Präsenzunterricht in Einzelfällen möglich

Ewiges Hin und Her: Es bleibt kompliziert für Musikschulen

Musikschule Lennetal in Corona-Zeiten Sebastian Hoffmann
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Bilder von Auftritten wie diesem beim Fest der Musikschule an der Waterkant 2019 gibt es seit einem Jahr nicht mehr. Sebastian Hoffman (hinten rechts) stimmt das traurig.

Sie Situation für Musikschulen bleibt schwierig, obwohl nun wieder Präsenzunterricht für Grundschüler gestattet ist. Aber das macht die ganze Sache auch irgendwie wieder ziemlich kompliziert...

Plettenberg - Mehr oder weniger durch Zufall ist Sebastian Hoffmann auf den Chefsessel der Musikschule Lennetal gerutscht. Nachdem der bisherige Leiter Armin Sommer das Sauerland in Richtung Pfalz verlassen hat, musste sein Stellvertreter Hoffmann in die Bresche springen und leitet die Musikschule nun kommissarisch. Vieles hat er seitdem erlebt: vor allem ein Hin und Her mit den Bestimmungen für den Unterricht, der mal im Präsenz-, mal nur im Distanzunterricht stattfinden konnte. Seit gut einer Woche ist nun ein Mix aus Präsenz- und Online-Unterricht angesagt. Die neuen Regelungen sind etwas kompliziert – und stellen die Musiklehrer vor neue Probleme.

Am Freitag vorletzter Woche blickte Hoffmann mal wieder mit Spannung auf die neue Coronaschutzverordnung. Darin hieß es für Musikschulen: Einzelunterricht ist wieder von Angesicht zu Angesicht gestattet, allerdings nur für Kinder im Grundschulalter. Alle anderen können nur weiter digital unterrichtet werden.

Weil nicht abzusehen war, welche Regeln gelten werden, hatte Hoffmann schon vorher beschlossen, weiterhin bis zum Monatswechsel den Präsenzunterricht auszusetzen und erst an diesem Montag, 1. März, neuzustarten. Grundschüler können also ab sofort wieder neben ihrem Musiklehrer üben, bestehende Gruppen werden dafür aufgeteilt, damit sie ebenfalls einzeln unterrichtet werden können. Bei den „ganz Kleinen“ werde die Gruppenteilung und damit ein Präsenzunterricht laut Sebastian Hoffmann noch nicht möglich sein, „weil es einfach zu viele sind“.

Die Grundschüler also im Präsenzunterricht, die Jugendlichen und Erwachsenen im Online-Unterricht – so weit, so gut. Aber für die Musiklehrer ergibt sich daraus in Plettenberg „logistisch ein Riesen-Problem“, wie Sebastian Hoffmann sagt: und zwar fehlendes Internet. In den Musikschul-Räumen im Bahnhof habe man bisher keinen WLan-Anschluss gehabt, weil er nie nötig gewesen sei. Und in den Klassen der Martin-Luther-Schule, in denen öfters unterrichtet wird, sei das Netz so schlecht, „dass man kaum Nachrichten verschicken kann“, sagt Hoffmann.

Wenn ein Musiklehrer nun also laut Stundenplan erst einen Grundschüler am Bahnhof oder in der Luther-Schule unterrichtet und danach einen Online-Schüler betreuen will, müsste er den digitalen Unterricht entweder über sein eigenes mobiles Datenvolumen abwickeln (was kaum darstellbar ist, weil das Datenvolumen oft schon nach wenigen Videoanrufen aufgebraucht ist) oder aber zu sich nach Hause fahren (was viel Zeit kostet und den Stundenplan sprengen könnte).

Aus diesem Grund haben Sebastian Hoffmann und seine Mitstreiter in den letzten Tagen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um möglichst schnell eine Internetleitung in die Musikschulräume zu bekommen und sie haben die Stundenpläne teilweise umgebaut, sodass sich Präsenz und Online-Schüler nicht abwechseln, sondern in Blöcken unterrichtet werden können.

Hoffmann hofft, dass sich das neue Procedere schnell einspielt. Denn schon in den nächsten Tagen könnte es wieder neue Bestimmungen geben, für die sich die Musikschule erneut eine neue Umsetzung überlegen muss.

Für den kommissarischen Leiter bleibt es also eine intensive Zeit. Aber er sagt auch: „Auch wenn es schwierig ist, alles zu organisieren, sind wir trotzdem froh, wieder mit dem Präsenzunterricht anfangen zu dürfen. Denn was ich persönlich am meisten vermisst habe, ist die direkte Beziehung zu den Kindern.“

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