Letzter Haarschnitt vor dem Lockdown

Wenn der Friseur-Termin auf einmal wertvoll ist

Der letzte Friseurbesuch vor dem Lockdown im Haarstudio Baron in Plettenberg
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Der letzte Friseurbesuch vor dem Lockdown im Haarstudio Baron in Plettenberg.

Noch einmal die Haare schneiden vor dem Lockdown am Mittwoch - viele hatten Glück, manche Pech. So stellte sich die Situation kurz vor der Schließung in Plettenberg dar.

Plettenberg – Helga Behling konnte sich glücklich schätzen. Sie hatte für Dienstag tatsächlich noch einen Termin bei ihrem Friseur bekommen. „Es war dringend nötig“, sagt die Plettenbergerin, die eigentlich kurz vor Weihnachten kommen wollte, aber den Haarschnitt wegen der Friseurschließungen im Land ab diesem Mittwoch nun vorziehen musste.

Eigentlich hatte sie ja wenig Hoffnung, dass sie nach der Schließungs-Verkündung von Sonntag noch einen Termin bekommen würde und sich damit abgefunden, mit der Mütze öfter als sonst die Mähne zu verdecken, aber dann versuchte es Helga Behling Montagabend einfach mal per Telefon bei ihrem Stammfriseur im Haarstudio Baron fragte. Sie solle am nächsten Morgen vorbeikommen, irgendwie werde man sie dazwischen schieben, hieß es am Telefon. Und es klappte: Helga Behling war selbst etwas verblüfft und sagt: „Mir ist bewusst, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.“

Das ist es angesichts des Ansturms der letzten Tage in der Tat nicht. Denn das Beispiel von Helga Behling ist kein Einzelfall. Seitdem am Freitag erste Gerüchte die Runde machten und Kanzlerin Angela Merkel am Sonntag die Friseurschließungen offiziell verkündete, glühten trotz des Ruhetags in den örtlichen Betrieben die Telefonleitungen.

Alexandra Hein, die Inhaberin des Central-Friseurs an der Grünestraße, zum Beispiel hatte sich in weiser Voraussicht auf das, was da kommen könnte, das Terminbuch am Freitag schon mit nach Hause genommen, um Termine verschieben zu können. Sevgi Sahan, Chefin im Haarstudio Baron an der Wilhelmstraße, hat den Terminplaner nach der MerkelVerkündung im Betrieb abgeholt, umgehend Kontakt zu ihren Mitarbeiterinnen aufgenommen und gefragt, wer am Montag und Dienstag einsatzbereit wäre. Alle haben zugesagt. Die Chefin veröffentlichte daraufhin noch am Sonntag ihre Privatnummer auf der Baron-Facebook-Seite zur Terminvereinbarung. Und weil so viele Anrufe eingingen, schoben die beiden Vollzeit-, die drei Teilzeitkräfte und die drei Auszubildenden im Haarstudio Baron ebenso wie die Angestellten vieler anderer Friseure in Plettenberg in den letzten Tagen Sonderschichten.

Von 8 bis 21 Uhr war zum Beispiel das Baron-Team am Montag im Einsatz, um den Stammkunden den für viele so wichtigen Haarschnitt vor dem Weihnachtsfest noch zu ermöglichen. „Wir hatten durchgehend Termine“, beschreibt Sevgi Sahan, „unsere Frühstückspause haben wir am Montag um 16 Uhr gemacht.“

Die Rede ist wohlgemerkt von einem Montag, der zwar nicht bei Baron, aber bei vielen Friseuren der Ruhetag ist. Geschlossen ist an Montagen normalerweise auch der Salon Hair-Line am Lindengraben, aber besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Das Mitarbeiterteam nahm angesichts der bevorstehenden Schließung auch am Montag die Kunden in Empfang und war – ebenso wie am Dienstag – vollständig ausgelastet.

Egal, ob Neu- oder Stammkunden – überall versuchten die Friseure, kurzfristige Anfragen irgendwie dazwischen zu bekommen. Auffallend war dabei, dass so gut wie keine schon vereinbarten Termine abgesagt worden sind oder Kunden zu spät oder gar nicht kamen. Baron-Inhaberin Sevgi Sahan: „In den letzten Tagen sind alle gekommen. Ein Friseur-Termin ist gerade offenbar ziemlich wertvoll“, schmunzelt sie.

Viele hatten letztlich das Glück, noch einmal die Haare geschnitten zu bekommen, aber nicht alle konnten bedient werden. Wer keinen Termin mehr bekam, habe aber nicht etwa sauer, sondern meist sehr verständnisvoll reagiert. Deshalb wollen sie zum Beispiel bei Hair-Line und bei Baron auch Danke an die Kunden sagen, von denen viele in den letzten Tagen noch Geschenke gebracht haben. Alexandra Hein vom Central-Friseur fasst das so zusammen: „Wir haben ganz tolle, verständnisvolle Kunden. Es fühlt sich eher nach einer Familie, als nach einer Kundschaft an.“

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