Weit weg vom normalen Kita-Alltag

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Die Schulanfängerin Maya vom Familienzentrum Mittendrin weiß, wie richtiges Händewaschen funktioniert.

Plettenberg/Herscheid – Es ist noch ein weiter Weg zum normalen Kita-Alltag – das befürchten zumindest die Leiterinnen Sandra Becker vom Familienzentrum Mittendrin in Plettenberg und Christiane Krüger von der Herscheider Kita Unterm Regenbogen. Am 6. Mai wird eine neue Regelung erwartet, die erlaubt, Schulanfänger wieder regulär in den Einrichtungen zu betreuen. Ob die Regelung jedoch kommen wird und ab wann sie gilt, ist bislang unklar.

Aktuell bestehen in der Plettenberger Kita Mittendrin Notbetreuungsangebote für die Kinder, deren Eltern in den sogenannten Schlüsselberufen arbeiten. Zu dieser Berufsgruppe zählen beispielsweise Ärzte, Einzelhandelskaufleute und Pflegekräfte – kurz gesagt diejenigen, die in der Coronakrise dringend gebraucht werden. In der Plettenberger Kita an der Lehmkuhler Straße sind aktuell zwei Gruppen mit jeweils acht Kindern geöffnet. Diese Notfallgruppen werden von jeweils zwei Erziehern betreut. „Es muss immer mal jemand da sein, der ein Kind beispielsweise zur Toilette begleitet, deshalb haben wir es so gelöst, dass mindestens zwei Erzieher pro Gruppe eingeteilt sind“, erklärt Einrichtungsleiterin Sandra Becker. Die anderen Mitarbeiter arbeiten derweil von zuhause aus. Dort werden Webinare (Online-Seminare) zu Fortbildungszwecken besucht, Elterngespräche vorbereitet und telefonisch durchgeführt oder auch bestimmte Projekte vorangetrieben. Man bereitet sich auch auf die Zeit nach Corona vor – wann immer sie auch kommen wird. 

„Wir hoffen natürlich, dass der normale Alltag möglichst schnell wieder kommt, auch wenn ich aktuell weit von dem Gedanken entfernt bin“, erklärt Becker. Sie befürchte, dass es noch viel Zeit braucht, bis alles wieder einigermaßen so laufe, wie vor der Pandemie. „Ich glaube, dass es nie wieder so wird, wie zuvor. Irgendwas wird sicherlich von dieser Zeit übrig bleiben – vermutlich strengere Hygienemaßnahmen oder ähnliches“, so Becker. Dennoch hofft sie, dass schnellstmöglich alle Kinder wieder zur Kita kommen könnten: „Das wäre schon mal wenigstens wieder ein großer Schritt zur Normalität. Für die Kinder sind soziale Kontakte mit Gleichaltrigen extrem wichtig. Aber auch für die Eltern wäre es sicherlich gut, denn sie müssen aktuell viel stemmen“, weiß Becker. Dennoch ist die Leiterin positiv gestimmt: „Aktuell läuft es eigentlich ganz gut. Die Kinder gehen gut mit der Situation um und es gibt sogar positive Seiten an den kleinen Gruppen, denn viele Kinder finden es schön, dass aktuell nur wenige Kinder da sind. Da bleibt mehr Zeit für besondere Aktionen, die in großen Gruppen so nicht möglich wären“ In der Herscheider Kita Unterm Regenbogen herrscht derzeit eine Notbetreuung für insgesamt 20 Kinder, die aber in der gesamten Zahl nicht täglich in die Einrichtung kommen. „Wir haben meistens so zwischen zehn bis zwölf Kindern hier und im Durchschnitt drei Erzieherinnen“, erklärt Christiane Krüger, Leiterin der Einrichtung. Die anderen Mitarbeiter würden sich, wie auch bei der Kita Mittendrin, im Homeoffice weiterbilden und Aufgaben aus dem Kita-Alltag zuhause vorbereiten. 

Coronavirus-Entscheidung am 6. Mai

Falls am 6. Mai die Entscheidung kommen sollte, dass ältere Kitakinder wieder in der Einrichtung betreut werden dürfen, sei sich Krüger noch nicht ganz sicher, was sie persönlich davon halten soll. „Ich sehe das Ganze von zwei Seiten aus. Zum einen sehe ich die Not der Eltern, die aktuell die Betreuung zuhause bewältigen müssen und es deshalb gut wäre, wenn die Kinder wieder zur Kita kommen könnten“, erklärt Krüger und ergänzt: „Mehr Kinder in der Kita bedeuten aber auch: Die Hygienestandards, die wir aktuell im Blick haben, werden immer schwieriger zu beachten sein“, sagt die Einrichtungsleiterin.

 Aktuell sei eine Mitarbeiterin beauftragt worden, mit den Kindern auf die Toilette zu gehen, auf das ordnungsgemäße Händewaschen und die Desinfizierung zu achten. Sollten bald wieder 50 Kinder oder mehr anwesend sein, sei diese Aufgabe von einer Mitarbeiterin überhaupt nicht mehr alleine zu bewältigen. Krüger befürchtet, dass die Lage in der Kita in diesem Fall unübersichtlicher würde und man sich nicht mehr ausreichend schützen könne. Auf der anderen Seite freue man sich natürlich über alle Kinder, die kommen könnten.

 „Es ist schwierig und ich fürchte, diese ganze Situation wird noch lange andauern“, sagt Krüger. Die Stimmung in der Einrichtung sei derzeit dennoch positiv. „Das Coronavirus ist definitiv ein Thema, auch bei den Kindern. Die gehen aber gut damit um“, ist die Einrichtungsleiterin erleichtert in einer Zeit der Ungewissheit, denn schließlich weiß niemand, wann und ob der Kita-Alltag überhaupt wieder jemals so werden wird, wie vor der Krise.

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