Nach Aufnahmestopp von Dienstag

Wie ist die Situation im Krankenhaus Plettenberg? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Krankenhaus Plettenberg in Zeiten von Corona: Einblicke in Station 5, die Isolationsstation
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Einblicke in Station 5, die Corona-Station, des Radprax-Krankenhauses Plettenberg.

Die Corona-Pandemie hat das Radprax-Krankenhaus Plettenberg fest im Griff. Nach dem Aufnahmestopp von Dienstag haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zur Situation zusammengetragen.

Plettenberg - Die Notfallpläne, die die Verantwortlichen schon vor Monaten erarbeitet haben, müssen jetzt in die Tat umgesetzt werden. Ein Aufnahmestopp und die Erweiterung der Isolierstation sind die im Moment weitreichendsten Folgen, nachdem die Zahl coronainfizierter Patienten und Verdachtsfälle am Dienstag sprunghaft angestiegen ist. Ein Überblick.

Wie hat sich die Situation von Dienstag auf Mittwoch entwickelt?

Die Situation hat sich leicht entspannt. Während der Ärztliche Direktor Dr. Andrzej Ploch am Dienstag noch acht Corona-Verdachtsfälle auf der Isolierstation verzeichnete, sind es mit Stand von Mittwochmittag nur noch drei. Das liegt daran, weil sich der Verdacht bei drei Patienten nicht bestätigt hat, während der Labortest bei zwei Verdachtsfällen ergeben hat, dass sie wirklich an Covid-19 erkrankt sind. Damit steigt die Zahl der Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden, von Dienstag zwölf auf nun 14. Zwei von ihnen liegen auf der Intensivstation.

Reicht die Isolierstation für diese Vielzahl an Corona-Patienten und Verdachtsfällen aus?

Ja, allerdings nur, weil ein weiterer Bereich auf Station 5 nun auch noch für die Corona-Betroffenen genutzt wird. Ursprünglich war die Station in drei farblich gekennzeichnete Bereiche eingeteilt: dem grünen Bereich für die Isolation anderweitig Erkrankter (zum Beispiel Influenza oder Meningitis), den gelben Bereich für die Corona-Verdachtsfälle und den roten Bereich für die Corona-Infizierten. Da die Zimmer aber nun nicht mehr ausreichten, ist der bisher corona-freie, grüne Bereich hinzugenommen worden. Die beiden anderweitig erkrankten Patienten aus diesem Bereich werden nun auf einer anderen Station isoliert. Die Corona-Verdachtsfälle haben auf Station 5 jeweils ein Einzelzimmer, die Infizierten sind auf Doppel- und Einzelzimmer aufgeteilt.

Welche Folgen haben die vielen neuen Coronafälle für das Personal?

Das Arbeitspensum steigt. Die Versorgung und Behandlung von Corona-Patienten und -Verdachtsfällen ist deutlich aufwändiger als die herkömmliche Patientenvisite. Für den Besuch im Zimmer oder für den Gang über den Flur schlüpfen die Krankenpfleger jedes Mal in ihre Ganzkörper-Schutzkleidung, setzen sich eine Haube auf und streifen sich zusätzlich zur FFP2-Maske ein Gesichtsvisier über. Denn: Nichts darf von hier nach draußen dringen.

Wie wird die Versorgung der Corona-Patienten sichergestellt?

Indem Personal zusammengezogen wird. Der Mehraufwand, der Ausfall von acht Mitarbeitern durch eine Corona-Infektion und der jahreszeitübliche Krankenstand sorgen für erschwerte Bedingungen. Deshalb haben die Krankenhaus-Verantwortlichen einen Aufnahmestopp verhängt und die Operationen für diese Woche vorübergehend abgesagt. Das OP-Personal und die Mitarbeiter der Station 4 werden stattdessen auf der Isolierstation und der Intensivstation eingesetzt.

Wirkt sich das auf die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses aus?

Ja, und zwar massiv. Die Operationen sind der Bereich, in dem Krankenhäuser Geld verdienen. Mit der Absage fehlen nun dringend benötigte Einnahmen. „Und im Moment haben wir während der zweiten Welle noch keinerlei staatliche finanzielle Unterstützung bekommen“, sagt Dr. Ploch.

Welche Bereiche sind im Krankenhaus jetzt noch geöffnet?

Zugänglich sind weiterhin die Praxis Friese/Kauert, die kardiologische Praxis von Dr. Trompeter und die Radiologie. Außerdem werden Notfälle, die auf privatem Wege zum Krankenhaus kommen, weiterhin versorgt. „Die Notfallambulanz funktioniert weiter, auch die Sprechstunden der Chef- und Oberärzte finden weiterhin statt“, erklärt Dr. Ploch. Der Aufnahmestopp gilt dagegen vor allem für die Patienten, die sonst mit dem Rettungswagen eingeliefert werden; sie müssen nun auf die umliegenden Krankenhäuser aufgeteilt werden.

Sind die Patienten und Mitarbeiter im Krankenhaus sicher?

Ja, versichert Dr. Ploch. Das bisher sehr erfolgreiche Sicherheits- und Schutzkonzept für die Patienten wird weiterhin durchgeführt. Es sieht vor, dass die Corona-Betroffenen abgeschottet behandelt werden. Die Mitarbeiter schützen sich weiterhin dauerhaft im Dienst mit den vergleichsweise sicheren FFP2-Masken.

Ist mit einer baldigen Entspannung der Situation zu rechnen?

Dr. Ploch ist trotz der Anspannung der letzten beiden Tage vorsichtig optimistisch. Es zeichne sich ab, dass sich schon in den nächsten Tagen coronainfizierte Patienten nach der Behandlung im Krankenhaus in häusliche Quarantäne begeben können, weil sich ihr Gesundheitszustand verbessert. Weil zeitgleich aufgrund des Aufnahmestopps keine oder kaum neue Patienten kommen, „wird sich die Situation hoffentlich bis nächste Woche entspannen“, sagt Dr. Ploch. Am Montag wollen die Verantwortlichen dann entscheiden, wie es mit den geplanten Operationen weitergeht und ob der Aufnahmestopp verlängert oder beendet werden soll.

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