Vom Hotspot ins untere Drittel

Inzidenz in kurzer Zeit massiv gesunken: Wie diese Stadt im MK die Corona-Kehrtwende geschafft hat

Jetzt vermeldet der Krisenstab des Kreises Soest auch für Ense zwei Fälle mit positivem Corona-Test.
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Die Maßnahmen gegen das Coronavirus scheinen zu fruchten.

Es ist gerade einmal anderthalb Monate her, da bildete die Stadt Plettenberg noch den unrühmlichen Spitzenreiter bei den Kommunen mit den höchsten Corona-Inzidenzwerten im Kreis. Inzwischen ist die Welt eine andere – eine deutlich erfreulichere.

Plettenberg - Seit dem Höchstwert von 460 Neuansteckungen pro hunderttausend Einwohnern innerhalb einer Woche am 26. März gehen die Zahlen konstant zurück. Letzte Woche befand sich Plettenberg mit einer Inzidenz von knapp über 150 noch im Mittelfeld der MK-Kommunen, nun ist der Wert auf unter 100 gesunken – ein super Wert im Kreisvergleich. Plettenberg hat die Trendwende geschafft.

Doch woran liegt das? Genau so, wie die Heimatzeitung zu Hotspot-Zeiten mit Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel nach möglichen Gründen gesucht hat, haben wir auch jetzt im Rathaus nach den Ursachen für die Positiv-Entwicklung gefragt.

Spiegel kann wie schon vor anderthalb Monaten nur spekulieren, betont aber deutlich: „Offenkundig hatten wir jüngst das Glück, dass uns Einzelereignisse, aus denen eine hohe Anzahl Infizierter resultiert, erspart blieben.“ Für selbstverständlich hält Spiegel das nicht und erinnert zum Beispiel an gemeinsame Präsenz-Gottesdienste, die durchaus das Potential gehabt hätten, um sich zu Superspreader-Veranstaltungen zu entwickeln. „Auch deshalb hatten wir im guten Dialog mit Glaubensgemeinschaften darum gebeten, während gemeinsamer Gottesdienste und möglichst auch unmittelbar davor und danach medizinische Masken zu tragen, Abstand zu halten und gut zu lüften. Die Verantwortlichen und Gemeindeglieder haben sich verantwortungsvoll verhalten“, resümiert Spiegel.

Vielleicht hat laut dem Ordnungsamtsleiter auch die Schnellteststrategie geholfen. Plettenberg hatte dank der beiden Stationen am Aquamagis und am Vereinsheim des Roten Kreuzes als eine der ersten Städte im Kreis eine sehr gute Infrastruktur für kostenlose Corona-Schnelltests. „Das hat uns zwar, wie seinerzeit prognostiziert, zunächst auf eine hohe Inzidenz katapultiert. Zugleich eröffneten die Schnelltests aber die Chance, frühzeitig die bis dato asymptomatisch verlaufenden Infektionen zu identifizieren. Dadurch konnten sich Infizierte sofort in Quarantäne begeben und Folgeansteckungen vermeiden“, erklärt Spiegel.

Weitere Maßnahmen, von denen sich die Verantwortlichen Besserung versprochen hatten, waren die vom Landrat verfügte Ausgangsbeschränkung sowie die von der Stadt angeordnete Maskenpflicht im Freien. Ob sich diese Maßnahmen positiv ausgewirkt haben, lasse sich in Zahlen nicht belegen. Das Ordnungsamt habe aber durchaus registriert, dass einerseits im Gedränge mehr auf das Maskentragen geachtet werde – weshalb die Maskenpflicht am Busbahnhof Grünestraße und rund um die Waterkant auch weiterhin gelten soll – und dass sich andererseits die Mobilität in den Abend- und Nachtstunden reduziert habe, also in genau jener Zeit, die für private Zusammenkünfte zuvor prädestiniert war.

Und: „Wir haben auch wahrgenommen, dass die gemeinsamen Kontrollen von Ordnungsamt, Polizei und MKW einen gewissen Flächendruck erzeugen, die Regeln besser einzuhalten“, erklärt Thorsten Spiegel, was ihn zu dem Fazit bringt, dass all die genannten Maßnahmen als „weitere Bausteine zumindest mittelbar einen Beitrag geleistet haben“.

Zwei weitere mögliche Gründe für die Plettenberger Trendwende nennt auch Bürgermeister Ulrich Schulte. Nummer eins könnten aus seiner Sicht die Auswirkungen der britischen Mutation sein, durch die sich nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Familien angesteckt haben. Schulte: „Da seit einiger Zeit die Zahl der Neuansteckungen deutlich zurückgeht und gleichzeitig diese Familien geschlossen aus der Quarantäne kommen, sinken die Inzidenzwerte sehr schnell.“

Der zweite Grund ist gleichzeitig ein Lob an die Kollegen im Rathaus und auf den Straßen. „Vielleicht nicht ausschlaggebend, aber dennoch als sehr hilfreich für den Rückgang der Inzidenzen war das engagierte Team des Plettenberger Ordnungsamtes unter der Leitung von Herrn Thorsten Spiegel“, betont Ulrich Schulte. „In den letzten Wochen und Monaten wurde durch ständige Kontrollen, aber auch durch umfassende Beratung versucht, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Dabei kam es zu vielen Einsätzen an Wochenende und zu Nachtzeiten und es wurde ein großes Maß an Mehrarbeit geleistet“, sagt der Bürgermeister.

Für Entwarnung noch zu früh

Plettenberg ist mit der Zahl der Ansteckungen auf einem guten Weg, hinzu kommen die Coronaschutz-Impfungen, die deutlich an Fahrt aufgenommen haben. Trotzdem: „Für eine Entwarnung ist es noch zu früh“, sagt Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel. Noch stelle die Pandemie eine erhebliche Gefahr dar. „Es infizieren sich täglich bundesweit weiterhin Tausende mit dem Virus, Hunderte sterben nach wie vor jeden Tag an oder mit Corona“, betont Spiegel. Die Infektionszahlen müssten deshalb weiter gesenkt werden, auch um die Gefahr der Entwicklung und Verbreitung neuer Mutationen zu verringern. Die Bürger sollten achtsam bleiben, weiterhin Ansammlungen meiden und medizinische Masken tragen, um ihre Gesundheit und das Wiedergewinnen persönlicher Freiheiten nicht zu gefährden.

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