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Biontech-Impfungen für alle: Stimmen von Tag 1 und noch Platz an Tag 2

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Von: Sebastian Schulz

Corona-Impfungen Radprax-Krankenhaus Plettenberg mit Biontech
Heidi und Steven van Berkel, hier an der Spitze der Warteschlange im Flur zum Mehrzweckraum, freuen sich auf ihre Impfung. Beide waren bereits mit dem Coronavirus infiziert. © Schulz

350 Dosen des Herstellers Biontech/Pfizer hat das Radprax-Krankenhaus Plettenberg zur Verfügung. Geimpft wird jeder, der möchte und sich angemeldet hat. Tag 1 ist vorbei. Für Tag 2 sind noch Anmeldungen möglich.

Plettenberg - Um Punkt 10 Uhr ist an diesem Mittwochmorgen im Plettenberger Radprax-Krankenhaus alles bereit. Dr. Andrzej Ploch und sein Team stehen auf ihren Posten, im Flur vor der Kapelle warten die ersten impfwilligen Besucher des Tages und Schwester Simone Colak stellt noch schnell ein Tablett mit sechs Tassen frisch gebrühtem Kaffee für die Kollegen auf die Fensterbank. Der erste von zwei Impftagen für die Bevölkerung, der Ende letzter Woche angekündigt worden ist, kann beginnen.

Fabian Großmann, 18, macht den Anfang. Er hat im Vorfeld einen der ersten Termine um 10 Uhr gebucht. Lange hatte er zuvor mit einer Impfung gezögert, jetzt benötigt er aber einen Nachweis für seinen Arbeitgeber. Deshalb hat er sich schnellstmöglich um einen Impftermin gekümmert. „Es ist gut, dass es solche Aktionen gibt“, sagt er, nachdem er nach dem Aufklärungsgespräch die Spritze in den Oberarm bekommen hat und nach einer Viertelstunde Wartezeit das Krankenhaus wieder verlassen kann.

Die Schlange im Flur wird derweil zusehends länger. Am Einlass zum Mehrzweckraum, der für die Impfungen genutzt wird, hält Schwester Simone Colak die Fäden in der Hand. Bei ihr mussten sich die Impfwilligen in den letzten Tagen telefonisch anmelden und sie ist auch an diesem Mittwochmorgen die erste Ansprechpartnerin. Sie prüft die Unterlagen der Besucher, hakt die Namen auf ihrer Terminliste ab. Zehn Impfungen sind pro Viertelstunde eingeplant. Zwischendurch klingelt das Telefon oder Besucher fragen nach den erforderlichen Impf-Formularen. Da bleibt für Simone Colak und ihre Kollegen nicht viel Zeit zum Durchschnaufen. Entsprechend unberührt ist auch eine halbe Stunde nach Beginn das Kaffeetablett auf der Fensterbank.

In einer der drei Impfkabinen im Mehrzweckraum sind jetzt Leon und Bernd Bainach an der Reihe. „Ein Mückenstich ist schlimmer“, sagt Bernd Bainach zu Impfarzt Tuna Colak, nachdem er den Piks in den Oberarm bekommen hat. Bainach, 70, hätte sich zwar theoretisch längst im Impfzentrum Lüdenscheid impfen lassen können, aber das sei ihm zu kompliziert gewesen. Die Krankenhaus-Aktion kommt ihm nun gerade recht.

Sein Enkel Leon dagegen ist gerade erst 15 Jahre alt und zählt in seiner Altersgruppe mit zu den ersten, die eine Impfung bekommen haben. „Es hat sich jetzt so ergeben“, sagt er. „Zwei, drei Leute aus meinem Umfeld sind auch schon geimpft, die meisten aber noch nicht.“

Noch jünger ist Ole Grote. Der Zwölfjährige lässt sich gemeinsam mit seinen beiden Schwestern Lilli und Nele, 17 und 21, die Impfung verabreichen. „Je eher sie eine Impfung bekommen, desto besser“, sagt Vater Stefan Grote, der seine Kinder begleitet. „Irgendwann werden sie sich eh alle impfen lassen müssen“, glaubt er, „man will ja zum Beispiel auch mal wieder in den Urlaub.“

Zwölf Jahre sind an diesem Mittwoch das jüngste Alter, in dem den Besuchern der Biontech-Impfstoff mit einer Einwilligungserklärung der Eltern verabreicht wird. Es sind aber nicht nur Jugendliche und junge Erwachsene, sondern alle Altersspannen, die sich im Krankenhaus impfen lassen. Dr. Ploch fällt im Aufklärungsgespräch vor allem eine 90-Jährige auf, die den Weg nach Lüdenscheid nicht auf sich nehmen konnte und bisher von ihrem Hausarzt noch kein Impfangebot bekommen habe. Im Krankenhaus konnte ihr nun geholfen werden.

Genau in der Mitte liegen Heidi und Steven van Berkel, 44 und 43, mit ihrem Alter. Beide wissen, wie es sich anfühlt, an Corona erkrankt zu sein. Vor drei Monaten waren sie infiziert; Steven van Berkel hatte lediglich mit Müdigkeit zu kämpfen, aber Heidi van Berkel hatte es mit Schüttelfrost und Luftnot richtig erwischt. Anders als vor der Erkrankung ringt sie noch heute nach Atem, wenn sie die Treppe hinaufsteigen muss. „Ich wollte das vorher nicht wahrhaben, aber jetzt habe ich Folgen von Corona am eigenen Leib zu spüren bekommen“, sagt sie. Sicherheitshalber wollten sich ihr Mann und sie drei Monate nach der Erkrankung impfen lassen, um nicht noch einmal an Corona zu erkranken.

Im Minutentakt wird das Biontech-Vakzin im Verlauf des Vormittags verabreicht, am Einlass melden sich ununterbrochen die angemeldeten Impfwilligen. Der Kaffee auf dem Tablett für die Ärzte und Helfer ist inzwischen kalt. Dafür ist die Freude bei Dr. Ploch groß: „Die Aktion zeigt, dass der Bedarf da ist und wir freuen uns, dass so viele Menschen das Angebot in Anspruch nehmen und dass wir etwas für diese Stadt machen konnten.“

Nebenwirkungen waren im Verlauf des Vormittags nur in einem Fall zu beobachten, als ein Jugendlicher, der offenbar vorher auf das Frühstück verzichtet hatte, Kreislaufprobleme bekam; nach fünf Minuten auf der Liege ging es ihm aber schon wieder deutlich besser.

Fünf Stunden nach Beginn des Impftages sind fast 200 der insgesamt 350 Dosen Biontech verabreicht worden. An diesem Donnerstag geht es weiter. Mit Stand von Mittwochvormittag waren für Tag zwei noch 20 Anmeldeplätze frei. Wer sich spontan noch impfen lassen möchte, dem rät Simone Colak, es einfach am Vormittag mit einem Anruf unter (02391) 637371 zu versuchen.

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