zahlen auch der Plettenberger Wilhelm Koch erfasst ist, kann die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, Dr. Susanne Stöcker, nicht sagen, da aus Datenschutzgründen in dem Bericht keine personalisierten Angaben gemacht werden. Nur so viel lässt sich in dem Bericht noch lesen: Alle [elf an Covid verstorbenen] Patienten hatten einen inkompletten Impfschutz, da die Covid-19-Erkrankung nach der ersten Impfung erfolgte. Das Zeitintervall zwischen der Impfung und dem Tod aufgrund der Covid-19-Erkrankung betrug maximal elf Tage“ – so wie das auch bei Wilhelm Koch der Fall war.

Zu dem Fall aus Plettenberg kann Dr. Susanne Stöcker daher nur eine Vermutung aufstellen. Sie geht davon aus, dass sich Wilhelm Koch „entweder kurz vor der Impfung infiziert hat oder sehr kurz danach. Die Impfung kann eine schon bestehende Infektion nicht verhindern. Da die Symptome meist erst nach einigen Tagen auftreten, kann es sein, dass ein Mensch geimpft wird, obwohl er sich bereits infiziert hat.“

Das bedeutet auch: Erfolgt die Infektion kurz nach der ersten Impfung, kann es trotz Impfung zu einer Erkrankung kommen, weil der vollständige Schutz laut Dr. Stöcker erst etwa sieben Tage nach der zweiten Impfung aufgebaut wird. Diese zweite Impfung stand für Wilhelm Koch noch aus. Er hätte sie nächste Woche Mittwoch im Radprax-Seniorenzentrum, in dem er nun verstorben ist, erhalten sollen.

Tod nach Corona-Schutzimpfung im MK: Einen Tag nach Impfung positiv auf Corona getestet

Die Nachfrage beim Gesundheitsamt des Märkischen Kreises bestätigt die Vermutung, dass die Covid-19-Erkrankung bei Wilhelm Koch rund um den Zeitraum der Impfung festgestellt worden ist. Am 14. Januar – und damit einen Tag nach der Impfung – wurde er laut Gesundheitsamtsleiter Volker Schmidt positiv auf das Coronavirus getestet.

Dass der Tod des 97-Jährigen mit der Impfung zusammenhängt, hält Schmidt für sehr unwahrscheinlich. Es könne passieren, dass es in Zukunft auch noch weitere Todesfälle im Zeitraum rund um eine Impfung geben wird. Gleiches prognostiziert auch Dr. Andrzej Ploch, der Ärztliche Direktor des Radprax-Krankenhauses Plettenberg, der bei den Impfungen im angegliederten Seniorenzentrum dabei war, entsprechend auch die Impfung von Wilhelm Koch begleitet hat und berichtet, dass es vor Ort keinerlei Nebenwirkungen gab.

Die Begründung, warum Todesfälle nach einer Impfung in Zukunft häufiger auftreten könnten, hatte vor der EU-Zulassung des Biontech-Präparats bereits der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, öffentlich formuliert: Er wies darauf hin, dass aufgrund der statistischen Wahrscheinlichkeit „Menschen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung versterben werden“ – etwa weil zuerst „die alten und hochaltrigen Menschen“ geimpft werden, die aufgrund ihres Alters allgemein ein höheres Risiko haben zu sterben.

Womöglich könnte ein Obduktion mehr Klarheit im Fall Koch bringen, aber diese müsste laut Gesundheitsamtsleiter Schmidt zum Beispiel von den Angehörigen oder dem behandelnden Arzt in Auftrag gegeben werden. Ob das der Fall ist, ist ebenso unklar wie die Frage, ob Wilhelm Koch an schwerwiegenden anderen Erkrankungen litt. Die Angehörigen wollten sich gegenüber unserer Zeitung nicht zu dem Todesfall äußern.

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