Innerhalb weniger Tage hat sich die Situation völlig verändert

Belegung der Intensivstation: Krankenhaus in Plettenberg am Limit - Pflegekräfte dringend gesucht

Radprax-Krankenhaus Plettenberg Andrzej Ploch Heiko Heseler Intensivstation
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Die Krankenhausverantwortlichen Dr. Andrzej Ploch und Heiko Heseler zeigten bei dieser Aufnahme vor vier Wochen eines der Intensivbetten. Inzwischen ist die komplette Station belegt und vollständig ausgelastet.

Es hat nur wenige Tage gedauert, bis sich die Situation am Plettenberger Radprax-Krankenhaus völlig verändert hat. Vier größtenteils chirurgische Patienten und zwei künstlich beatmete Corona-Patienten müssen mit Stand von Mittwoch auf der Intensivstation behandelt werden. Damit ist die Auslastung erreicht.

Plettenberg - Hinzu kommen zwei weitere Corona-Infizierte auf Station 5, der Isolierstation, plus zwei Verdachtsfälle. Das Krankenhaus Plettenberg ist am Limit.

StadtPlettenberg
LandkreisMärkischer Kreis
Fläche96,75 km²
Bevölkerung26.494 (30. Juni 2010)

Belegung der Intensivstation: Krankenhaus in Plettenberg am Limit

Es ist erst vier Wochen her und es waren Zeiten, in denen noch kein einziges der sechs Betten der Intensivstation belegt war, als die Verantwortlichen bei unserem Besuch für unsere Krankenhaus-Serie ein Notfallszenario beschrieben haben. Genau dieses ist jetzt eingetreten.

Die Station 4, in der normalerweise internistische Fälle behandelt werden, ist geschlossen worden, um das Personal zu anderen Stationen zu verschieben. Im Mittelpunkt steht, dass die Versorgung der Intensiv- und Corona-Patienten gewährleistet ist. Das ist einfacher gesagt als getan, denn zum einen ist die Behandlung aufgrund strenger Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter und Patienten hier besonders personalintensiv und andererseits benötigt es auf der Intensivstation speziell ausgebildetes Personal.

Plettenberger Krankenhaus meldet Auslastung der Intensivstation - Notfall-Option musste greifen

Zeitweise musste zuletzt für wenige Tage sogar ein siebter Patient auf der Intensivstation behandelt werden, der wegen einer Covid-19-Erkrankung vorübergehend nicht invasiv beatmet werden musste. Dieser siebte Platz ist nur dadurch entstanden, weil neben den sechs Betten ein weiteres in einem Eingriffsraum hergerichtet worden ist – auch diesen Schritt hatten die Verantwortlichen im Gespräch mit unserer Zeitung vor vier Wochen als Notfall-Option angekündigt. „Mit sieben Intensivpatienten waren wir komplett an der Grenze“, beschreibt der Corona-Beauftragte und Ärztliche Direktor des Krankenhauses, Dr. Andrzej Ploch, die Lage. Glücklicherweise hatte sich der Zustand dieses Corona-Patienten schnell wieder gebessert, sodass er verlegt werden konnte.

Niemand wird abgewiesen

Die Bündelung des Personals im Kampf gegen die Corona-Pandemie sorgt auch dafür, dass nicht alle geplanten Operationen wie vorgesehen stattfinden können. „Wir versuchen, solche Operationen strukturell zu verschieben“, erklärt der Ärztliche Direktor Dr. Andrzej Ploch. Abgesagt werde aber keinem Patienten. „Wir haben diesen Auftrag und wollen ihn auch ausführen“, sagt Dr. Ploch. Überhaupt werde niemand im Plettenberger Krankenhaus abgewiesen und es gelte weiterhin die Aussage von vor vier Wochen, dass sich Patienten bei akuten Beschwerden an das Krankenhaus wenden und nicht ihre Krankheiten oder Verletzungen verschleppen sollten. Vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus müsse sich dabei weiterhin niemand sorgen: „Bei uns ist es sicher“, betont Dr. Ploch nochmal mit Blick auf Fragebögen und Fiebermessen am Eingang und etlichen weiteren Schutzmaßnahmen innerhalb des Krankenhauses. 

Aber auch mit jetzt sechs Intensivpatienten ist die Belegschaft am Limit, zumal der Krankenstand bei den Mitarbeitern laut Ploch derzeit bei etwa 15 Prozent liege. Im tagesaktuellen Divi-Intensivregister – einer öffentlichen Übersicht, in welchen Krankenhäusern deutschlandweit noch Intensivbetten zur Verfügung stehen – und auch bei der regelmäßigen Telefonkonferenz mit den umliegenden Krankenhaus-Verantwortlichen gibt Plettenberg deshalb nicht umsonst an: Unsere Intensivstation ist vollständig ausgelastet.

Krankenhaus in Plettenberg am Limit: Pflegekräfte dringend gesucht

Händeringend wird deshalb in Plettenberg – wie auch überall anders – nach Pflegekräften gesucht. Der zuständige Pflegedienstdirektor des Krankenhauses, Heiko Heseler, führt derzeit unzählige Telefonate, um Dienste zu besprechen und um neues Personal zu akquirieren – letzteres bisher leider nur mit Teilerfolg.

„Glücklicherweise ist die Motivation unserer Mitarbeiter weiterhin ungebrochen“, sagt Heseler über das Personal gerade auf der Intensivstation, das derzeit etliche Zusatzdienste leisten muss, um die Arbeit bewältigen zu können.

Intensivstation ausgelastet: Plettenberger Krankenhaus geht bei den finanziellen Hilfen leer aus

Hoffnung hatten sich die Verantwortlichen des Plettenberger Krankenhauses zumindest in finanzieller Hinsicht versprochen. Nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn vor Wochenfrist versprochen hatte, dass durch neue Hilfen „kein Krankenhaus durch die Pandemie in wirtschaftliche Schieflage gerät“, blickte man gespannt auf den Rettungsschirm für die Kliniken, um am Ende völlig ernüchtert festzustellen: Nach jetzigem Stand wird das Krankenhaus in Plettenberg keinen Cent von diesen Hilfen zugesprochen bekommen.

Vor allem kleinere Kliniken fallen vollständig durchs Raster, Dr. Andrzej Ploch ärgert sich: „Der Rettungsschirm ist falsch orientiert, weil er sich nur nach den Intensivstationen richtet.“ Das gehe an der Realität vorbei, denn die Corona-Pandemie sorgt nicht nur dort, sondern auch auf den Isolierstationen, durch Schnelltests oder durch Fragebögen und Fiebermessen im Eingangsbereich für Mehraufwand.

„Ich bin sprachlos“, sagt Dr. Ploch, der bis zuletzt noch optimistisch war, dass auch Plettenberg finanzielle Hilfe bekommen wird. „Wir machen alles, was von uns erwartet wird. Ich weiß nicht, wie das weiter laufen soll. Es muss etwas vom Bund kommen.“ 

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