Einblicke in den Kindergarten-Alltag aus dem Familienzentrum Mittendrin

Wie Erzieher im Homeoffice arbeiten und warum sich Eltern weniger Sorgen um ihre Kinder machen müssen

Familienzentrum Mittendrin Plettenberg in Corona-Zeiten
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Die Erzieherinnen des Familienzentrums Mittendrin in Plettenberg freuen sich auf den Moment, wenn hoffentlich bald die noch fehlenden Kinder wieder die Kita besuchen dürfen.

Die Corona-Pandemie hat auch den Kindergarten-Alltag stark verändert. Wir haben uns dafür im Familienzentrum Mittendrin in Plettenberg ein Bild der Situation verschafft.

Plettenberg – Das Familienzentrum Mittendrin gleicht in diesen Tagen einer Oase in einer kräftezehrenden Wüste. Aus der Tigergruppe sind vergnügte Kinderschreie zu hören, bei den Gorillas puzzelt eine Erzieherin gerade mit einem Kind (ohne Mund-Nasenschutz versteht sich) und nach dem Mittagessen grinst ein Junge mit einem Oberlippenbart aus Früchtequark seinen Freund an.

Ganz normaler Kindergarten-Alltag, irgendwie. Und doch ist alles ganz anders als gewöhnlich.

Auch wenn die Erzieher bemüht sind, die Folgen der Corona-Pandemie zumindest im Kindergarten nicht an die Kleinsten herankommen zu lassen, hat sich das Arbeiten für die Mitarbeiter selbst stark verändert. Die Gruppengrößen zum Beispiel sind deutlich geschrumpft, Projekte und Wochenpläne müssen verschoben werden. Manche Kolleginnen arbeiten sogar im Homeoffice.

Sandra Becker ist diejenige, die im Familienzentrum Mittendrin die Entscheidungen treffen muss. Das ist in Zeiten wie diesen, in denen viele Regelungen unscharf formuliert sind, in denen Kindergärten im Schatten der Schuldiskussionen untergehen und in denen trotzdem der Schutz von Kindern und Erzieherinnen gewährleistet sein muss, keine leichte Aufgabe. Immerhin: Bis jetzt laufe alles noch verhältnismäßig gut, sagt Sandra Becker.

Sandra Becker, Leiterin des Familienzentrums Mittendrin.

Einen Corona-Fall hat es bislang im Mittendrin gegeben. Im Dezember ist eine Erzieherin positiv getestet worden. Die ganze Gruppe musste in Quarantäne, aber die gute Nachricht war, dass sich keines der Kinder angesteckt hatte.

Dieses Erlebnis hat das Personal in zweierlei Hinsicht sensibilisiert. Erstens: Es kann ganz schnell gehen, dass das Coronavirus auch den Kindergarten-Alltag lahmlegt. Aber zweitens: Da sich kein Kind infiziert hat, verbreitet sich das Virus vielleicht unter Kindern wirklich nicht so schnell – so wie von vielen Experten immer gesagt wurde.

Zumindest gefühlt lasse es sich mit dieser Erkenntnis besser ohne Mund-Nasenmaske im Kindergarten arbeiten. Bis auf eine Kollegin verzichten alle Erzieherinnen im Familienzentrum Mittendrin auf diesen Schutz – zum Wohle der Kinder, für die es wichtig ist, die Mimik im Gesicht des Gegenübers erkennen zu können.

Womit wir bei einem weiteren wichtigen Aspekt wären: Kindergarten bedeutet – anders als vielleicht viele denken – nicht nur Kinderbetreuung. „Wir haben nicht nur einen Betreuungs-, sondern auch einen Bildungsauftrag“, betont Sandra Becker. Sprache, Bewegung, Kognition, Musik – all das will ge- und erlernt werden. Und ähnlich wie in der Schule bedeutet Bildung heutzutage auch sehr viel Vorbereitungs-, Nachbearbeitungs und Dokumentationsarbeit, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Der Erzieher, der sich den ganzen Tag nur um die Kinder kümmert – das ist Vergangenheit.

Entsprechend nervt viele Erzieher im Homeoffice auch die Frage: „Kindergarten zuhause – wie geht das denn?“

Im Mittendrin arbeiten derzeit zehn von 22 Kolleginnen von zuhause aus. Sie kümmern sich um genau diese Dokumentationsarbeit, sie setzen sich mit pädagogischer Fachliteratur auseinander, sie erarbeiten Konzepte für neue Projekte, sie lassen sich täglich neue Spielideen für die Eltern einfallen oder sie nähen – so wie eine Erzieherin – Storybags, also Geschichtsbeutel, die sich mehrfach umstülpen lassen und mit deren Bildern man zum Beispiel die Geschichten der Arche Noah oder der Schöpfung veranschaulichen kann.

„Ich glaube, dass man Kindern mehr zutrauen kann, als wir oft annehmen.“

Sandra Becker

Zuhause bleiben aber nicht nur ein Teil der Erzieher, sondern auch viele Kinder. Die Bundesregierung hat diesen Wunsch in die Gesellschaft getragen und die meisten Eltern halten sich daran. Unglücklich findet Sandra Becker allerdings, dass diese Regelung so schwammig formuliert worden ist. Während zu Beginn der Pandemie im Frühjahr klar definiert wurde, welche Kinder betreut werden sollen (nämlich die von Eltern in systemrelevanten Berufen), müssen die Eltern jetzt nach eigenem Gewissen entscheiden. Das falle nicht jedem leicht. Glücklicherweise klappe es im Familienzentrum Mittendrin sehr gut. Von den rund 100 Kindern des Kindergartens sind in der Regel zwischen 20 und 25 da, aufgeteilt auf die fünf Gruppen. Der Rest bleibt zuhause.

„Das ist schon eine Wahnsinns-Leistung der Eltern, denn wir reden ja hier nicht nur von ein paar Tagen, an denen die Kinder zuhause bleiben“, betont Sandra Becker.

Verstehen kann sie die Sorgen vieler Eltern, ob sie ihrem Kind zwischen Haushalt und Arbeit überhaupt noch gerecht werden können. Aber sie kann beruhigen: Das, was viele Eltern mit ihren Kindern zuhause machen – sei es im Schnee toben, Spiele spielen oder Bücher vorlesen – sei genau das, was viele Kindern einfordern und brauchen. Sie glaubt fest daran, dass die Kinder die Krise auch mental gut überstehen können und macht Mut: „Ich glaube, dass man Kindern mehr zutrauen kann, als wir oft annehmen.“

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