Coronakrise

Eisdielen-Betreiber: Man darf das Lächeln nicht verlieren

+
Paolo Sagui hat das Lächeln nicht verloren. 

Herscheid/ Plettenberg – Erdbeere, Vanille, Stracciatella: Rechtzeitig zu den ersten sonnig warmen Frühlingstagen hat die Herscheider Eisdiele geöffnet. Die 25. Saison der Inhaber-Familie Fattorel in der Ebbegemeinde steht aufgrund der Coronakrise unter ganz besonderen Vorzeichen. Klar ist: Aufgrund der gültigen Sicherheitsbestimmungen wird der Kontakt der Kunden untereinander und der zwischen Käufer und Verkäufer auf ein absolutes Minimum reduziert.

Die Vorgaben der Bundes- und Landesregierung werden somit genauestens umgesetzt. Das ist bereits auf den ersten Blick zu erkennen: Die Bänke vor dem kleinen Geschäft an der Lüdenscheider Straße sind erst gar nicht aufgestellt worden. Und auch die Hocker in der Eisdiele können nicht genutzt werden, weil diese nicht von den Besuchern betreten werden soll. „Wir mussten improvisieren“, erklärt Olinda Fattorel. Sie bittet die Kunden darum, die Bestellungen im Vorfeld telefonisch zu erledigen. Das eingepackte Eis wird an einem Tisch bereitgestellt, der direkt in der Eingangstür der Eisdiele aufgestellt wird; an diesem wird auch kassiert. 

Die aktuellsten Entwicklungen zur Coronakrise im MK lest ihr hier...

Damit in den möglichen Warteschlangen die Mindestabstände eingehalten werden, haben die Fattorels auf dem Platz vor der Eingangstür Markierungen aufgebracht. Die gestrichelten Linien sind im Abstand von jeweils zwei Metern auf dem Pflaster aufgeklebt. Schilder an den Wänden erinnern zusätzlich an die Einhaltung dieser Mindestabstände. Damit sich rund um die Eisdiele keine Menschenansammlungen bilden, gilt laut Erlass des Landes NRW ein Verzehrverbot: Im Umkreis von 50 Metern zur Verkaufsstelle darf das Eis nicht gegessen werden. „Daher dürfen wir auch kein Eis im Hörnchen anbieten, sondern lediglich im Becher und die verpackt“, erklärt Olinda Fattorel. Sie empfiehlt den Kunden, das Eis mit nach Hause zu nehmen, um es dort zu essen.

 Kaffee zum Mitnehmen wird es übrigens nicht geben. All diese Änderungen erfordern ein Umdenken und andere Arbeitsabläufe in der Eisdiele. „Das ist für uns natürlich alles neu“, sagt Olinda Fattorel. Sie und ihr Mann Rob seien jedoch froh, dass sie ihre Eisdiele öffnen können. Die Einnahmen durch den Eisverkauf seien von existenzieller Bedeutung für die Familie. Das Geschäft in Herscheid betreiben die Fattorels seit dem Jahr 1996 stets in den sonnigen Monaten (von März bis September). Hier haben sie nicht nur einen großen Kundenstamm aufgebaut, sondern auch etliche Freunde gefunden. „Wenn wir nach dem Winter in Italien zurück nach Herscheid fahren, dann fühlt sich das an, als wenn wir nach Hause kommen“, beschreibt Olinda ihre innige Beziehung zur Ebbegemeinde und den dort lebenden Menschen. Auch zu den Mitarbeitern der Gemeinde Herscheid pflege man gute Kontakte.

 In enger Abstimmung mit dem Ordnungsamt habe man die Sicherheitsmaßnahmen wegen der Coronakrise durchgeführt. Das habe problemlos funktioniert, bedanken sich die Betreiber für die gute Kooperation mit der Verwaltung. Trotz der ungewohnten Umstände freuen sich die Fattorels auf die nun begonnene neue Eissaison. Sie hoffen, dass sich die Kunden rasch mit den ungewohnten Vorgaben anfreunden können, blicken aber optimistisch nach vorne: „Wir haben hier in Herscheid noch nie Probleme gehabt, warum sollte das nun anders sein?“

 Auch in der Plettenberger Eisdiele Sagui ist in diesen Tagen einiges anderes aufgrund der Corona-Pandemie. Setzen kann man sich bei Sagui nicht. Die Tür ist für Kunden geschlossen. Auch die Tische draußen wurden weggeräumt. Ein großes gelbes Schild informiert: „Bitte treten Sie einzeln vor, halten Sie Abstand, verzehren Sie ihr Eis in einem Abstand von mindestens 50 Metern.“ Die Betreiber blicken dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft und sind startklar: „Wir könnten sofort wieder ganz normal öffnen“, sagt Paolo Sagui. Nach und nach sollen jetzt schonmal die Öffnungszeiten in den Abendstunden verlängert werden. Der Reporter spricht durch das Fenster mit Paolo Sagui, der die gleichnamige Eisdiele zusammen mit Bruder Dario betreibt. Inzwischen kämen mehr Eis-Freunde vorbei, die sich eine Tüte „auf die Hand“ mitnehmen oder sich die Eis-Spezialitäten für zuhause einpacken ließen. „Wir freuen uns über jeden Kunden“, sagt Sagui.

 Eine Woche mussten sie ihre Eisdiele komplett schließen. Jetzt hoffen sie, dass die Situation schnell wieder besser wird und sie schon bald wieder wie gewohnt aufmachen dürfen. Passend zum Sommerwetter sollen jetzt nach und nach die Öffnungszeiten wieder verlängert werden, bis 20, dann bis 21 Uhr. In seinem Heimatstädtchen in den italienischen Bergen mit 10 000 Einwohnern gebe es aktuell vier Corona-Infizierte, sagt Sagui. Die größten Schwierigkeiten hätten seine beiden Kinder, die sonst immer viel draußen wären. „Sie sind langsam genervt“, sagt Sagui. In Italien gibt es eine komplette Ausgangssperre. Das Land wurde vom Coronavirus besonders hart getroffen. Die beiden bekommen ihre Schulaufgaben jetzt über den Computer. Paolo Sagui hat das Lächeln gewiss nicht verloren, das merkt man sofort. „Hauptsache, wir alle bleiben gesund“, sagt er und bedient die nächsten Kunden.

Kontakt: Die Eisdiele Fattorel ist bis auf Weiteres täglich in der Zeit von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Telefonische Bestellungen können unter der Telefonnummer (0 23 57) 17 07 50 aufgegeben werden. Die Eisdiele Sagui öffnet wie gewohnt von 8 bis 22 Uhr. Aktuell schließen die Saguis noch etwas eher ihre Türen. Sie sind erreichbar unter Telefonnummer (0 23 91) 4313.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare