Von morgens bis abends an der Nähmaschine

Coronavirus in Plettenberg: Masken nähen für die, die sie brauchen

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Nadine Filz näht Behelfsmasken.

Plettenberg – Es kommt immer anders, als man denkt. Diese Erfahrung machte jüngst die Plettenbergerin Nadine Filz. Hätte ihr jemand vor ein paar Wochen gesagt, dass sie in diesen Tagen von morgens bis abends an der Nähmaschine sitzen wird um Masken zu nähen, dann hätte sie das nicht geglaubt.

Die junge Plettenbergerin hatte vor genau zwei Jahren eigentlich ganz andere Ziele. Mit ihrem Second-Hand-Laden Two Times in der Innenstadt hat sie sich ihr eigenes kleines Reich aufgebaut. Das Nähen hat sie nie gelernt, sich aber irgendwann selbst angeeignet. „Ich hatte schon immer Spaß an der Handarbeit. Angefangen habe ich mit stricken und häkeln – hört sich doof an für eine junge Frau, aber ich fand das schon immer cool“, erklärt Filz im Gespräch mit der Redaktion. Laden aufgegeben Mittlerweile näht sie schon seit etwa zwei Jahren, allerdings nicht mehr für ihren eigenen Laden, denn dieser ist mittlerweile geschlossen. Der traurige Grund dafür: Die Innenstadtsanierung und die Laufkunden, die dadurch ferngeblieben seien.

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 „Die Leute können ja nirgends mehr parken und das habe ich extrem gemerkt. Ich hatte einfach kaum noch Kunden“, erklärt sie traurig. Im März sollte der Ausverkauf stattfinden. Das habe sich durch die Coronakrise nun erledigt. Wahrscheinlich wird der Abverkauf im Internet stattfinden müssen. Genau hier ist Filz auch auf eine Facebook-Gruppe gestoßen, die angefangen hat, Behelfs-Schutzmasken selbst herzustellen. Daraufhin habe sie Kontakt zum Plettenberger Bürgermeister gesucht, um zu erfragen, ob auch in Plettenberg Bedarf besteht. „Der hat sich dann schlau gemacht und mir bestätigt, dass auch in Plettenberger Einrichtungen durchaus die Nachfrage da sei“, so Filz. 

Über einen Facebook-Aufruf wurde dann schließlich alles von Filz in die Wege geleitet. „Mittlerweile habe ich einige Anfragen, besonders von Pflegediensten aber auch von Privatpersonen. Ich habe gut zu tun“, freut sich Filz, die für die Herstellung der Masken kein Geld fordert. „Ich möchte einfach helfen, wo Hilfe gebraucht wird.“ Sie freue sich aber sehr über Kleinigkeiten, wie beispielsweise eine Blume, die neulich vor ihre Tür als Dankeschön gestellt wurde. Auch über Stoffreste freut sich Filz, allerdings müssen diese aus Baumwolle bestehen und kochbar sein – andernfalls kann sie keine Behelfsmasken daraus herstellen. Netter Vermieter Besonders froh sei sie über die Geste ihres Ladenlokal-Vermieters gewesen, der in Griechenland lebt. „Aufgrund meiner Situation und der Coronakrise hat er die Kündigungsfrist verkürzt und lässt mich drei Monate eher aus dem Mietverhältnis ausscheiden. Das ist super nett von ihm“, freut sich Filz.

 Sie habe allerdings auch schon weniger erfreuliche Erfahrungen mit ihrem Näh-Angebot gemacht. „Ein Pflegedienst hat eine Bestellung bei mir aufgegeben mit einer konkreten Anleitung, wie ich was nähen soll. Da war ich sehr irritiert, denn für eine Maske nach diesen strikten Vorgaben brauche ich fünfmal so lange, wie für meine eigenen Entwürfe“, so Filz. Hinzu kam, dass die Masken innerhalb weniger Tage fertig sein sollten. Trotzdem möchte Filz weitermachen und sagt ausdrücklich: „Ich nehme immer gerne auch größere Bestellungen an, allerdings muss etwas Wartezeit eingeplant werden, da ich alles nach und nach abarbeite“, erklärt die Hobbynäherin.

Kontakt:

Neben Nadine Filz gibt es weitere Damen, die sich ehrenamtlich engagieren und Behelfsmasken nähen. Eine davon ist auch Claudia Tumbrock, die aktuell noch Stoffreste sucht. Wer Stoff für diesen guten Zweck abzugeben hat, kann sich gerne bei Frau Filz melden, Tel. (0151) 41 83 08 63.

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