Von Höhen und Tiefen in der Zeit nach dem Skiurlaub

14 Tage in Quarantäne: Annika Meisch aus Plettenberg erzählt ihre Geschichte

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Das Haus verließ Annika Meisch, 27, aus Plettenberg in den letzten 14 Tagen nicht. Symptome für eine Corona-Infektion hatte sie in dieser Zeit aber keine.

Plettenberg - Erst mit 20 Leuten im Urlaub, dann zu dritt mit den Eltern in Quarantäne: Den diesjährigen Skiurlaub hatte Annika (Anni) Meisch sich wohl anders vorgestellt. Als sie gemeinsam mit Freunden und Familie vor drei Wochen ins Salzburger Land aufbrach, war die Welt noch in Ordnung.

Dann aber sollte sich alles nur noch um das Coronavirus drehen. Auf der Piste wurde fast täglich über Liftschließungen und andere Maßnahmen diskutiert. „Hätten wir vorher gewusst, dass sich die Situation so schnell verändert, wären wir natürlich nicht gefahren“, betont die 27-Jährige. Sie "fiebert" zurzeit dem Ende ihrer zweiwöchigen Quarantäne entgegen.

Im Skiurlaub genoss Annika Meisch zwar die Ruhe der Berge, erfreute sich aber auch an der Gesellschaft mit anderen Menschen.

In die hatten sie und ihre Eltern sich nach der Heimkehr freiwillig begeben. Eine Anordnung gab es nicht. „In den ersten Tagen dachte ich noch, dass das vielleicht ganz cool wird: Einfach mal zwei Wochen lang nichts machen“, schildert Meisch.

Spätestens am vierten Tag war aber klar: „Es fehlt die Struktur. Das fängt schon beim Aufstehen und Essen an.“ Die Familie rückte daher etwas näher zusammen – im übertragenen Sinne. Gemeinsame Aufsteh- und Essenszeiten waren das Ergebnis einiger Überlegungen, wie man trotz Quarantäne Struktur in den Tag bringen könnte.

Lernen für die Abschlussprüfung

Die übrige Zeit nutzte Anni Meisch derweil zum Lernen. Auch wenn noch nicht feststeht, ob sie stattfinden wird, bereitet sich die 27-Jährige nämlich gerade auf ihre Abschlussprüfung vor. Sie ist angehende Pharmazeutisch Technische Angestellte (PTA). Lange vor dem Skiurlaub, als die Corona-Thematik gerade erst begann, absolvierte sie ihr Praktikum in einer Apotheke in Plettenberg.

Eine Zeit der Herausforderungen, wie sie sagt. „Corona war eine neue Situation und die Kunden hatten viele Fragen.“ Als Ausgleich zum Lernen und zum Abschalten ist Musik ein Anker in Annis Leben.

Die Zeit für die Erfüllung eines Traums genutzt

In den vergangenen zwei Wochen hat sie sich selbst das Gitarrespielen beigebracht und sich damit einen kleinen Traum erfüllt.

„Das kann ich auch nur jedem raten, der gerade in Quarantäne ist: Nutzt die Zeit, um die Dinge zu verwirklichen, die ihr schon immer mal machen wolltet.“ Auch ihr Zimmer hat sie umgestaltet. Die größte Herausforderung an der Quarantäne sei gewesen, für zwei Wochen das Haus nicht zu verlassen.

Während der Quarantäne brachte sich die 27-Jährige selbst das Gitarrespielen bei.

„Man ist sich gar nicht so bewusst darüber, wie viel man eigentlich draußen macht: hier mal zur Bank, da mal zur Drogerie... Es ist nicht schön, wenn sich die einzigen Planungen für den nächsten Tag darum drehen, was es zu Essen gibt“, sagt Meisch.

Zur Ruhe kommen in der Natur

Um wenigstens etwas frische Luft zu tanken und in Bewegung zu bleiben, ging sie einmal am Tag im Wald spazieren. Einerseits, um möglichst wenige Menschen zu treffen, und andererseits, um in der Natur zur Ruhe zu kommen. „Gerade in dieser Zeit, wo alles unsicher ist, hilft das.“ Und dennoch fehlte ihr vor allem eins: zwischenmenschliche Kontakte.

Besonders drastisch sei die Umstellung gerade nach dem Skiurlaub gewesen, erzählt Anni Meisch. „Weil man als große Gruppe unterwegs war und jeden Tag Unterhaltung hatte. Von einem Tag auf den anderen war das weg.“ Es gab in der Quarantäne aber immer wieder auch Lichtblicke, wie das Skypen mit alten Schulfreundinnen, das „zwar schon etwas anderes war, aber man war trotzdem irgendwie zusammen.“

Viel Hilfsbereitschaft von Freunden und Bekannten

Beeindruckend empfindet Anni Meisch rückblickend die Solidarität, die sie und ihre Eltern erfahren haben. Viele Bekannte hätten ihre Hilfe angeboten und Essen vorbeigebracht. Einige der engsten Freunde konnten das nicht übernehmen, weil sie mit im Skiurlaub waren und sich auch unter Quarantäne gestellt hatten – alle 20 Reisenden hatten das getan.

„Meine Oma werde ich überreden, sich ein whatsappfähiges Handy zu kaufen“, wirft die 27-Jährige ein. Sie zwei Wochen nicht sehen zu können, sei besonders schwierig gewesen. Normalerweise besucht sie sie mehrmals in der Woche. Nun blieb nur das Telefonieren.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis gibt es hier.

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