Nach Corona-Schutzimpfung der Bewohner

Wie sich Seniorenzentren langsam zur Normalität zurück tasten

Corona Gruppenaktionen Radprax-Seniorenzentrum Plettenberg Bracht
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Die mobile Kegelbahn im Mehrzweckraum des Radprax-Seniorenzentrums bereitet den Bewohnern große Freude.

Die Corona-Schutzimpfungen sind teilweise abgeschlossen. Sowohl die Bewohner des Radprax-Seniorenzentrums Plettenberg als auch die des Matthias-Claudius-Hauses haben den vollständigen Impfschutz. Geht es nun zurück in einen normalen Alltag?

Plettenberg - Als Anna Heinemann am diesen Mittwoch um 15.12 Uhr die Kugel ins Rollen bringt, ist das wie ein Startschuss in eine neue Zeit. Lange mussten die Bewohner des Radprax-Seniorenzentrums auf der Bracht – wie Altenheim-Bewohner überall – warten, dass in Zeiten der Corona-Pandemie wieder etwas mehr Normalität zurückkehrt. Nun sitzen sie hier ohne Maske, aber mit Abstand zueinander im Mehrzweckraum, eine Gruppe aus sieben Senioren, in der Mitte die mobile Kegelbahn. Alle Augen sind auf die Kugel von Anna Heinemann gerichtet. Treffer, der Wurf sitzt. Die Mitbewohner jubeln.

Es ist das erste Mal seit langen, zähen Monaten, dass eine solche Gruppenaktion im Mehrzweckraum wieder möglich ist. Vor zwei Wochen haben die Bewohner die entscheidende zweite Corona-Schutzimpfung bekommen und nachdem das Haus nun endgültig coronafrei ist, soll nun Stück für Stück wieder der Alltag zurückkehren.

Sabine Gibson, die Leiterin des Sozialen Dienstes, begleitet die Senioren an diesem Mittwoch beim Kegeln. „Das klappt ja super, dafür, dass alle aus der Übung sind“, ruft sie, nachdem Bewohnerin Ilse Annemann, die Zweite in der Reihe, ihre Würfe auf der mobilen Kegelbahn ebenfalls treffsicher versenkt hat.

Die Freude am Spielen, an der Gesellschaft, an diesem Miteinander ist den Senioren anzumerken. Wenig war zuletzt möglich, mit rollbaren Spieltischen, Fotobeamern und Videotelefonie haben die Pflegekräfte versucht, den Alltag für die Senioren auf deren Zimmern so abwechslungsreich zu gestalten wie es geht. Bei Kontakten bestand immer die Gefahr, dass sich jemand mit dem Coronavirus infizieren könnte. Diese Befürchtung haben die Verantwortlichen um den kommissarischen Leiter Detlef Badekow auch jetzt noch – trotz des vollständigen Impfschutzes der Bewohner. Deshalb sind im Radprax-Seniorenzentrum zunächst nur kleine Schritte in die Normalität geplant. Erst ließ die Leitung wieder kleinere Gruppenaktionen auf den Wohnbereichen zu, seit diesem Mittwoch sind nun auch wieder Angebote für die einzelnen Wohnbereiche im Mehrzweckraum möglich.

Zwei Wochen wolle man sich ansehen, wie es läuft, sagt Badekow. Sollte das Radprax-Seniorenzentrum auch dann noch coronafrei sein, wolle man damit beginnen, auch die Wohnbereiche untereinander wieder zu mischen und Aktionen für alle Bewohner anzubieten. Ob es funktioniert? „Abwarten, aber die Hoffnung ist da“, sagt Badekow.

Im Mehrzweckraum ist die erste Kegelrunde geschafft. Ilse Heinemann hat sie gewonnen, die Mitbewohner applaudieren ihr zu. Runde zwei steht auf dem Plan, Betreuerin Sabine Gibson verteilt dafür zusätzlich zu den hölzernen auch bunte Kugeln. „Die sehen aus wie Ostereier“, sagt Anna Heinemann, die wieder den ersten Wurf hat. „Ach, ob wir wohl dieses Jahr wieder normal Ostern feiern können?“, fragt sie. „Hoffen wir es mal“, sagt Sabine Gibson. Von draußen strahlt die Sonne durch das Fenster; ein Licht am Horizont, das für die Bewohner in diesem Moment deutlich zu sehen ist.

Nach Corona-Schutzimpfung: Die Lage im Matthias-Claudius-Haus Plettenberg

Während die Bewohner des Altenzentrums St. Josef in Eiringhausen noch auf den zweiten Termin für die Corona-Schutzimpfungen warten, haben die Bewohner im Matthias-Claudius-Haus ebenso wie die des Radprax-Seniorenzentrums bereits den vollen Impfschutz. Vorsicht ist aber auch im Claudius-Haus weiterhin das Gebot der Stunde.

„Auch wenn jetzt alle Bewohner geimpft sind, ist das kein Freifahrtschein“, sagt Einrichtungsleiterin Melanie Aderhold, „dafür wissen wir noch zu wenig.“ Niemand könne sagen, ob die Impfungen auch angesichts der Mutationen zu hundert Prozent schützen, entsprechend kehrt die Normalität im Claudius-Haus auch erst langsam zurück.

Bei kleineren Aktionen auf den Wohnbereichen tragen die Bewohner weiterhin FFP-2-Masken und halten die Sicherheitsabstände ein, so zum Beispiel auch beim Waffelbacken in dieser Woche. Die Akzeptanz für dieses Vorgehen bei den Bewohnern sei hoch, betont Melanie Aderhold, die auch zu bedenken gibt, dass es in Zukunft auch zu Einzügen neuer Bewohner kommen wird, die womöglich noch nicht geimpft sind. Daher gilt: Kein Risiko eingehen. „Wir hatten bisher keine Infizierten und das soll auch so bleiben“, sagt die Leiterin. 

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