Beispiel Musikschule Cofidato

Rückkehr in die Musikschulen: „Wir freuen uns tierisch!“

Thomas „Kofi“ Höller kann seine Musikschüler endlich wieder vor Ort in der Musikschule Cofidato in Plettenberg unterrichten.
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Thomas „Kofi“ Höller kann seine Musikschüler endlich wieder vor Ort in der Musikschule Cofidato in Plettenberg unterrichten.

Die langersehnte Rückkehr in den Präsenzunterricht gilt nicht nur in den Regelschulen, sondern auch in den Musikschulen. Seit Montag findet auch in der Schule Cofidato wieder Unterricht vor Ort statt.

Plettenberg - „Wir freuen uns tierisch, die Leute wieder live zu sehen und gemeinsam zu musizieren“, sagt Thomas Höller, einer der Leiter der An der Lohmühle gelegenen Musikschule. Es sei toll wieder die Musikinstrumente in den Räumen zu hören. „Die leere Musikschule war sehr traurig.“

Am 7. Juni hat Cofidato den Präsenzunterricht wieder aufgenommen. Ausschließen, dass einige Schüler – rund 150 Personen zwischen fünf und 70 Jahren – die Rückkehr zum Präsenzunterricht nicht mitbekommen haben, will Höller dabei nicht. Die Musikschule hätte schon zwei Wochen früher aufmachen können, aber wegen der Feiertage eben nicht für komplette Wochen, sodass einige Schüler nicht hätten kommen können. „Wir wollten, dass entweder alle kommen können oder keiner – das war uns wichtig.“ Außerdem habe man sicherstellen wollen, dass die Inzidenz stabil unter 50 bleibt, um ein „Auf-zu“ zu vermeiden.

Für den Präsenzunterricht gilt – neben einer Maskenpflicht und den normalen Hygieneregeln – auch eine Testpflicht, wobei der Test maximal 48 Stunden alt sein darf. Einschränkungen für bestimmte Formen des Musikunterrichts treffen Cofidato nicht, da dort nicht so viele Leute Blasinstrumente oder Gesang erlernen. „Wir haben maximal fünf Leute, das ist problemlos, in größeren Ensembles wäre es schwieriger“, so Höller.

Die Herausforderungen, die die Corona-Pandemie für die Musikschule mit sich gebracht hat, sind allerdings durch die Rückkehr zum Präsenzunterricht nicht beseitigt. „Im Prinzip hält unsere Durststrecke noch an“, sagt Thomas Höller. „Seit März 2020 waren wir als Musikschule auf Eis gelegt.“

Dabei habe man schon im ersten Lockdown sofort auf Online-Unterricht umgestellt, was dann auch im zweiten sich über sieben Monate erstreckenden Lockdown wiederholt wurde. Bis vergangene Woche hätten die Musiklehrer versucht, durch den Unterricht von zuhause oder aus den Räumen der Musikschule den Betrieb aufrecht und die Kunden bei Laune zu halten. Es sei im Prinzip normaler Unterricht gewesen, nur auf anderem Wege. „Der Online-Unterricht hat eigentlich überraschend gut funktioniert, aber es war nicht das gleiche“, sagt Höller. Zusammen zu spielen oder mitzuzählen habe zum Beispiel wegen der kleinen Zeitverzögerung in der Video-Übertragung nicht funktioniert. „Und nicht jeder hat eine gute Internetverbindung, manchmal sind die Leute rausgeflogen“, schildert der Musikschulleiter die gleichen Probleme, die schon aus dem Distanzunterricht an den Regelschulen allzu vertraut sind.

Trotz der Bemühungen, mit Distanzunterricht das musikalische Bildungsangebot fortzusetzen, habe es einen größeren Mitgliederschwund gegeben als sonst über das Jahr verteilt – wenn zum Beispiel Schüler nach dem Abitur und dem Wegzug ihren Musikschulunterricht nicht fortsetzen. Es habe mehr Kündigungen gegeben, weil Familien durch Corona und Kurzarbeit weniger Geld zur Verfügung stand und dann zuerst auf den Luxus Musikunterricht verzichtet werde. Auch die emotionale Belastung durch die Pandemie – Höller spricht von einer allgemeinen Motivationslosigkeit – habe dazu geführt, dass einige Schüler eine Pause einlegen wollten. „Das größte Problem sind die Hemmungen, neu anzufangen, deswegen sind die Neuanmeldungen stark zurückgegangen“, sagt Höller.

Im Oktober hatte er in einem Interview gesagt, dass es das Schlimmste wäre, im Herbst Schulen und auch Musikschulen offen zu lassen und dann im neuen Jahr zuzumachen. „Aber genau das ist eingetreten.“ Er hätte lieber im November/Dezember zugemacht und im Januar/Februar wieder aufgemacht. „Das sind unsere anmeldestärksten Monate.“ Viele bekämen zu Weihnachten Instrumente geschenkt und würden dann Unterricht nehmen. „Das ist komplett flachgefallen. Die ganze erste Jahreshälfte ist uns flöten gegangen.“ Trotz Umsatzeinbußen um die 30 Prozent habe die Musikschule keine Coronahilfen beantragt, da sie durch die Fortsetzung des Angebots durchs Raster gefallen sei, sagt Höller.

Jetzt vier Wochen vor den Sommerferien rechnet er auch nicht mehr mit Neuanmeldungen, sondern erst für nach den Ferien. Damit Musikinteressierte, die noch Hemmungen haben einen langfristigen Vertrag abzuschließen, trotzdem Musikunterricht nehmen können, bietet Cofidato neuerdings Vierer- und Zehnerkarten an, um das Ganze flexibler zu gestalten. „Bisher ist das noch schleppend angelaufen“, sagt Höller.

Auch personell sei die Pandemie nicht spurlos an der Musikschule vorbeigegangen. Mangels Verdienstmöglichkeiten durch Auftritte, mit denen viele Musiklehrer neben dem Unterricht ihren Lebensunterhalt bestreiten, hätten sich einige beruflich umorientiert. Das gilt für Cofidato wie für andere Musikschulen auch, sodass man beim Personal etwas umstrukturieren müsse.

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