Eindrücke eines Blumenhändlers aus Plettenberg

Eine turbulente Woche und ein aufsehenerregendes Video

Blumen Plettenberg Blumengeschäft dürfen doch wieder verkaufen
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Nach der Lieferung mit frischer Ware verschwanden auch die letzten Lücken im Blumenladen Dante im Rewe an der Ziegelstraße in Plettenberg.

Blumenhändler wie Michael Koetje haben eine turbulente Woche hinter sich. Erst hatten sie geöffnet, dann befürchteten sie, schließen zu müssen und am Ende durften sie doch weiterverkaufen.

Plettenberg – Als sich Michael Koetje am Montagabend vor die Kamera stellte, dachte er: Das war’s für dieses Jahr. Nur noch ein Tag, an dem er all die hunderten Rosen, die Weihnachtssterne, die Orchideen und die Blumengestecke irgendwie an den Mann oder die Frau bringen muss. Die Bundesregierung hatte schließlich verkündet, dass alle Geschäfte mit Ausnahmen von Lebensmittelmärkten und Drogerien ab Mittwoch schließen müssten und die Befürchtung war nach einem Montag der Ungewissheit, dass die Schließung auch die Blumenhändler treffen dürfte.

Also drehte Michael Koetje ein Video, in dem er versprach, dass im Blumengeschäft Dante im Rewe an der Ziegelstraße am Dienstag alles zum halben Preis zu haben ist. Ein Ausverkauf also. „Der Laden war voller Ware. Uns ging der Arsch auf Grundeis“, sagt Koetje, ein Mann der markigen Worte.

Am Dienstagmorgen, kurz nach halb sechs, erreichte den Einkäufer für den Blumenhandel Dante dann die Nachricht eines befreundeten Kollegen. In der neuen Coronaschutzverordnung stehe, dass die Blumengeschäfte weiter geöffnet haben dürfen. Na bravo. Und jetzt?

Blumenhändler Michael Koetje

Einkäufer Koetje und Chefin Rosalina Dante zogen die 50-Prozent-Aktion trotzdem durch. „Wer A sagt, muss auch B Sagen“, begründet Koetje. „Augen zu und durch.“

Viele Plettenberger hatten Koetjes Ausverkauf-Video im Internet auf Facebook gesehen, entsprechend groß war am Dienstag der Andrang. Am Abend war kaum noch etwas übrig. Blumen-Schnäppchen kurz vor Weihnachten – da schlugen etliche Kunden noch mal zu. Und Koetje freute sich über einen teuren, aber immerhin gelungenen Werbegag.

Blieb nur noch die Frage: Wie soll es jetzt weitergehen? Für Mittwoch war der Großteil der Mitarbeiter angesichts der angekündigten Schließung schon privat verplant, im übrigen gab es ja auch so gut wie keine Blumen mehr im Laden. Also besprachen Rosalina Dante und Michael Koetje, den Laden am Mittwoch geschlossen zu halten und am Donnerstag neu zu starten.

Um 3.30 Uhr schwang sich Koetje deshalb am Donnerstag in seinen Transportwagen und machte sich auf den Weg an den Niederrhein zur deutsch-holländischen Grenze zum wohl größten Blumenumschlagsplatz Deutschlands. Neben Kunden aus München und Hamburg ersteigerte er Großmengen an neuer Ware, verlud sie in seinen Wagen und machte sich auf den Rückweg nach Plettenberg. Am Mittag war er zurück.

Die Mitarbeiter standen hier schon Gewehr bei Fuß. Alles ausladen, Preisschilder ankleben, aufstellen, während sich Koetje mit der restlichen Ware auf den Weg in den anderen Blumenladen von Rosalina Dante in Finnentrop-Bamenohl machte. Es blühte wieder in den Blumengeschäften.

„Es war für uns alle ein Wechselbad der Gefühle“, fasst Koetje die turbulente Woche zusammen. Aber jetzt sei man froh, dass der Blumenhandel doch weitergehen konnte. So hatte die Woche zumindest aus seiner Sicht doch noch ein Happyend.

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