Arkadius Landschaftsbau und Story House

Zwei Beispiele aus Plettenberg: Wie sich die Coronakrise auf Selbstständige auswirkt

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Plettenberg - Als Selbstständiger hat man in diesen Tagen eine besondere Verantwortung. Man muss einerseits den Laden am Laufen halten und andererseits ist man auch verantwortlich für seine Mitarbeiter. Das weiß zum Beispiel auch Arkadius Cepak, mit dem wir über die Situation gesprochen haben.

Der Kapitän geht immer als letztes von Bord. Er ist derjenige, der für seine Mitarbeiter in schwierigen Zeiten da sein muss. So wie zum Beispiel Arkadius Cepak. Der Inhaber eines Plettenberger Garten- und Landschaftsbaubetriebes sitzt zwar häufiger in einem Bagger als am Steuer eines Schiffs, aber die Verantwortung sei die gleiche, sagt er. „Ich muss da raus gehen und kämpfen. Denn am Ende bin ich dafür mitverantwortlich, dass meine Leute ihre Familien ernähren können. Und zwar auch in Zeiten des Coronavirus.“

Das funktioniert nach seiner Aussage sehr gut. „Wir haben jeden Tag von morgens bis abends Arbeit. Eine Ruhephase ist nicht in Sicht“, berichtet Arkadius Cepak, der täglich zwei Kolonnen á zwei oder drei Mitarbeiter im Einsatz hat. Es gibt viel zu tun. Vielerorts gestalten die Bürger derzeit ihre Gärten um. Viele kleinere Arbeiten wie Blumen pflanzen, eine Mauer bauen oder Pflaster verlegen werden selbst erledigt, „aber wenn es ans Eingemachte geht, braucht man schon starke Maschinen“, weiß Arkadius Cepak. Und dann klingelt meist sein Telefon. Grundstücke begradigen, Wurzeln entfernen, Fundamente anlegen – „dafür braucht man hartes Equipment“, sagt der gelernte Straßenbauer, der seit 2018 wieder sein Hauptaugenmerk auf seinen seit 2011 bestehenden Garten- und Landschaftsbaubetrieb gelegt hat und überzeugt ist, nun von der vielen Werbung und der guten Arbeit zu profitieren.

Die Arbeit für ihn und seine Männer ist auch in Zeiten von Corona die gleiche, nur der Kontakt mit den Kunden hat sich verändert. Pläne werden nicht mehr von Angesicht zu Angesicht gezeigt, sondern per Mail verschickt. Vor Ort stehen die Kunden vermehrt im Fenster oder auf dem Balkon, um den Garten- und Landschaftsbauern Anweisungen zu geben. Es funktioniert – „und da wir während der Arbeit ohnehin nicht mit anderen Leuten in Kontakt kommen, mache ich mir auch keine Sorgen“, sagt Cepak, der „weiter Gas geben“ wolle, denn „nur so kannst du die Krise überstehen“.

Coronavirus in Plettenberg: Die Lage im Story House

Gas geben würde auch ein anderer Plettenberger mit seinem Betrieb gerne, doch er ist aktuell zum Nichtstun verdammt: René Schauties. Der Inhaber des vor dreieinhalb Jahren gegründeten Story House Plettenberg musste seine Rätselräume vor rund einem Monat wegen der Corona-Pandemie schließen. Niemand sucht seitdem nach dem Schlüssel in Lucys Kinderzimmer oder dem letzten Rätsel im frisch fertig gestellten Weinkeller. Die gute Nachricht für René Schauties ist: Das Story House ist für den Vollzeit-Angestellten der Firma Frauenthal nur ein Nebenerwerb. Die schlechte Nachricht: Auch an seinem Hauptarbeitsplatz schlägt die Krise durch und hat für Kurzarbeit gesorgt. „Von zwei Einnahmequellen ist eine ganz und die andere teilweise weggebrochen“, beschreibt Schauties die Situation. Für seine 450-Euro-Kräfte im Story House hat er derzeit keine Arbeit mehr, hinzu kommen jeden Monat laufende Kosten durch Werbeverträge, Strom oder Kredite, die für das Nebengewerbe zu bezahlen sind.

Deshalb lautet Schauties’ Devise aktuell: Lieber das Geld zusammenhalten, als in Zukunftsprojekte zu investieren, auch wenn die Zeit und die Lust für Neues schon da wären. Den Dachböden möchte er zum Beispiel gerne noch zu einem fünften Escaperoom im Haus ausbauen. Die Pläne sind aber verschoben auf Ende kommenden Jahres. „Das ist ein großes Projekt“, sagt Schauties. „Ich muss jetzt erst gucken, dass privat nichts zusammenbricht.“

Den Verkauf von Rätselspielen für zuhause, die Schauties auch anbietet, hält er auch angesichts der erdrückenden Konkurrenz von Versandhändlern wie Amazon für nicht lukrativ. „Damit habe ich ohnehin kaum Geld gemacht. Ich mache das eher aus Werbezwecken. Haupteinnahmequelle sind die Buchungen für die Räume.“ Und hier eine Internet-Variante wie andere Anbieter zu verwirklichen, schließt Schauties aus. Er wolle anderen den Vortritt lassen, die Escaperooms hauptberuflich betreiben. „Mein Leben hängt nicht unbedingt daran“, sagt Schauties, der hofft, seine Rätselräume im Mai wieder zu eröffnen.

+++ Lesen Sie hier die aktuelle Situation des Coronavirus in Plettenberg und im Märkischen Kreis +++

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