Zu großer Kostendruck, zu geringe Einnahmen

Corona-Folgen zwingen Reisebüro im MK in die Knie

Geschäftsführer Wolfgang Reinhardt stellt den Betrieb in seinem Reisebüro in Plettenberg ein.
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Geschäftsführer Wolfgang Reinhardt stellt den Betrieb in seinem Reisebüro in Plettenberg ein.

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie haben in Plettenberg ein Opfer gefordert. Ein Reisebüro muss seinen Betrieb aufgeben.

Plettenberg - Im Reisebüro Reinhardt, ehemals Fenske, an der Herscheider Straße wird der Betrieb aufgegeben. Zu groß war der Kostendruck, zu gering die Einnahmen.

Inhaber Wolfgang Reinhardt betont, wie schwer ihm dieser Schritt gefallen sei. „Da hängt Herzblut dran“, sagt der Reiseexperte, der das Reisebüro erst vor drei Jahren von Petra Fenske übernommen hatte und viel Arbeit, Zeit und Kosten in die Komplettrenovierung gesteckt hatte. „Wir haben das Personal und die Kunden übernommen, alles lief nahtlos und hat super geklappt“, berichtet Reinhardt. Doch dann kam Corona.

Wie in der ganzen Branche sind die Umsätze auf unter zehn Prozent eingebrochen. Keiner wollte und konnte seit März noch in den Urlaub fliegen. „Wir haben allein über 100 USA-Reisen stornieren müssen. Das ist irre“, erklärt Reinhardt, der in Neuenrade ein weiteres Reisebüro betreibt. Alle gebuchten Reisen mussten rückabgewickelt werden, damit die Kunden ihr Geld zurückbekommen. Kurzarbeit war da zunächst nicht möglich. Diese ist dann schließlich eingeführt worden, allerdings gibt Reinhardt im Fall Plettenberg zu bedenken: „Bei einem Büro mit zwei Leuten, das geöffnet ist, können Sie maximal 50 Prozent Kurzarbeit machen, damit immer jemand da ist.“

Die laufenden Kosten ließen die finanziellen Reserven über das Jahr - trotz finanzieller Hilfe des Bundes - dahinschmelzen. Vor allem die Miete sei ein entscheidender Faktor gewesen, betont Reinhard. Während der Hauseigentümer in Neuenrade die Miete seit Beginn der Corona-Krise um die Hälfte gesenkt hat, musste Reinhardt in Plettenberg weiterhin die vollen Mietkosten zahlen – bei weiterhin so gut wie keinen Einnahmen. „Heute habe ich bisher eine Fahrkarte für fünf Euro verkauft und eine innerdeutsche Hotelbuchung, für die zehn Euro hängen bleiben. Das war’s“, veranschaulichte Reinhardt am Donnerstag den derzeitigen Alltag in einem Reisebüro.

Bei zwei Büros brenne die Kerze von beiden Seiten, sagt der Geschäftsführer. Deshalb habe er den Entschluss fassen müssen, „einen Kostenapparat komplett abzuknipsen, um das Unternehmen zu retten“. Seit dem Jahreswechsel ist damit der Betrieb an der Herscheider Straße beendet. Die Kunden wurden persönlich angeschrieben, die langjährige Ansprechpartnerin in Plettenberg, Stefanie Feldmann, arbeitet nun im Büro in Neuenrade. Vier weitere Mitarbeiter aus Plettenberg und Neuenrade haben sich ohnehin in den letzten drei Monaten eigeninitiativ verabschiedet. „Sie sind in völlig andere Branchen gewechselt“, sagt Reinhardt. Weil noch immer nicht abzusehen ist, wann die Reisebranche wieder Fahrt aufnimmt, hätten sie gesagt: „Der Weg ist mir zu weit.“

Das Büro in Neuenrade dagegen soll laut Reinhardt weiterhin betrieben werden. „Es steht auf gesunden Beinen“, sagt der Reiseexperte, der gemeinsam mit seinen jetzt noch fünf Mitarbeitern (eine Vollzeit- und vier Teilzeitkräfte) darauf hofft, dass sich die Zeiten für Reisende hoffentlich bald wieder bessern werden.

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