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Kaum Treffen in „echt“: Corona macht es dem Fanclub des FC Bayern schwer

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Von: Sabrina Jeide

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Der Vorsitzende Wolfgang Hoffmeister (rechts) und Schriftführer Jörg Neubauer freuen sich auf die kommenden Veranstaltungen des Plettenberger Fanclubs.
Der Vorsitzende Wolfgang Hoffmeister (rechts) und Schriftführer Jörg Neubauer freuen sich auf die kommenden Veranstaltungen des Plettenberger Fanclubs. © Jeide, Sabrina

Auch die Fanclubs der Fußball-Bundesligisten leiden, ebenso wie andere Vereine, unter den Corona-Einschränkungen der vergangenen Jahre. Beim Fanclub des FC Bayern München in Plettenberg möchte man jedoch den Blick in die Zukunft richten.

Plettenberg - Es ist wie eine kleine Zeitreise. Eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten, als hier, in der Gaststätte Oberstadt, noch Bahnreisende einkehrten, als ein frisch gezapftes Pils serviert wurde, als noch die Zigaretten geraucht wurden oder als beim Skat um Punkte und Preise gereizt wurde.

Im Hier und Heute verbreitet sich beim Betreten der ehemaligen Wirtschaft immer noch ihr ganz eigener Charme. Längst nicht mehr als Gaststätte genutzt, hat oberhalb der Herscheider Straße seit knapp vier Jahren ein Fanclub sein neues Domizil gefunden: Der FC Bayern München-Fanclub Plettenberg 02. Dieser hat die ehemaligen Gaststätten-Räumlichkeiten in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude von der Firma R+FK Schulte gemietet.

Und so begibt es sich, dass man beim Betreten dem urigen Gefühl nicht entkommt – auch wenn die Zapfanlage längst nicht mehr ihren Dienst verrichtet und in der Vitrine ganz stilecht für Bayern-Fans die Weißbier-Gläser stehen, während über der Theke die noch voll funktionstüchtige Pils-Reklame aufleuchtet. Wer mag, kann eine Runde Tischkicker spielen – die Bayern empfangen dabei den FC Schalke 04. Eine Ansetzung, die leichtes Schmunzeln hervorruft, kann es diese Partie „in echt“ doch zumindest in dieser Fußball-Saison nicht mehr geben.

Im Raum nebenan wartet dann die volle Dröhnung FC Bayern mit Wimpeln, Fahnen und natürlich auch den passenden Tischdecken. Hier werfen der erste Vorsitzende Wolfgang Hoffmeister und Schriftführer Jörg Neubauer nur einen kurzen Blick zurück auf die letzten 17 Monate, „in denen alles brach lag“. Vielmehr wollen sie nach vorne schauen und betonen: „Der Fanclub besteht weiter.“

Nach dem nicht ganz geräuschlosen Ausscheiden des ehemaligen Vorsitzenden Roland Bertermann im vergangenen Jahr hatte man aufgrund der Corona-Pandemie zunächst nur einen kommissarischen Vorstand, der aber bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Monat in seinem Amt bestätigt wurde und an dessen Spitze nun Wolfgang Hoffmeister steht. Einige Mitgliedsaustritte mussten zwar verkraftet werden, aber mit 62 Fans, die der Verein Anfang November zählte, möchte man in den nächsten Wochen und Monaten wieder voll durchstarten.

„Was uns in der Corona-Zeit zusammen gehalten hat, ist unsere WhatsApp-Gruppe“, freuen sich Hoffmeister und Neubauer. „So standen wir immer in Kontakt, auch wenn wir uns nie gesehen haben.“ Und ihre Verbindung ist vor allem ihre Leidenschaft für den Fußball und natürlich ihre Begeisterung für den Rekordmeister FC Bayern München.

Wolfgang Hoffmeister war gerade einmal zehn Jahre alt, als er zum Bayern-Fan wurde. Die Münchner spielten in der Saison 1971/1972 im Europapokal der Pokalsieger gegen die Glasgow Rangers und schieden nach einer 2:0-Niederlage im Halbfinal-Rückspiel aus: „Ich habe das damals unter der Bettdecke im Radio gehört und Rotz und Wasser geheult – aber seitdem bin ich Bayern-Fan“, erzählt Hoffmeister begeistert. Und nicht nur das: Seit 36 Jahren ist er sogar Mitglied beim FC Bayern München und zählte auch im Plettenberger Fanclub 2002 zu den Gründungsmitgliedern. Auch bei Jörg Neubauer wurde die Fußballbegeisterung früh geweckt, als er seinen Vater zu Spielen in Bochum oder Leverkusen begleitete: „Ich hatte eine gute Erziehung.“

Das Miteinander und der Zusammenhalt sollen auch in Zukunft im Fanclub groß geschrieben werden. Finanziell hat man die Corona-Zeit relativ unbeschadet überstanden – auch weil R+FK Schulte dem Verein bei den Mietkosten entgegengekommen ist und man zum Beispiel mit einer Änderung beim Getränkeeinkauf Kosten einsparen konnte. Das ermöglichte dem Fanclub, in einer Halbserie die Mitgliedsbeiträge um 50 Prozent zu reduzieren.

Umso mehr freuen sich die Bayern-Fans nun endlich wieder in der urigen GaststättenUmgebung zusammenzusitzen, um über ihren FC philosophieren zu können – manches Mal vielleicht aber auch über die guten alten Zeiten der Gaststätte Oberstadt.

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