Plettenbergerin, die am Krankenhaus arbeitet, ist entsetzt

Ärger über das Verhalten älterer Wochenmarkt-Kunden: "Wie kann man nur so dumm sein!?"

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Das Bild zeigt eine Situation auf dem Wochenmarkt in Plettenberg von vor mehreren Wochen und zeigt ausdrücklich nicht die Situation von letzte Woche Freitag.

Plettenberg - Als Anja Rittner letzte Woche Freitag auf den Wochenmarkt kam, dachte sie, sie trifft der Schlag. So stark besucht hatte sie die Stände der Händler selten zuvor gesehen, aber der Hauptgrund dafür, warum sie „einen richtigen Hals“ hatte, war ein anderer.

Der Großteil der Kunden war augenscheinlich über 70 Jahre alt und gehört damit zur Risiko-Gruppe für das Coronavirus.

Etliche intensive Stunden hat Anja Rittner in den letzten Wochen im Plettenberger Krankenhaus erlebt, in dem sie als Logopädin auf den Stationen arbeitet. „Wir betreiben hier einen riesigen Hygiene-Aufwand, um genau diese Altersgruppe zu schützen“, sagt sie. Zahlreiche Menschen aus ihrem Bekanntenkreis müssen sich einschränken, weil ihre Kinder nicht mehr in den Kindergarten oder in die Schule können. Überall sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar.

„Und dann gehe ich zum Gemüsestand Deitelhoff und sehe hochbetagte Menschen am Rolllator, die sich nur mit Begleitung bewegen können, weil sie es alleine nicht schaffen und die ohne Mundschutz noch ein Schwätzchen mit anderen Kunden halten“, berichtet sie uns am Telefon.

Spreche man diese Leute an, würden sie häufig ganz lapidar sagen: „Wenn es mich trifft, dann trifft es mich eben.“ „Was die Leute dabei vergessen, ist, dass es ja nicht nur um sie geht, sondern dass sie auch andere anstecken könnten“, ärgert sich Anja Rittner, atmet kurz durch und beendet ihren Gedanken in deutlichen Worten: „Ich frage mich: Wie kann man nur so dumm sein!?“

Coronavirus in Plettenberg: Lieferdienste sind kaum nachgefragt 

Sie ist nicht alleine mit ihrer Meinung. Ein anderer, der am Freitag den Markt besuchte und entsetzt war, ist Markus Hildebrandt. Der Plettenberger hat für die CDU Plettenberg einen Bringdienst für Lebensmittel ins Leben gerufen und würde gemeinsam mit einem Team von vier anderen Freiwilligen Senioren mit dem beliefern, was sie haben möchten – wenn es denn nachgefragt würde. Der kostenlose Bringservice ist nämlich so gut wie gar nicht nachgefragt. „Ich bin mir gar nicht sicher, aber ich glaube, wir hatten in den letzten vier Wochen tatsächlich noch keine einzige Anfrage“, sagt Hildebrandt.

Spätestens am Freitag sah er dann auch warum: Die Plettenberger Senioren gehen munter weiter selbst ihre Lebensmittel einkaufen. „Auch wir hätten noch viel mehr Kapazitäten, um Senioren zu beliefern“, sagt Lorenz Klimesch stellvertretend für die Freiwilligen der Plettenberger Schützengesellschaft, die ebenfalls einen Bringdienst eingerichtet haben und laut Klimesch im Schnitt einen Auftrag pro Tag verzeichnen.

Wie also kann man dafür sorgen, dass weniger Rentner selber einkaufen gehen und stattdessen einen Lieferdienst in Anspruch nehmen? „Vielleicht könnte das Ordnungsamt Flugzettel auf dem Markt verteilen, auf denen die Kontakte der freiwilligen Lieferdienste stehen“, schlägt Anja Rittner, die Logopädin am Krankenhaus, vor. „Und vielleicht könnten die Lieferdienste auch für diejenigen, die ihr Gemüse von Deitelhoff haben möchten, die Ware am Markt abholen.“

Wegen Coronavirus: Gemüse Deitelhoff bietet Bestellservice an

Nachfrage bei Markus Hildebrandt und eine schnelle Antwort: „Für uns wäre das gar kein Problem. Wir können den Leuten auch zwei Portionen Backfisch nach Hause bringen, wenn sie das möchten. Uns geht es doch vor allem darum, die Leute zu schützen, indem sie zuhause bleiben können und das – um da sämtliche Vorbehalte auszuräumen – völlig unabhängig von der politischen Gesinnung.“

Und auch für Gemüsehändler Günter Deitelhoff ist das eine denkbare Lösung. Nachdem ihm das ST diese Idee vorgeschlagen hatte, war nach kurzer Beratung innerhalb der Familie klar: „Wir heißen die älteren Kunden an unserem Marktstand auch weiterhin willkommen. Aber wir wollen die Idee gerne umsetzen. Kunden können uns per E-Mail oder per Telefon ihre Bestellung aufgeben“, sagt Günter Deitelhoff, der mit dieser Maßnahme dazu beitragen möchte, eine weitere Verbreitung des Virus gerade in der Risikogruppe zu verhindern.

Gemüsehändler Deitelhoff weist insbesondere darauf hin, dass er gerne Gemüsebestellungen entgegen nimmt, dass die Kunden aber zusätzlich bitte selbstständig mit einem Lieferdienst Kontakt aufnehmen, der die Waren abholt und dem Kunden nach Hause bringt.

Käsehändler Frank Rest bietet diesen Service übrigens ebenfalls an. Seit einem Monat nimmt er Bestellungen im Vorfeld der Markttage entgegen und liefert diese sogar selbst zu den Kunden.

Der Weg ist also bereitet. Jetzt liegt es nur noch an den Betroffenen selbst, diese Angebote auch anzunehmen.

Info: Alle Kontaktadressen auf einen Blick

- Bestellungen bei Gemüse Deitelhoff sind wie folgt möglich: über die Telefonnummer (0 29 22) 8 42 25 oder per Email über gunterdeitelhoff@gmail.com

- Bestellungen bei der Käserei Frank Rest sind möglich per Mail über post@die-kaeserei.de – weitere Infos können telefonisch unter (0 23 72) 1 24 89 erfragt werden

Folgende freiwillige Lieferdienste bringen die Lebensmittel kostenlos nach Hause:

- PSG: (01 76) 24 87 72 86 oder (01 51) 64 30 51 98

- CDU: (01 70) 2 99 11 25, Mail: hallo@cdu-plettenberg.de

- Elif: (01 51) 40 51 98 80 (ab 15 Uhr), Mail: info@elif-ev.de

- Caritasverband: (0 23 51) 90 50 33

- Ev. Freik. und Landesk. Gemeinschaft: (01 71) 2 60 36 94, Mail: fuereuchda@gmail.com

+++Lesen Sie hier, wie sich das Coronavirus in Plettenberg und im Mk entwickelt+++

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