Sperrzonen im Büro und diverse Vorsichtsmaßnahmen

Corona-Auswirkungen: Den Handwerkern in Plettenberg und Herscheid geht's so lala

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Uwe Rieger, Geschäftsführer bei Elektro Rieger, hat in seinem Büro am Müggenbrucher Weg Sperrzonen eingerichtet.

Plettenberg/Herscheid - Die Supermärkte werden von Kunden überlaufen, Klopapier und Mehl erlangen Seltenheitswert. Gleichzeitig bangen kleine Unternehmen um ihre Existenz. Das Coronavirus wirkt sich in verschiedenen Berufen ganz unterschiedlich aus. Wie ist die Situation im Handwerk?

Verwehren Kunden den Männern und Frauen der Tat den Zutritt? „Das ist tatsächlich so“, sagt Ulrike Rieger, Assistentin der Geschäftsführung bei Elektro Rieger. Einige Kunden hätten Aufträge zurückgezogen. Man beschränke sich nur noch auf das Nötigste. „Die Kunden sind vorsichtig“, sagt Rieger und hält das auch für absolut vernünftig.

Allerdings ist es nicht immer so, dass die Haustür verschlossen oder ein Auftrag nur ein Blatt Papier bleibt. Man müsse hier unterscheiden zwischen Aufträgen, die schnelles Handeln erfordern, und Aufträgen, die aufschiebbar sind. „Wenn in einer Wohnung etwas kaputt ist, das schnell repariert werden muss, dann werden wir natürlich auch reingelassen.“

Bei großen Aufträgen von Wohnungsverwaltungsgesellschaften habe man sich darauf geeinigt, dass immer nur ein Unternehmen gleichzeitig Arbeiten durchführt – zum Beispiel bei der Sanierung leer stehender Wohnungen. 

„Das ist alles möglich, man muss es bloß koordinieren.“ Allgemein führt Elektro Rieger viele Wartungsarbeiten durch, überprüft unter anderem Brandmelde- und Alarmanlagen auf ihre Funktion – eben Aufträge, die normalerweise im Haus stattfinden.

Nur noch Zweier-Teams unterwegs

Außenarbeiten wie Beleuchtungsinstallationen seien eher die Ausnahme, aber auch hier würden die Kunden zunehmend vorsichtig. Intern hat Elektro Rieger sich so umorganisiert, dass nur noch Zweier-Teams zu Baustellen fahren. Je nach Umfang der Arbeiten waren es vorher deutlich mehr.

„Im Bildungszentrum am Rahlenberg sind wir bis vor Kurzem noch mit sechs bis sieben Mitarbeitern im Einsatz gewesen“, verdeutlicht Ulrike Rieger die Umstellung. Die Fahrzeuge seien darüber hinaus mit Desinfektionsmittel ausgestattet worden. In den Büroräumen am Müggenbrucher Weg gebe es Sperrzonen.

Außerdem habe man sich in der Belegschaft darauf geeinigt, zwei Meter Abstand zueinander zu halten. „Auch jetzt gerade unterhalten sich hier zwei Mitarbeiter, die weit auseinander stehen. Es ist schon eine groteske Situation.“

Bislang noch keine Kurzarbeit wegen des Coronavirus

Elektro Rieger musste bislang keine Kurzarbeit anmelden. Die Auftragslage sei noch einigermaßen stabil: „Wir kommen bisher noch so zurecht und hoffen natürlich, dass das in den nächsten Wochen so bleibt.“ Vorbereitungen für den Fall der Kurzarbeit seien jedoch getroffen worden.

 „Wenn sich jetzt alle an die Schutzmaßnahmen halten, haben wir gute Chancen, durch die Krise durchzukommen“, zeigt sich Ulrike Rieger optimistisch.

Zimmerei-Einblicke in Plettenberg

Ähnlich wie bei den Kollegen in Herscheid ist derweil auch die Situation in der Zimmerei Kahl in Plettenberg. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir aktuell noch viele bestehende Aufträge abarbeiten können“, sagt Zimmerer-Meister Dieter Kahl, der gemeinsam mit seiner Frau Michaela den gleichnamigen Zimmerei-Betrieb in Köbbinghausen führt.

Für ihn und seine Mitarbeiter ist die anfallende Arbeit deshalb aktuell nicht viel anders als sonst. Die zahlreichen Bestimmungen gerade im Bereich der sozialen Kontakte (Stichwort soziale Distanz) haben in seinem Betrieb aber zu einer strategischen Umplanung geführt.

So wurden zum Beispiel die Kolonnen neu eingeteilt, damit maximal zwei Personen im selben Fahrzeug unterwegs sind. Auf den Baustellen, in der Werkstatt oder auch im Pausenraum achtet das Team genau darauf, große Abstände einzuhalten, was im Umkehrschluss bedeutet, dass manche Arbeiten einfach etwas länger brauchen, um fertiggestellt zu werden.

Ganzes Team im Einsatz

Dieter Kahls Mannschaft ist dabei übrigens vollständig im Einsatz, denn auch die Auszubildenden sind derzeit alle aufgrund der Schulschließungen im Betrieb tätig. 

Zunächst wirkt sich die Krise bei der Zimmerei Kahl also noch nicht auf die Aufträge aus, „aber was im Sommer oder Herbst wird, wage ich noch nicht vorauszusagen“, ist sich Dieter Kahl sicher, dass auch die Handwerksbranche möglicherweise hart getroffen wird.

Schon jetzt weiß er von Handwerkskollegen, die vor allem in privaten Haushalten tätig sind, dass ihnen die Aufträge wegbrechen und teilweise nur noch in den Werkstätten gearbeitet werden kann.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis gibt es hier.

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