Krankenhaus-Betrieb in Plettenberg in Corona-Zeiten

Das Herzstück im Kampf gegen Corona: die Intensivstation

Blick auf die zahlreichen Geräte, die in dem Corona-Zimmer auf der Intensivstation des Radprax-Krankenhaus Plettenberg bereit stehen.
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Blick auf die zahlreichen Geräte, die in dem Corona-Zimmer auf der Intensivstation des Radprax-Krankenhaus Plettenberg bereit stehen.

In unserer Serie Krankenhaus-Betrieb in Corona-Zeiten gehen wir im heutigen vierten Teil auf die Intensivstation die dortige Lage im Radprax-Krankenhaus Plettenberg ein.

Plettenberg - Das Herzstück im Kampf gegen das Coronavirus schlägt im zweiten Stockwerk des Plettenberger Radprax-Krankenhauses. Es ist gut abgeschirmt von den restlichen Bereichen, denn hier geht es nicht selten um Leben oder Tod. Die Rede ist von der Intensivstation. Ihr kommt schon im Normalbetrieb eine Schlüsselrolle zu. Aber jetzt, wo die Corona-Pandemie die Weltbevölkerung in Atem hält, wird sie noch wichtiger.

Über viele Jahre haben Kliniken in ganz Deutschland um ihre Intensivstationen gekämpft. Der politische Wille einerseits und der Kostendruck andererseits zwang viele kleinere Krankenhäuser, ihre Intensivstationen zu verkleinern oder gar zu schließen. Im Plettenberger Krankenhaus haben die Verantwortlichen immer an diesem Bereich festgehalten. Und das erweist sich in Zeiten wie diesen als wahrer Glücksfall.

Durch das Fenster des Zimmers 2-32 strömt das Licht der Mittagssonne und spiegelt sich in den Bildschirmen, der zahlreichen Geräten, die rechts und links des Bettes angeschlossen sind. Perfusoren zur exakten Dosierung von Medikamenten, Infusomaten für die richtige Dosis bei Infusionen, ein Monitor zur Überwachung der Vitalfunktionen, dazu Blutdruckmessgerät, Auffangbeutel, Sauerstoffanschluss, Halterungen für Medikamente – alles steht oder hängt für den Notfall parat. Und was zusätzlich benötigt wird, kann unverzüglich aus dem Lager geholt werden, beispielsweise Beatmungsgeräte.

Bei unserem Rundgang Ende letzter Woche stand Zimmer 2-32 noch leer – doch das sollte sich am Dienstag ändern. Das Krankenhaus hat der Verlegung eines belgischen Corona-Patienten aus Lüttich nach Plettenberg zugestimmt. Der Senior, Ende 70, ist seitdem an der Beatmungsmaschine angeschlossen, sein Zustand ist stabil. Damit hat das Coronavirus nun zum wiederholten Male die Intensivplätze des Plettenberger Krankenhauses erreicht.

Kontinuierlich sind über die letzten Wochen die Infektionszahlen in Deutschland und seinen Nachbarländern gestiegen, aber die Krankenhäuser blieben während der zweiten Welle größtenteils von schweren Corona-Krankheitsfällen verschont. Das war Wasser auf die Mühlen aller Corona-Kritiker, die die Einschränkungen im öffentlichen Leben für überzogen hielten. Jetzt ändert sich die Situation fast überfallartig. Die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid haben am Montag den Notfallbetrieb angemeldet. Alles konzentriert sich seitdem darauf, die Corona-Patienten auf der Isolier- und Intensivstation zu versorgen.

Noch dramatischer ist die Lage im belgischen Lüttich, von wo der Patient am Dienstag nach Plettenberg geflogen worden ist. Am Wochenende waren laut einem WDR-Bericht in ganz Belgien nur noch 106 von 2 000 Intensivbetten frei. Es wird bereits offen darüber diskutiert, wer im Fall der Fälle „gerettet und wer aufgegeben werden soll“.

Von dieser Frage – der Triage, wie Mediziner sagen – ist man in Deutschland noch weit entfernt. Und dennoch ist angesichts der Entwicklungen im nahen und weiten Umkreis davon auszugehen, dass auch in Plettenberg die Zahl der Intensivpatienten wachsen wird.

Darauf ist das Personal vorbereitet. 2-32 war jenes Zimmer, das das Team immer für Corona-Intensiv-Patienten freigehalten hat. Ist es – so wie jetzt – belegt, wird sofort ein weiteres Zimmer gesperrt und vorbereitet. „Wenn also in der nächsten Minute ein Intensiv-Patient mit dem Rettungswagen kommt, können wir ihn sofort behandeln“, betont der Ärztliche Direktor und Corona-Beauftragte am Krankenhaus, Dr. Andrzej Ploch.

Auch die Pflege-Fachkräfte der Intensivstation stehen für einen Notfall jederzeit bereit. Per Rufbereitschaft können sie alarmiert werden und eilen unverzüglich ins Krankenhaus.

Sechs Betten stehen auf der Intensivstation zur Verfügung – wohlgemerkt nicht nur für Corona-Patienten, sondern für Intensivfälle jeglicher Art. Doch im Zweifel schlucken die Corona-Fälle die Kapazitäten. Damit die Zimmer für andere Intensiv-Patienten nicht so schnell ausgehen, kann das Personal einen Eingriffsraum zu einem Behandlungszimmer mit zwei weiteren Betten umrüsten. Das würde bedeuten, dass die Intensivstation acht Betten vorhalten könnte.

Sorge machen den Verantwortlichen in Plettenberg aber weniger die räumlichen Grenzen, sondern die personellen. Die Mitarbeiter auf der Intensivstation sind speziell ausgebildet und können nicht von jeder Pflegekraft vertreten werden. Und in Plettenberg sind die Intensiv-Fachkräfte wie überall rar gesät.

Der Blick auf die Märkischen Kliniken in Lüdenscheid zeigt, was bei steigender Anzahl von Corona-Patienten auch in Plettenberg Realität werden könnte: Notfallbetrieb. Geplante Operationen müssten abgesagt werden. Alle Kräfte würden für die Corona-Patienten auf der Isolierstation 5 und die Intensivpatienten auf Station 1 gebündelt.

Das würde zwar zu erheblichen finanziellen Einbußen führen, weil die gewinnbringenden Operationen ausfielen. Aber in diesem Notfallszenario würde in Plettenberg nur noch ein Gedanke gelten: Menschenleben retten. Und zwar ausnahmslos alle.

Die weiteren Teile der Serie Krankenhaus-Betrieb in Corona-Zeiten sind ebenfalls auf come-on.de zu lesen. In Teil 1 ging es um den Weg ins Krankenhaus für die Patienten, Teil 2 drehte sich um die Regelungen für Besucher und Teil 3 gab einen Einblick in die Isolierstation, die Corona-Station 5.

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