„Einmal ein privater Haarschnitt, bitte!“

Friseure bleiben im Lockdown zu: Friseurin aus MK befürchtet florierende Schwarzarbeit

Haarstudio Baron Plettenberg Corona Lockdown für Friseure wird verlängert
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Nicoletta Tzortzi und Sevgi Sahan schmückten am Mittwoch im Haarstudio Baron den Weihnachtsbaum ab. Bis Ende Januar bleibt der Salon durch die Verlängerung des Lockdowns mindestens noch geschlossen.

Für Händler und Dienstleister bleibt die Situation angesichts des verlängerten Corona-Lockdowns schwierig. Eine Friseurin aus dem MK befürchtet jetzt vor allem noch mehr Schwarzarbeit.

Plettenberg - Eigentlich ist Sevgi Sahan von Beruf Friseurin, aber als Wahrsagerin macht sie sich auch nicht schlecht. Als Mitte Dezember der Lockdown von der Bundesregierung verhängt worden ist und Sevgi Sahan ihr Haarstudio Baron an der Wilhelmstraße schließen musste, sagte sie seinerzeit im Gespräch mit der Heimatzeitung: „Ich rechne damit, dass der Lockdown nicht am 10. Januar endet, sondern mindestens bis Ende Januar verlängert wird.“ Sie sollte recht behalten.

Seit diesem Dienstag ist klar: Alle Geschäfte und Dienstleister, die seit Dezember wegen der Corona-Pandemie den Betrieb herunterfahren mussten, bleiben auch weiterhin zu. Auch Friseure bleiben bis Ende Januar geschlossen*.

Sie habe am Dienstag die Pressekonferenz mit einem Schmunzeln von dem Sofa zuhause verfolgt, erzählt Sevgi Sahan jetzt. Geschmunzelt hat sie deshalb, weil sie es ja geahnt hatte. Aber zum Lachen ist ihr nun ganz und gar nicht zumute. Das Dezember-Geschäft konnte auch trotz eines Vollgas-Endspurts an den letzten beiden Öffnungstagen nicht mehr vollends gerettet werden, jetzt bleibt der Laden im Januar komplett zu und die Reserven sind von dem Lockdown im Frühjahr bereits aufgebraucht. „Ich habe das Glück, dass ich einen Mann mit einem Vollzeitberuf habe“, sagt Sevgi Sahan. „Für Kollegen, die nur davon leben, wird es jetzt schwierig.“

Am Mittwoch hat sie ihr Team noch einmal zur Krisensitzung im abgeschlossenen Friseursalon versammelt und den Mitarbeitern verkündet, dass sie nun 100 Prozent Kurzarbeit anmelden muss. Bei dieser Gelegenheit hat sie auch darum gebeten, bloß keine privaten Haarschneide-Termine anzunehmen. Denn diese Art von Schwarzarbeit werde durch den Lockdown nun massiv gefördert, befürchtet Sevgi Sahan.

Die Gründe für diese Befürchtung sind leicht nachzuvollziehen. Viele Bürger müssen ja irgendwann zum Haarschnitt, wenn sie gepflegt aussehen möchten. Und wenn alle Friseursalons geschlossen sind, werden oft private Kontakte genutzt und mit einem „Trinkgeld“ bezahlt. Sevgi Sahan selbst wurde in den letzten Tagen vermehrt angerufen und angeschrieben, ob sie nicht „mal eben“ für einen Haarschnitt oder Haarefärben privat vorbei kommen könne. Sie habe alle Anfragen abgelehnt. „Das schädigt nicht nur unser Geschäft“, sagt Sevgi Sahan, „sondern das ist ja auch gegen jegliche Corona-Schutzmaßnahmen.“ Während in den Friseursalons penibel auf so wenig Kontakt wie möglich geachtet werde, werde von vielen beim Haarschnitt zuhause oft noch nicht einmal eine Maske getragen, betont Sahan. „So können die Infektionszahlen nicht runter gehen.“

Was sich die Friseurin im Kampf gegen Corona wünscht, wäre ein vollständiger Lockdown, ohne Ausnahmen. „Alle bleiben für ein paar Tage komplett zuhause, Lebensmittel könnten zur Not von den Supermärkten geliefert werden. Es würde schon niemand verhungern“, ist Sevgi Sahan überzeugt. Aber angesichts des jetzigen Flickenteppichs mit weiterhin geöffneten Supermärkten und Drogerien fürchtet die Friseurin, dass die Corona-Pandemie weiterhin nicht gebremst werden kann – und dass der Lockdown vielleicht sogar auch im Februar andauern könnte. - *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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