Seniorenheime

(Noch) genug Schutzausrüstung

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Die Bewohner des Matthias-Claudius-Hauses würden gut mit der Situation umgehen, den Besuch aber natürlich vermissen.

Plettenberg/Herscheid – Eigentlich sollten nur Fakten zur Information aus unseren Seniorenheimen zusammengetragen werden. Ein Fragenkatalog ging allen Einrichtungsleitungen zu mit der Bitte, die entsprechenden Antworten einzutragen. Zurück kamen Bekenntnisse der Leitungen und Pflegekräfte zu ihrem Willen, auch unter diesen zurzeit schwierigen Bedingungen, für ihre Schutzbefohlenen noch engagierter da zu sein. Dazu gehört es auch, als ein verlässliches Bindeglied hin zu den Familienangehörigen zu fungieren.

Beruhigend, und das gleich vorweg, ist, dass weder ein Bewohner noch eine Pflegekraft aus Plettenberg oder Herscheid derzeit mit dem Coronavirus in Berührung kamen. Das soll natürlich auch so bleiben. Unisono bekräftigen die Leitungen der Häuser, die bisher schon hohen Hygienestandards an die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes (RKI) angepasst zu haben. Unterschiedlich – mal komfortabel, mal auf Lieferungen wartend – doch anscheinend noch erträglich, sei die Versorgung mit Schutzkleidung, beziehungsweise den Mund-Nase-Schutzmasken.

 Mit einher ging das ausgesprochene Besuchsverbot, das auch für den Ehemann und die Ehefrau, die Kinder, Freunde und Nachbarn gilt. Dieses Verbot, gänzlich ungewohnt wie so vieles in diesen Tagen, gibt aber allen ein Stück zusätzliche Sicherheit. Nur in dringenden Situationen, wie in der palliativen Phase eines Bewohners, können Ausnahmen gemacht werden. Heike Biedermann, Heimleiterin vom Altenzentrum St. Josef, berichtete von einem besonderen Erlebnis mit einem Mann, der seine Frau täglich bis zum Besuchsverbot besuchte: „Eines Tages kam er zu mir und fragte, wie er zu seiner Frau könne. Angesichts des Besuchsverbotes erwiderte ich, dass er nur zu ihr könne, wenn er beispielsweise selbst Heimbewohner wäre.

 Ganz perplex war ich, als er am nächsten Morgen mit gepacktem Koffer vor unserer Eingangstür stand und einziehen wollte. Er hatte sich das sehr wohl überlegt und wusste, dass er nun umgekehrt nicht mehr zurück konnte. Weil er über keinen Pflegegrad verfügt, muss er außerdem die Kosten für den Heimaufenthalt selbst tragen. Wir sorgten dafür, dass die beiden nun zusammen leben können. Eine beeindruckende Liebe!“ Elke Reperich, Heimleiterin des Seniorenzentrums am radprax-Krankenhaus, bietet in dieser Zeit– besonders jetzt zu Ostern – die Möglichkeit, persönliche Botschaften per WhatsApp und USB-Stick dem jeweiligen Heimbewohner zu übermitteln. 

Das können kleine Filmchen oder herzliche Grüße der Familienangehörigen zum Fest sein. Anke Dahlhaus, Leiterin des CMS-Seniorenzentrums in Herscheid, berichtet von vielen Gesprächen mit den Heimbewohnern, um sie aufzufangen. Ihre Mitarbeiter helfen bei der Kontaktaufnahme per Telefon oder über andere Medien. Auf der anderen Seite stellen die Angehörigen auf verschiedenen Wegen Verbindungen her oder bringen nette Kleinigkeiten an die Eingangstür, die dann an die Empfänger weitergeleitet werden. 

Die neuesten Entwicklungen im MK gibt es übrigens hier...

Alle Heimleiterinnen, so auch Melanie Aderhold vom Matthias-Claudius-Haus in Plettenberg, bestätigen, dass die Bewohner der Heime recht gut mit der derzeitigen Situation umgehen, obgleich die gewohnten Besuche schmerzlich vermisst werden. Die Pflegekräfte aller Häuser stehen mit vielen Angehörigen im engen Austausch und versuchen so, diese sorgenvolle Zeit zu überbrücken. Im Gegensatz zu der Verfügung in Niedersachsen, dass ein Aufnahmestopp für alle Seniorenheime gilt, können die vier Häuser in Plettenberg und Herscheid, wenn ein Platz vorhanden ist, auch neue Heimbewohner aufnehmen. Lediglich die auch nur in Plettenberg vorhandenen Tagespflegen im Matthias-Claudius-Haus und im Seniorenzentrum am radprax-Krankenhaus sind derzeit geschlossen.

 „Kurzzeitpflege-Bewohner werden weiterhin aufgenommen und in den ersten Tagen engmaschiger beobachtet“, wie Elke Reperich mitteilte. Mitarbeiter aus der Tagespflege werden in den Wohnbereichen eingesetzt. In keinem der Häuser waren ausländische Pflegekräfte beschäftigt, die in der jetzigen Situation in ihr Heimatland zurück mussten. Trotzdem sind ausgebildete Pflegekräfte „Mangelware“. Um dem Virus begegnen zu können, steht die Hygiene ganz obenan. Reinigungsintervalle wurden erhöht, Bewohner sensibilisiert und Pflegekräfte geschult. Dazu gehört auch, dass externe Schulungen abgesagt wurden und die Mitarbeiter angehalten werden, Treffen und Veranstaltungen außerhalb der Heime zu meiden. Insgesamt sind alle vier Einrichtungen gut aufgestellt und lassen auf ein glückliches Ende der Corona-Pandemie nicht nur für die Bewohner und Pflegekräfte der Heime hoffen.

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