Coronakrise: Schausteller im MK auf dem Abstellgleis

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Sven, Toni, Carolin und Lorena Feldmann (von links) bringen die Zuckerwatte bis ins Wohnzimmer.

Plettenberg – Der Duft von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln, dicht gedrängte und gut gelaunte Menschen und die Rufe der verschiedenen Karussellbetreiber, die zu einer neuen Runde oder „Wahnsinnsfahrt“ einladen. Auf all das müssen Kirmesfans momentan ebenso verzichten wie die Leute, die diese Leidenschaft zu ihrem Beruf gemacht haben.

Eigentlich wären die Feldmanns aus Plettenberg in dieser Woche mit ihren Fahrgeschäften auf der Frühlingskirmes des Werdohler Schützenvereins unterwegs – eigentlich. Die Coronakrise zwingt die Schaustellerfamilie aktuell dazu, in ihrem Wohnwagen im Köbbinghauser Hammer zu bleiben.

„Uns bleibt gerade nichts anderes übrig, als abzuwarten – und das gerade jetzt, wo wir einfach nur loswollen“, ist Vater Sven Feldmann ungeduldig. Seine vierköpfige Familie sei eine Kirmesfamilie „durch und durch“. Auf der Kirmes – mitten im Trubel – da schlägt das Herz von Sven Feldmann und auch das seiner Frau Carolin und den Kindern Toni und Lorena. Man trifft auf den Jahrmärkten oder Volksfesten auf Freunde und Bekannte und vor allem auf das, was die Feldmanns so lieben: die Begeisterung der Kirmesbesucher. „Erst neulich noch hat eine alte Dame mein historisches Karussell gesehen und erzählte mir begeistert, dass sie schon als kleines Mädchen damit gefahren sei – es sind Momente wie diese, die mir verdeutlichen, wie sehr wir diesen Job lieben“, erklärt Feldmann. 

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So eine Situation wie jetzt gab es noch nie: „Wir sitzen jetzt hier in unserem Wohnwagen fest und keiner kann uns sagen, wie und wann es weitergeht. Vor zwei Wochen wären wir auf dem Gertrüdchen in Neuenrade gewesen. Endlich hätten wir mal traumhaftes Wetter gehabt“, bedauert Feldmann, dass auch diese Einnahmen für den Schausteller weggefallen sind. Aktuell ist Zuhausebleiben angesagt. Der Wohnwagen im Köbbinghauser Hammer misst 17 mal 4 Meter. „Wir haben schon relativ viel Komfort – eine Klimaanlage, eine Sitzbadewanne und so, also das ist schon gut“, erklärt er, dass der Wagen vergleichbar mit einer kleinen Wohnung sei. Er sei eben das Zuhause der Feldmanns und das wolle er gegen nichts eintauschen. „Man könnte mir ein Haus schenken und ich würde es nicht nehmen“, sagt er lachend. Einmal Schausteller, immer Schausteller – da sei sich Feldmann ganz sicher.

So sehr er das Leben als Schausteller auch liebt, kommen ihm aktuell auch Zweifel: „Vielleicht ist es doch nicht der richtige Beruf, aber im Endeffekt haben wir ja auch nichts anderes gelernt“, ist Feldmann verzweifelt. Sein Sohn und er hätten zwar einen Lkw-Führerschein gemacht, aber: „Die werden ja aktuell auch nicht gesucht. Es braucht gerade keiner Fahrer“, so Feldmann. Dennoch sei er noch hoffnungsvoll: „Wir hoffen, dass die Schützenfeste wenigstens nicht ausfallen!“ Gerade das Fest an der Balver Höhle sei sehr wichtig für ihn. „Wenn die ganzen Einnahmen über den Sommer auch wegfallen – das wäre schon schlimm“, erklärt Feldmann. 

Die Krise lasse aber dennoch kreative Ideen zu. Feldmanns Sohn Toni sei auf die Idee gekommen, in der Coronakrise eine kleine Privatkirmes nach Hause zu liefern. „Der hat das einfach mal bei Facebook veröffentlicht und ich war erstaunt, wie gut das Angebot angenommen wird“, freut sich Feldmann. Egal ob Zuckerwatte, Lebkuchenherzen oder gebrannte Mandeln: „Wir liefern alles frei Haus“, wirbt der Schausteller. So bleibt den Feldmanns und auch den Kirmesfans wenigstens eines in dieser Zeit: ein bisschen Kirmesluft in diesen sonst fast gespenstisch ruhigen Tagen.

Lieferservice:

Die Familie Feldmann liefert montags und donnerstags in Plettenberg (und näherer Umgebung) und mittwochs nach Werdohl ab einem Einkaufswert von zehn Euro kostenlos, alles darunter wird mit einer Liefergebühr berechnet. Paketsendungen erfolgen mehrmals die Woche. . Bestellungen werden über Facebook (Toni Feldmann) per Privatnachricht oder telefonisch unter der Telefonnummer 0 175 -29081 51 von Sven Feldmann entgegengenommen. Geliefert wird alles, was man an der Mandelbude bei Feldmanns auf der Kirmes bekommt.

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