"Amazon und Co. überleben die Krise auch ohne Plettenberg"

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Bürgermeister Ulrich Schulte bezieht Stellung zu den Auswirkungen des Coronavirus auf das städtische Leben.

Plettenberg – Es ist nun knapp eine Woche her, dass die Landesregierung mit dem Kontaktverbot neue Regeln für das Zusammenleben in den Städten geschaffen hat – auch in Plettenberg, wo seitdem das öffentliche Leben fast vollständig zurückgefahren worden ist. In einer Pressemitteilung geht Bürgermeister Ulrich Schulte nun auf die Situation ein.

Er äußert sich darin zu mehreren Aspekten. Bürgermeister Schulte über... 

...die Kontrollen zur Kontaktsperre

 Die vergangene Woche konnte die Stadtverwaltung nutzen, um die Regelungsinhalte der Verordnung zum Kontaktverbot umzusetzen. Die Einhaltung der Schließung von Geschäften, der Abstandsregelungen innerhalb geöffneter Geschäfte und des Versammlungsverbotes in der Öffentlichkeit werden seitdem regelmäßig von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes kontrolliert. Wo keine Einsicht vorhanden ist, wird es auch empfindliche Bußgelder geben.

 ...finanziellen Hilfen durch die Stadt

 Neben den rein ordnungsrechtlichen Maßnahmen versucht die Stadt Plettenberg in dieser schwierigen Zeit auch helfend tätig zu werden. Analog zu dem Vorgehen der Bundesfinanzverwaltung werden daher Gewerbesteuervorauszahlungen schnell und unkompliziert reduziert oder auch gestundet. Die Mieten für Gewerbetreibende, die in städtischen Liegenschaften ansässig sind, werden erlassen. Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, den Unternehmen finanziellen Spielraum zu geben, um diese Krise zu überstehen. Das ist immens wichtig, damit es nach der Krise auch noch ein wirtschaftliches Leben in Plettenberg gibt. 

...die Auswirkungen auf die Finanzlage 

Die Stadt macht diesen Schritt, obwohl wir schon jetzt erkennen, dass die Steuereinnahmen deutlich nach unten gehen werden. Soweit die Bundes- oder Landesregierung nicht finanzielle Hilfen oder haushaltsrechtliche Erleichterungen gewähren, müssen wir davon ausgehen, dass die Corona-Pandemie über ein zu erwartendes Haushaltssicherungskonzept noch lange Zeit Einfluss auf das Wirken der Stadt Plettenberg haben wird. 

...die Unterstützung des Einzelhandels 

Im Zusammenhang der lokalen Unterstützung verweise ich auch auf die Übersicht des Stadtmarketingvereins, welche Geschäfte in Plettenberg zu welchen Zeiten geöffnet sind und welche Lieferdienste anbieten. Ich appelliere dringend an Sie, diese Einkaufsmöglichkeiten zu nutzen, damit der lokale Einzelhandel diese Krise übersteht. Amazon & Co. schaffen das auch ohne uns. Viele Gaststätten, Imbissbetriebe und Restaurants aus Plettenberg bieten ebenfalls einen Lieferservice an. Die Stadt Plettenberg wird dazu in Kürze eine Übersicht auf ihrer Website veröffentlichen. Auch wenn bei vielen zurzeit das Geld knapper wird, hilft eine Essensbestellung den Gaststätten über die Runden, damit diese auch nach der Krise wieder öffnen. 

...die gelockerte Parkplatz-Regelung 

Wenn die Geschäfte geschlossen sind, werden auch keine Parkplätze für Geschäftskunden benötigt. Gleichzeitig sind viele Anwohner der Innenstadt aufgrund von Homeoffice, Kurzarbeit oder Kinderbetreuung zuhause. Hier hat die Stadt reagiert und die Kurzeitparkplätze an der Offenbornstraße und vor der Schützenhalle von der Parkzeitbegrenzung befreit. 

...neue Achtsamkeit gegenüber anderen

 Insgesamt hat sich unser Leben deutlich entschleunigt, auch der Verkehr in der Stadt hat sich verringert. Das Bild der vielen freien Parkplätze, wenigen Autos und wenigen Menschen wirkt beängstigend. Gleichzeitig sind aber auch positive Aspekte erkennbar. Fremde Menschen weichen sich auf dem Gehweg freiwillig aus, es wird nicht erwartet, dass der andere als erster weicht. Vor den Geschäften und den Markständen bilden sich Warteschlangen, keiner drängelt sich an der Theke nach vorne. Plettenberger Firmen spenden aus eigenen Beständen Mundschutzmasken an das Krankenhaus. Insgesamt ist die Ellenbogenmentalität etwas zurückgegangen und einer Achtsamkeit gegenüber sich selbst und dem Nächsten gewichen – zumindest so lange es nicht um Klopapier und Mehl geht. Erfreulich ist auch der Zuwachs der Nachbarschaftshilfe und der organisierten Bringdienste, über die alte und kranke Personen zuhause mit Lebensmitteln beliefert werden. Vielen Dank für diesen ehrenamtlichen Einsatz. 

...das richtige Verhalten mit dem Virus

 Diese positiven Aspekte sollten wir behalten und weiterentwickeln, damit die Corona-Pandemie wenigstens in unserem Zusammenleben etwas Gutes bewirkt. Denn auch wenn die Zahl der Infizierten in Plettenberg derzeit gering ist, können wir nicht erwarten, dass dies dauerhaft so bleibt. Das, was noch auf uns zukommen kann, schaffen wir nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Dazu zählt für mich auch, dass man das eigene Risiko einer Infektion reduziert, indem auf Treffen von mehr als zwei Personen verzichtet wird. 

...die, die „das Leben am Laufen halten“

 Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, die derzeit unser eingeschränktes Leben am Laufen halten und gleichzeitig so viel mehr belastet werden. Sei es im Einzelhandel, in den Gesundheitsberufen, bei Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Aber auch bei meinen eigenen Mitarbeiter/innen im Rathaus, die häufig in solchen Aufzählungen vergessen werden, aber die mit ihrer Arbeit ebenso dazu beitragen, dass Hilfe gewährt wird und Strukturen erhalten bleiben.

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