Krankenhaus-Betrieb in Corona-Zeiten

Station 5 in Plettenberg: Hier liegen die Corona-Patienten

Krankenhaus Plettenberg in Zeiten von Corona: Einblicke in Station 5, die Isolationsstation
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Einblicke in Station 5, die Corona-Station, des Radprax-Krankenhauses Plettenberg.

In unserer Serie Krankenhaus-Betrieb in Corona-Zeiten widmen wir uns heute der Intensivstation und beleuchten, wie dort gearbeitet wird und was dort möglich ist.

Plettenberg - Am Ende des Treppenhauses versperrt eine dicke Glastür den Zugang zum nächsten Krankenhaus-Flur. „ACHTUNG!!! ISOLATIONSSTATION“ steht in dickgedruckten Buchstaben auf einem Zettel an der Scheibe. Hier, auf Station 5 des Plettenberger Radprax-Krankenhauses liegen sie: jene Menschen, die durch das Coronavirus ernsthaft erkrankt sind und stationär behandelt werden müssen.

Das Krankenhaus-Team hat früh reagiert. Kurze Zeit nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland haben die Verantwortlichen die Station 5 für Corona-Patienten vorbereitet und abgeschottet. Hier werden seitdem nicht nur die Krankheitsfälle behandelt, sondern auch die Verdachtsfälle so lange isoliert, bis ihr Testergebnis in der Regel nach zwei bis drei Tagen vorliegen.

Am Tag unseres Rundgangs treffen wir auf dem Flur der Station 5 Jutta Ermes. Sie hat in ihrem Arbeitsleben als Stationsleiterin schon vieles erlebt, aber als die Corona-Pandemie im März über Deutschland hereinbrach, bekam es auch die erfahrene Krankenschwester mit der Angst zu tun. „Was kommt da bloß auf uns zu?“, ging nicht nur ihr durch den Kopf.

Einen ähnlichen Gedanken hatte in dieser Zeit auch Heiko Heseler, der Pflegedirektor und Personalverantwortliche im Krankenhaus. Die Bilder aus Italien, in denen Corona-Opfer in Särgen durch die Straßen getragen werden mussten, waren noch ganz frisch, als es um die Frage ging: Welche Mitarbeiter könnten sich vorstellen, freiwillig auf der Corona-Station 5 zu arbeiten?

Heseler erinnert sich noch gut an den Moment in der Krankenhaus-Kapelle, in der er diese Frage stellte, an den Blick in die verängstigten Gesichter der Pflegekräfte, die alle wussten, dass es Chaos geben könnte. Heseler hoffte, dass sich im besten Fall sieben oder acht Freiwillige melden würden.

Es waren drei Mal so viele. 25 Freiwillige, die sagten: „Das ist unser Job!“

Jutta Ermes war eine von ihnen. Natürlich habe sie anfangs gezweifelt und sich zum Beispiel die Frage gestellt, ob sie dann noch ihren Vater im Altenheim besuchen könne. Aber sie hatte auch den im ersten Moment verrückt klingenden, aber durchaus zutreffenden Gedanken, dass sie auf der Corona-Station 5 am sichersten aufgehoben sei – nicht zuletzt wegen der Schutzausrüstung, die seinerzeit nur hier (und mittlerweile überall im Krankenhaus) in Gänze zur Verfügung stand. Von dem befürchteten Chaos blieb das Pflegepersonal bislang verschont, die Abläufe sind in Fleisch und Blut übergegangen, die Stimmung untereinander ist gut.

Die Pflegekräfte kümmern sich auf Station 5 um drei Bereiche. In den Zimmern auf dem Hauptflur – im sogenannten gelben Bereich – stehen neun Zimmer zur Verfügung, in denen Patienten isoliert werden, bei denen sich ein Verdacht auf Corona ergeben hat. Der nächste Flur, der sogenannte grüne Bereich, ist derzeit zu vernachlässigen. Hier liegen normalerweise Menschen mit anderen ansteckenden Krankheiten wie Influenza, Herpes, Meningitis oder anderen. Der grüne Bereich steht aber zurzeit leer, weil es keine Patienten mit solchen Krankheiten gibt.

Besondere Vorsicht ist dagegen im dritten, dem sogenannten roten Bereich, geboten. Dieser ist durch eine weitere, schwere Glastür abgegrenzt, an der Schilder wie „STOP, KEIN EINTRITT!“ oder „Quarantänebereich“ kleben. Auf den fünf Zimmern werden die Patienten behandelt, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

Für das Personal gilt auf diesem Flur die allerhöchste Sicherheitsstufe. Für den Besuch im Zimmer oder für den Gang über den Flur schlüpfen die Krankenpfleger jedes Mal in ihre Ganzkörper-Schutzkleidung, setzen sich eine Haube auf und streifen sich zusätzlich zur FFP2-Maske ein Gesichtsvisier über.

Nichts darf von hier nach draußen dringen, weder die Kleidung, ja noch nicht einmal der Müll, der deshalb direkt in die Verbrennung geht. Im Notfallfall und bei steigender Zahl der Corona-Patienten ist sogar vorgesehen, dass noch nicht einmal das Pflegepersonal während ihrer Schicht den roten Bereich verlassen dürfen.

Der Sicherheitsaspekt steht aber nicht nur auf diesem Flur, sondern auf der ganzen Station im Vordergrund. Der Essenswagen oder die Patienten kommen über einen Aufzug, der dauerhaft für die Station 5 freigehalten wird. Den Mitarbeitern steht außerdem ein separates Treppenhaus zur Verfügung, um auf dem Weg zum Dienst oder nach Feierabend nicht mit anderen Mitarbeitern oder Patienten in Kontakt zu kommen. Und wie überall im Krankenhaus hängen auch auf Station 5 an der jeder Ecke Desinfektionsspender oder stehen Kartons mit Einweghandschuhen parat.

Die Maßnahmen zeigen Wirkung. Stationsleiterin Jutta Ermes sollte mit ihrer Prognose, dass es auf der Corona-Station sicher ist, recht behalten. Bislang haben sich im Plettenberger Krankenhaus weder Mitarbeiter, noch Patienten mit dem Coronavirus angesteckt. Sogar die Bedenken, dass sie ihren Vater im Altenheim nicht mehr sehen kann, haben sich zerstreut, denn dank all der Sicherheitsmaßnahmen darf sie ihn weiterhin besuchen.

Die ersten beiden Folgen können Sie übrigens ebenfalls auf come-on.de nachlesen. Teil 1 beschäftigte sich mit dem Weg für die Patienten ins Krankenhaus und die Sicherheitsvorkehrungen, während sich Teil 2 um die Besuchsregelungen drehte.

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