Chöre und Sänger in Zeiten des Coronavirus

Ohne Proben: Tägliches Training der Stimme wichtig

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Ai-Lan Na-Schlütter von der Gruppe FemmeVokal (vorne, 2. von rechts) muss wegen der Corona-Pandemie derzeit auf die Proben mit ihren Chor-Kolleginnen verzichten. Sie übt aber täglich zu Hause, um ihre Stimme „fit“ zu halten (die Aufnahme entstand vor der Corona-Pandemie).

Joggen, Mountainbiken oder das Reiten im Wald sind aktuell nicht verboten und bieten Sportlern in der Coronakrise viel Abwechslung. Generell kann man viele Hobbys auch trotz der Pandemie in irgendeiner Art und Weise zuhause praktizieren. Was machen aber Musiker, die in einer Band spielen oder im Chor aktiv sind? Auch ihnen bleiben momentan nur die eigenen vier Wände zum Üben, aber bringt das Proben alleine etwas?

Ai-Lan Na-Schlütter ist Mitglied des heimischen Frauenchores FemmeVokal. Auch wenn sie ihre Chordamen schmerzlich vermisst, muss sie glücklicherweise aktuell nicht komplett auf ihre Leidenschaft – das Singen – verzichten. „Ich trällere eigentlich jeden Tag“, erzählt sie lachend. Zu Trainingszwecken hat jedes Chormitglied zwei Lieder nach Hause geschickt bekommen, die einstudiert werden sollen, damit es nach der Coronakrise direkt in der Gruppe ans Werk gehen kann, ohne bei Null anfangen zu müssen.

Treffe ich den Ton?

Damit jede Sängerin ihre persönliche Tonlage trainieren kann, gab es vom Chorleiter sogenannte „Midis“, also eine CD, auf der jede Stimme einmal aufgenommen wurde, damit zuhause überprüft werden kann, ob jeder in der richtigen Stimme singt. „Das ist vor allem für diejenigen besonders wichtig, die nach Gehör singen und keine Noten lesen können“, erklärt die passionierte Sängerin. 

Sie selbst sei glücklicherweise seit der Grundschulzeit mit dem Notenlesen vertraut, was vieles einfacher machen würde. Außerdem spiele sie Keyboard und könne ihre Töne mithilfe des Instruments überprüfen. Na-Schlütter spielt zudem Saxophon. „Das mache ich allerdings nur so zum Spaß für mich alleine“, erklärt sie im Gespräch mit der Heimatzeitung.

Allerdings könne sie aktuell nicht wirklich üben, da ihr geliebtes Instrument zu Bruch gegangen sei. „ Das ist besonders traurig, da ich so kleine Finger habe und es schwierig ist, an solch ein spezielles Saxophon zu kommen“, bedauert sie. So müsse sie sich aktuell eher auf das Keyboardspielen und den Gesang konzentrieren.

 „Die Stimme muss ich täglich trainieren, denn nach einer längeren Pause merke ich schon, dass sie nicht mehr so klar ist wie sonst“, erklärt die Sängerin. Ob zuhause oder woanders – das spiele glücklicherweise keine Rolle.

Na-Schlütters Ehemann Bernhard Schlütter ist Mitglied der Plettenberger Band Finest Fathers und darauf angewiesen, regelmäßig E-Gitarre zu üben. Da das allerdings manchmal ziemlich laut in der Wohnung werden könne, wie Ehegattin Ai-Lan mit einem Lächeln erklärt, habe er sich besondere Kopfhörer angeschafft, damit nur ihm selbst seine Klänge zu Gehör kämen.

Coronavirus: Proben gehen nur zuhause

Auch die Finest Fathers haben sich auf bestimmte Stücke geeinigt, die jedes Mitglied für sich zuhause einstudieren könne. „Wenn sich jeder an die Noten hält, kann da eigentlich nichts schief gehen und man braucht bei der ersten richtigen Bandprobe mit allen nur noch die Feinheiten abzustimmen“, erklärt Schlütter.

Zusammen musiziert das durch und durch musikalische Paar nur selten, obwohl auch Bernhard Schlütter nicht nur in einer Band aktiv ist, sondern auch im Chor Four Valleys singt. „Früher haben wir mal zusammen gespielt – an Weihnachten oder so – normalerweise macht aber jeder von uns sein eigenes Ding“, erklärt Ai-Lan Na-Schlütter.

 Den selben Musikgeschmack haben die beiden trotzdem. Der reicht von Oldies über Rock bis zu Klängen aus den 60er- bis 80er-Jahren. Auch Blasmusik dürfe in Ausnahmefällen mal sein, allerdings nur zum Schützenfest, das in diesem Jahr leider ausfallen muss. Dass das Jahr 2020 also für die Schlütters blasmusikfrei wird, könne das Paar durchaus gut verkraften.

Schwer verdauen können die Plettenberger dagegen die aktuell ausfallenden Band- und Chorproben. Ai-Lan Na-Schlütter ist sich aber jetzt schon relativ sicher, wie die erste Probe nach Corona aussehen wird: „Vermutlich werden wir dabei gar nicht zum Musizieren kommen, weil wir uns alle so viel zu erzählen haben“, vermutet sie lachend und fügt hinzu: „Das ist dann aber egal. Hauptsache, wir haben wieder normale Proben!“

Pia und Cara Stemski

Auch für die Schwestern Pia und Cara Stemski besitzt Musik eine besondere Bedeutung. Schon immer haben die beiden gerne musiziert, durften eine musikalische Früherziehung genießen, spielten viele Jahre im Orchester der Musikschule Lennetal und dem Märkischen Jugendsinfonieorchester. 

Mittlerweile musizieren sie fast ausschließlich im familiären Rahmen – und in diesen schwierigen Corona-Zeiten hat das für sie auch eine ganz besondere Bedeutung: „Denn die Musik berührt die Seele“, sagt Pia Stemski. Eigentlich spielt die 18-Jährige Klarinette, ihre zwei Jahre ältere Schwester Geige, doch zurzeit sind es vor allem Gitarren und Gesang, die im heimischen Wohnzimmer der Familie erklingen. Mal ein heiterer Pop-Song, mal das Vereinslied des TV Jahn Plettenberg „Eine Halle, ein Verein“, mal der selbst geschriebene Song „Heads up high“ (englische Redewendung für „Kopf hoch“). 

Für die Schwestern zeigt die Corona-Krise vor allem auch eines auf: „Man merkt, was man im Leben wirklich braucht.“ Musik gehört für die beiden auf jeden Fall dazu. Und daran dürfen sich in diesen Zeiten dann doch so manches Mal auch andere erfreuen: Wie zum Beispiel die Großeltern, denen man zum Osterfest auf Abstand einen musikalischen Gruß übermittelte. 

Oder die Freunde, die dieser Tage ihre silberne Hochzeit feiern, und denen die komplette Familie Stemski den bekannten „Irischen Reisesegen“ als Glückwunsch umdichtete, um zu gratulieren. Und der Refrain enthält dabei einen Wunsch: „Bis wir uns wieder- sehen“. Das hoffen die Stemski-Schwestern nämlich sehr.

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