Schwarzarbeit sorgt für Enttäuschung

Friseursalons: In Windeseile ausgebucht bis Juni

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Der Friseursalon Hair-Line hat wieder geöffnet und das Team um Inhaberin Anne Stahl (2. von links) ist froh, wieder arbeiten zu dürfen.

Plettenberg – Waschen, schneiden föhnen – das ist seit gestern Pflicht beim Friseursalon Hair-Line am Lindengraben, denn: Trockenschnitte müssen bis auf Weiteres ausfallen. Wer sich weigert, wird nicht bedient. Klingt hart, ist aber wegen Corona aus hygienischen Gründen nicht vermeidbar, wie Inhaberin Anne Stahl erklärt.

In ihren insgesamt 30 Jahren im Beruf – davon seit 20 Jahren in der Selbstständigkeit – hat sie solch eine Ausnahmesituation wie die jetzige noch nie erlebt. „Was sollen wir machen? Da müssen wir jetzt eben durch“, ist die Friseurin dennoch positiv gestimmt, sowie ihre insgesamt neun Mitarbeiterinnen. Zwei davon verweilen allerdings immer noch zuhause, da sie nur für die Nagelpflege angestellt sind und aktuell noch nicht wieder im Salon arbeiten dürfen. „Wir übrigen Friseurinnen teilen uns aktuell auf bis zu sieben Kunden gleichzeitig auf, mehr dürfen wir nicht betreuen. Plätze haben wir eigentlich doppelt so viele aber wir müssen die Mindestabstände einhalten“, erklärt Anne Stahl. 

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Gearbeitet wird außerdem mit Masken und Handschuhen und das Kundengespräch erfolgt fast ausschließlich über den großen Spiegel. Alles zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber dennoch machbar, wie die Friseurinnen finden. In der vergangenen Woche stand das Telefon bei Anne Stahl und ihren Mitarbeiterinnen nicht eine Minute still. Seit feststand, dass die Salons wieder öffnen dürfen, haben sich die Kunden Termine gesichert. „Wir sind aktuell bis Juni ausgebucht. Das ist echt Wahnsinn“, freut sich die Inhaberin einerseits über die hohe Nachfrage, andererseits ist sie natürlich traurig, dass sie nicht allen Kunden sofort gerecht werden kann: „Wer zuerst anruft, bekommt auch den ersten Termin. Ich kann da nicht einzelne Kunden bevorzugen. Jeder wird gleich behandelt“, erklärt sie.

 Das Problem: Nicht nur weniger Kunden können aktuell pro Tag bedient werden, auch darf jeder Kunde nur von einer Friseurin betreut werden. „Ich darf zum Beispiel keinen Herrenschnitt machen, während bei einer anderen Kundin die Farbe einwirkt – so etwas war vorher problemlos machbar“, bedauert Stahl. Im Umkehrschluss bedeute das für ihren Salon insgesamt weniger Einnahmen. Hinzu kommen die Wochen komplett ohne Einnahmen. „Ich musste schon für den April Kurzarbeit für meine Angestellten anmelden“, so Stahl. Generell seien aber alle Mitarbeiterinnen froh, wieder arbeiten zu dürfen. Wütend ist Stahl darüber, dass viele Friseure in den Wochen der „Zwangspause“ Schwarzarbeit geleistet hätten. „Man kann natürlich keinem etwas nachweisen, aber ich habe in den vergangenen Wochen viele Kunden gesehen, die die Haare frisch geschnitten hatten. Für uns ehrlich arbeitende Friseure ist das sehr traurig und das ärgert mich“, ist sie enttäuscht darüber, dass anscheinend einige Friseure trotz Verbotes die Schere gezückt haben. 

Stammkundin Kriemhild Rothstein hat hingegen artig gewartet, bis der Salon wieder geöffnet wurde. „Ich gehe eigentlich alle vier Wochen zum Friseur. Das war jetzt schon lang, aber was soll man denn machen? Man muss sich doch selber das Leben nicht schwer machen und jammern“, sagt sie. Ihr Lächeln, das trotz Maske zu sehen ist, verrät, dass sie trotz allem vermutlich sehr froh darüber ist, endlich wieder auf dem Frisierstuhl zu sitzen.

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