Vergleich der Zahlen von Juli 2019 und Juli 2020

Corona-Folgen: Tourismus bricht in Plettenberg ein

Statistik zur touristischen Entwicklung in Plettenberg: Die Zahlen sinken weiter
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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie waren im heimischen Tourismus auch im Juli spürbar: Ein deutlicher Rückgang an Ankünften und Übernachtungen, vor allem bei Gästen aus dem Ausland, ist im Vergleich zum Juli 2019 zu erkennen.

 Urlaub in heimischen Gefilden – das war für viele Bundesbürger in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie angesagt. Doch die aktuellen Zahlen von IT.NRW verraten, dass der Tourismus in Plettenberg davon nur wenig profitiert hat – besonders Gäste aus dem Ausland mieden die heimische Region im Juli.

Dies geht aus dem Vergleich zum Juli vergangenen Jahres hervor. Um rund ein Drittel ist demnach die Ankünfte von Gästen aus dem Ausland zurückgegangen. Weniger dramatisch sind die Zahlen bei Gästen aus dem Inland – um rund sechs Prozent gingen die Ankünfte in diesem Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Vermutlich haben Monteure, die in Plettenberger Hotels und Pensionen übernachtet haben, ein weiteres Absacken auch dieser Zahl verhindert.

Corona-Einschränkungen: Deutlich weniger Touristen aus dem Ausland

Allgemein lässt sich für dem Juli 2020 ein bestimmter Trend erkennen: Das Sauerland, und insbesondere Plettenberger, wurden von Gästen aus dem Ausland gemieden. Besonders deutlich wird dies bei der Zahl der Übernachtungen: Diese ist bei Gästen aus dem Ausland im Vergleich zum Juli 2019 um rund zwei Drittel zurückgegangen – bei Gästen aus dem Bundesgebiet „nur“ um knapp 22 Prozent. Auch hielten sich Gäste aus dem Ausland deutlich kürzer in der Vier-Täler-Stadt und Umgebung auf: Die mittlere Aufenthaltsdauer hat sich auf 1,9 Tage halbiert. Gäste aus dem Inland verbrachten im Schnitt einen halben Tag weniger in Plettenberg.

Corona-Auswirkungen: Zahl der Betten in Plettenberg reduziert

Die heimischen Hotels und Pensionen haben auf diese Entwicklung, die bereits seit Ausbruch der Corona-Pandemie anhält, bereits reagiert: Zwar gibt es auch weiterhin acht Beherbergungsbetriebe in Plettenberg, diese haben die Zahl der angebotenen Betten jedoch um 18 auf 236 reduziert. Ein offenbar richtiger Schritt, schließlich hat sich die mittlere Auslastung der Betten im Vergleich zum Juli vergangenen Jahres um knapp zwölf Prozent reduziert.

Dass es sich nicht ausschließlich um einen Trend handelt, der nur in Plettenberg oder dem Sauerland beobachtet werden kann, verdeutlichen die Zahlen von IT.NRW für das gesamte Bundesland: Demnach ist die Zahl der Übernachtungen mit rund 3,2 Millionen um 35,3 Prozent niedriger als im Juli 2019 gewesen. Im Monat zuvor hatte das Minus noch bei 55,5 Prozent gelegen. Die Gästezahl lag im Juli 2020 mit rund 1,2 Millionen um 44,4 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Tourismus-Rückgang wegen Coronavirus: Nicht nur Hotels und Pensionen leiden

„Die Pandemie hat zu einer beispiellosen Krise im heimischen Gastgewerbe geführt. Erst mussten Hotels, Pensionen, Kneipen und Restaurants über viele Wochen ganz schließen. Und nach dem Lockdown läuft der Betrieb unter Auflagen nur langsam wieder an“, sagt Lars Wurche, Gewerkschaftssekretär der NGG-Region Südwestfalen.

Unter der Situation litten aber nicht nur die Unternehmen. „Die Folgen sind auch für Köche, Kellner und Hotelangestellte dramatisch. Als Kurzarbeiter mussten sie deutliche Lohneinbußen in Kauf nehmen – in einer Branche, die ohnehin nur geringe Löhne zahlt“, betont Wurche. Nach dieser „Durststrecke“ blickten viele Beschäftigte nun mit Sorge auf die Herbst- und Wintersaison. Nach Angaben der Arbeitsagentur beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe im Märkischen Kreis rund 4 600 Menschen.

Allerdings habe die Kurzarbeit bislang einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit verhindern können. Dank staatlicher Hilfen sei eine Pleitewelle im Gastgewerbe ausgeblieben.

Die Gewerkschaft NGG appelliert nun an die Unternehmen, die Kurzarbeit für die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu nutzen. „Wer wegen Corona nicht arbeiten kann, sollte die Möglichkeit einer beruflichen Weiterbildung bekommen. Das ist ein Beitrag gegen den Fachkräftemangel, der in Hotels und Restaurants unabhängig von der Pandemie eklatant ist“, erklärt Wurche. Zudem müssten Beschäftigte auch im Gastgewerbe für die Digitalisierung fit gemacht werden. Hier berge die Krise eine große Chance.

Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts waren im August bundesweit 377 000 Beschäftigte des Hotel- und Gaststättengewerbes in Kurzarbeit – das ist gut jeder dritte Arbeitnehmer (34 Prozent). Dabei sind die vielen Minijobber der Branche nicht mitgerechnet. Sie haben keinen Anspruch auf das Lohnausfallgeld.

In der gesamten Wirtschaft lag der Anteil der Kurzarbeitenden zuletzt bei 14 Prozent. Während des Lockdowns zwischen März und Aprildieses Jahres wurde laut Arbeitsagentur für neun von zehn sozialversicherungspflichtige Beschäftige im Gastgewerbe Kurzarbeit beantragt.

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